Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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136 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nur schade, dass er den Bauch nicht wegließ, 9. April 2007
Am Denkmal des Homo oeconomicus wird in den letzten Jahren so heftig herumgehämmert, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis die Statue fällt. Was dann an seiner Stelle stehen wird, ist zwar noch völlig offen, aber irgendeine Figur, die an unser Unbewusstes erinnert, wird es bestimmt sein. Abbruch und Neugestaltung gingen wahrscheinlich etwas schneller voran, wenn die Beteiligten etwas mehr auf ihre Wortwahl achten würden. Denn mit dem missglückten Titel erneut zu suggerieren, das Unbewusste sei irgendwo im Bauch angesiedelt, zementiert nur alle Irrtümer. Zu welchen Entschlüssen unsere neuronalen Netzwerke gelangen, spüren wir zwar auch im Bauch, aber die Entscheide fallen nun mal im Kopf.
Wie solche Entscheidungen getroffen werden und was dabei alles berücksichtigt wird, erklärt Gerd Gigerenzer in diesem Buch auf selten anschauliche Weise. Das gelingt ihm vor allem mit guten Geschichten und prägnanten Formulierungen. Und weil der Autor nicht irgendeiner ist, sondern das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin leitet, wird seine Botschaft auch Menschen erreichen, die aus reflexartigem Abwehrverhalten normalerweise weghören. Wie auch Linda Pelzmann aus Wien in ihrer Rezension ausdrücklich betont, geht es in Gigerenzers Buch nicht darum, die Vernunft gegen die Intuition auszuspielen. Vielmehr ist es das Anliegen des Autors, die Stärken und Anwendungsbereiche der beiden neuronalen Datenverarbeitungssysteme aufzuzeigen. Dass allein gibt schon genügend Diskussionsstoff für die nächsten Jahre und wird scheinbar unantastbare Glaubensmodelle erschüttern.
Mein Fazit: Der Autor versteht es ausgezeichnet, seiner eigenen Theorie gerecht zu werden und Komplexes so zu vereinfachen, dass es verstanden wird und seinen wahren Kern trotzdem behält. Wir erfahren zwar nicht so viel über die Vorgänge in unserem Gehirn, wie der Autor immer wieder verspricht, aber dafür gibt es ja inzwischen viele andere empfehlenswerte Bücher. Die Reduktion auf einleuchtende Geschichten, kurze Theorieblöcke und einprägsame Formeln ist genau der Stoff, aus dem unsere Intuition schließlich unser Verhalten beeinflusst.
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59 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Je weniger man weiß, desto mehr entscheidet man mit dem Bauch?, 14. Mai 2008
Professor Gerd Giegerenzer ist Direktor am Max-Plack-Institut für Bildungsforschung in Berlin und beschreibt in seinem Buch Bauchentscheidungen und wie sie funktionieren, sehr anschaulich.
Darüber hinaus wird beschrieben, warum diese Entscheidungen, insbesondere bei Unwissenheit, sehr präzise sein können. Auch logische Berechnungen von Maschinen können zu falschen Entscheidungen führen. Gute Intuitionen müssen nicht logisch sein und führen doch zum richtigen Ergebnis. Giegerenzer hat die intuitiven Bauchentscheidungen systematisiert und kommt zu unterschiedlichen Methoden und Werkzeugen, die diese Bauchentscheidungen untermauern.
Als Werkzeuge beschreibt er u.a die Rekognitionsheuristik, den weniger-ist mehr-Effekt oder die moralischen Intuitionen und sozialen Instinkte. Nicht zuletzt beschreibt Giegerenzer, wie ein Gerücht die Berliner Mauer eingerissen hat. Die komplizierte Materie der Intelligenz des Unbewußten, die Macht der Intuition wird vom Autor auch für einen psychologischen Laien sehr überzeugend, systematisch und anhand von Beispielen erklärt. Ich möchte das Buch daher sehr empfehlen.
