Zu Beginn ist die Geschichte wirklich etwas Neues - zumindest was die Battletechserie betrifft: Nach einem Fehlsprung versuchen die Gestrandeten auf einem völlig fremden Planeten mit unbekannter Flora und Fauna zu überleben (keine Angst, ich verrate nicht mehr von der Geschichte, als auf dem Buchrücken steht). Die Situation erinnert leicht an Robinson Crusoe: Urwald, Eingeborene und kein Weg nach Hause. Nach einer Zeit entwickelt sich die Handlung dann in gewohnt martialischer Manier zum üblichen Battletechkonflikt.
Eigentlich ein prima Potential für einen guten Mechroman und genau der Grund, aus dem ich mir (zumal als echter Fan) dieses Buch gekauft habe.
Leider muß ich jedoch im Nachhinein sagen, daß "Fernes Land" der bisher schlechteste Battletechroman ist, den ich gelesen habe. Irgendwie schafft es der Autor seine Hauptperson, den Anführer des gestrandeten DEST-Teams, als taktisch und vor allem strategisch völlig unvorbelasteten Grundschüler erscheinen zu lassen. Im Laufe der Handlung begeht dieser Mann einen groben Fehler nach dem anderen. Nun gut, man kann dem zahlenmäßig und ausrüstungstechnisch weit überlegenen Gegner, der sich in einer besseren Position befindet und im Gegensatz zu den eigenen Leuten auch noch über eine gesicherte Basis und somit genug Nachschub verfügt die Initiative überlassen ... aber warum? Sehr suizidgefährdet wirkte der DEST-Anführer eigentlich nicht. Und schieres Unvermögen seinerseits ist praktisch auch auszuschließen. Schließlich ist er ja einer der besten Kommandosoldaten des Kombinats. DEST bedeutet eigentlich Drakonis-Elite-Sturm-Trupp. Elite! Nicht Einzeller! Im Laufe seiner Militärausbildung ist er um "Die Kunst des Krieges" von Sun Tsu (nicht der Liao ...) auf keinen Fall herumgekommen. Warum hat er dann keine Ahnung vom Führen einer Kampftruppe?
Meine Vermutung: Es ist der Autor Peter Rice selbst, der hier durch völlige strategische Unfähigkeit glänzt (Sorry, nicht persönlich und keinesfalls als Beleidigung gemeint!!!). Wenn ich einen Roman über einen Elitekrieger und seine Einheit schreibe, dann muß ich mich doch zumindest ansatzweise mit der Welt dieses Kriegers bekannt gemacht haben. Zugegeben, es muß ja nicht gleich Sun Tsu sein, aber schon ein kurzer Blick in die Romane der Autorenkolegen (William H. Keith Jr. oder Michael Stackpole - um nur zwei zu nennen) hätte völlig ausgereicht, einen Trupp Elitesoldaten zumindest ansatzweise glaubwürdig darzustellen.
Normalerweise würde ich mich über so eine Sache ja auch nicht so aufregen, aber das Buch ist ansonsten wirklich klasse! Ich finde es immer fürchterlich schade, wenn bei einer Geschichte, die so gut beginnt, einfach etwas vom Potential verschenkt wird und sie damit nicht als gut sondern nur mittelmaß oder darunter einzuordnen ist.
Daher gibt es von mir auch nur zwei Sterne und die Bemerkung, daß dieser Roman nur etwas für absolute Battletech-Neulinge (die merken es nicht) oder für eingefleischte Fans (die können mit einem Zähneknirschen darüber hinwegsehen) ist.