Baudelaire ist nach Sartre der Mensch, der die Bedingungen seines Menschseins am tiefsten empfand und am leidenschaftlichsten bestrebt war, sie vor sich selbst zu verheimlichen (S.30). Eine Bedingung ist die, dass der Mensch vor der Aufgabe steht, seine Existenz zu rechtfertigen. Eine andere Bedingung betrifft die Bestimmung der Dinge, die einem zustoßen. Sartre urteilt hart: Baudelaire hat sein Geschick gewählt, er hat es gesucht und verdient, ist für jeden Umstand seines Lebens verantwortlich (S.118). Allerdings betrifft dieses Urteil nicht nur Baudelaire. Sartre ist der Meinung, dass die freie Wahl seiner selbst, die der Mensch trifft, identisch ist mit dem, was man sein Schicksal nennt. In einer Urwahl (choix originel) wählt sich jeder Mensch sein Schicksal und ist selbst für dieses verantwortlich.
In diesem Essay analysiert Sartre Baudelaires Bewusstsein, das Bild, die Rechtfertigung, die Beobachtung, die Wahrnehmung und Betrachtung, die Beurteilung, die Erkenntnis und Täuschung seiner selbst. Er analysiert auch sein Verhältnis zu sich, seiner Freiheit und zu anderen. Zudem erörtert er seine Moral, seine Begriffe vom Unendlichem, vom Menschen, von der Natur,von der Bedeutung und von der Zeitlichkeit.
Sartre macht bei Baudelaire mehrere Strebungen aus. So ist er bestrebt, sich selbst zu ergreifen und wiederzugewinnen, seine Existenz zu rechtfertigen, strebt nach Freiheit und zugleich nach Sicherheit und nach der Vereinigung von Existenz und Sein.
Die Analyse ist komplex und schwierig zu verstehen, geschweige denn zu systematisieren. Die Kenntnis von Baudelaires Leben und die der Philosophie Sartres ist zum Verständnis auf jeden Fall hilfreich.