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83 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der "Bauch" im Kopf: hocheffizient doch nicht unfehlbar., 1. August 2007
Als Harry, ein Freund des Autors und Psychologen Gerd Gigerenzer, vor der schwierigen Wahl stand, sich für eine Partnerin entscheiden zu müssen ("Die oder Ich"), folgte er dem erprobten Rat Benjamin Franklins. Er listete Für und Wider auf, gewichtete und rechnete. Das Ergebnis unter dem Strich war eindeutig - und er wusste, dass es falsch war. Woher? Als ein Experte jene griechische Statue aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sah, die dem J.-Paul-Getty Museum in Los Angeles für zehn Millionen Dollar zum Kauf angeboten wurde, hatte er spontan den Eindruck "frisch". Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen hatten die Echtheit des antiken Kunstwerks bestätigt. Doch der Experte behielt Recht: Es war eine Fälschung. Wie konnte er dies erahnen? Übersinnliche Wahrnehmung? Intuition? Die beiden Beispiele (das zweite ist aus dem Bestseller "Blink - Die Macht des Moments" von Malcolm Gladwell) beleuchten eine Fähigkeit des Menschen die man zwar gemeinhin Bauchentscheidung, Intuition oder Ahnung nennt, jedoch getrost als "tiefere Intelligenz" bezeichnen kann. Die Wissenschaft beginnt, die Funktionsweise dieser Form der Intelligenz zu erfassen - und zeigt, unter welchen Umständen wir auch mit Intuitionen erheblich danebenliegen können.
Mehr als Logik.
Grundlage der menschlichen Intelligenz ist das logische Denken - so meinen immer noch viele von uns. Doch das logische Denken sieht nicht, was "zwischen den Zeilen steht" und ist blind für den Inhalt. Die Sätze "Markus wurde zornig, und Maria ging" und "Maria ging, und Markus wurde zornig" enthalten jeweils zwei gleiche Aussagen, die durch 'und' verknüpft werden. Trotzdem sind die beiden Sätze vollkommen verschieden in ihrer Bedeutung. Wir erkennen intuitiv den Inhalt und den Unterschied. Gute Intuition, so Gerd Gigerenzer, muss nicht logisch sein. Sie kann über die Logik hinausgehen, indem sie Informationen hinzuzieht, die im Augenblick gar nicht vorliegen.
Die Kunst besteht, darin zu wissen was wir *nicht* zu wissen brauchen.
Bauchgefühl, Intuition oder Ahnung war früher etwas Geheimnisvolles und Unerklärliches. Weil wir alle schon mal in dunkler Vorahnung die Erfahrung eines flauen Magens gemacht haben, oder Schmetterlinge im Bauch fühlten, glauben wir, dass die Intuition so eine Art Gefühl ist. Ist es aber nicht. Intuition ist Intelligenz und findet im Kopf statt. Intuition besteht aus der unbewussten Benutzung von Faustregeln. Wir filtern nur wenige relevante Informationen heraus, vereinfachen auf diese Weise umfangreiche Betrachtungen und erhalten schnell und effizient ein Ergebnis. Die Kunst liegt darin, die richtige Faustregel für die jeweilige Situation (unbewusst) auszuwählen. Dafür hat das Gehirn des Menschen im Laufe der Evolution ein ganzes Arsenal von Fähigkeiten entwickelt, die uns helfen, aus einer komplexen Welt schnell einen Sinn herauszufinden - Fähigkeiten, die Tiere nicht haben.
Ziel des Buches ist es, solche Faustregeln zu erläutern und zu zeigen, wann Intuition zum Erfolg, und wann sie zum Scheitern führen kann. An Hand von Untersuchungsergebnissen und mit Beispielen aus Beruf und Alltag weiht uns Gerd Gigerenzer in die Geheimnisse der Intuition ein. Er zeigt, welche Faustregeln unser Gehirn verwendet. Wir benützen diese Fähigkeiten ständig; wir können gar nicht anders, als Schlüsse zu ziehen. Neu dürfte für viele sein, dass es möglich ist, Intuition zu trainieren.
Überzeugend.
Gerd Gigerenzer ist es wieder einmal glänzend gelungen, einen komplexen und für viele undurchschaubaren Sachverhalt anschaulich darzustellen. Die Lektüre gewinnt einen besonderen Wert dadurch, dass wir daraus lernen können, bewusst an unserer Intuition zu arbeiten; sie letztlich dort einzusetzen, wo sie die verlässlichste Methode darstellt um zu einer Entscheidung zu kommen. Die Aussage des Klappentextes, "dass es gute Gründe gibt, sich auf seine Bauchgefühle zu verlassen", ist allerdings nur die halbe Wahrheit und spiegelt den Sachverhalt nicht richtig wieder. Leider können wir uns eben *nicht* immer und blind auf unsere Intuition verlassen. Und, wer das Buch - wörtlich genommen - verschlingt, wird eine echte Bauchentscheidung erfahren.
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