Die dritte Staffel von "Battlestar Galactica" zu bewerten, ist keine allzu leichte Aufgabe, denn in gewisser Weise beherbergt diese Season einige der besten, allerdings auch einige der schlechtesten Momente der gesamten (bisherigen) Serie.
Zu allererst sei gesagt, dass man die Serie wirklich von Anfang an genießen sollte. Einfach mittendrin einsteigen funktioniert nicht, auch wenn BSG mit dem Beginn der dritten Staffel in mancher Hinsicht einen Neuanfang wagt. Wer die Miniserie und die ersten beiden Seasons noch nicht kennt, sollte zunächst dort zuschlagen und sich davon überzeugen, warum "Battlestar Galactica" als "The smartest and toughest show on television." bezeichnet wurde.
Der Beginn des dritten Jahres überzeugt durch sechs sehr gelungene und fesselnde Episoden, die wahrscheinlich zu den beeindruckendsten Geschichten zählen, welche die Serie bisher erzählt hat. Man möchte fasst sagen, dass in diesen Episoden alles stimmt: Charakterentwicklung, Schauspiel, Dialoge, Special Effects, Setdesign und natürlich auch die Musik. Besonders erwähnenswert sind hier die Emmy-nominierten Eröffnungsepisoden "Occupation" und "Precipice" sowie "Exodus, part II", aber auch "Collaborateurs" und "Torn" fügen sich nahtlos in diese Reihe ein.
Bereits mit der siebten Episode "A Measure of Salvation" zeigt sich jedoch der große Schwachpunkt den die dritte Staffel ab da sehr deutlich aufweist: Viele Episoden wirken unvollständig und gehetzt, manche Geschichten sind unlogisch und nicht gerade wenige wirken viel zu stark konstruiert - etwas dass Showrunner Ronald D. Moore eigentlich immer vermeiden wollte.
Gründe für diesen doch sehr großen Ausrutscher gibt es viele, am wichtigsten sind wohl Auflagen des Networks, sowie eine Fehlentscheidung in der zweiten Hälfte der Staffel, die dazu geführt hat das ein sehr großer Handlungsstrang komplett aus der Season entfernt werden musste - mitunter aus Episoden die bereits gedreht wurden. Aus diesem Grund wirkt gerade die zweite Hälfte der Staffel sehr inkonsistent und unharmonisch. Vieles was die Serie in der ersten Staffel so großartig gemacht hat und ihr all die gute Kritik eingefahren hat scheint vergessen und in den Hintergrund gerückt und es scheint ein wenig so, als hätten die Verantwortlichen (seien es das Network oder die Produzenten) nichts aus den Fanreaktionen auf die Staffel-Zwei-Folgen "Sacrifice" und "Black Market" gelernt.
Bei all der Kritik, sei allerdings darauf hingewiesen, dass es auch in den schlechtesten BSG-Episoden noch Lichtblicke und außergewöhnliche Szenen gibt. Hinzu kommt auch die herausragende schauspielerische Darbietung - ich möchte fast meinen, dass der Cast von BSG das beste Ensemble ist, dass man zur Zeit im (amerikanischen) TV sehen kann. Angeführt wird die Darstelleriege von Edward James Olmos (William Adama) und Mary McDonnell (Laura Roslin), zwei Oscar-nominierten Schauspielern, deren Beteiligung an einer Science-Fiction-Serie als Glücksfall für die Produzenten angesehen werden kann. Aber auch viele weitere Darsteller zeigen großes Talent, allen voran seien Katee Sackhoff als Starbuck und Michael Hogan als Col. Tigh genannt. Wundervoll in den Cast fügen sich auch die Special Guest Stars Lucy Lawless und Dean Stockwell ein, die beide zylonische Agenten verkörpern - leider verlieren sich die Handlungsfäden ihrer Charaktere gegen Mitte der Staffel etwas, auf ein Wiedersehen in Season Four darf man sich aber höchstwahrscheinlich freuen.
Zur DVD-Ausstattung bleibt wohl zu sagen, dass das Fehlen von Specials schon eine kleine Enttäuschung darstellt. Klar geht es in erster Linie um die Episoden selbst, aber warum selbst bereits produzierte Extras wie die Episode 0 "The Resistance" oder Ron Moores sehr interessante Audiokommentare fehlen ist mir wirklich ein Rätsel. Das die amerikanische DVD-Box Unmengen an Features und einen 25-Minuten längeren Extended Cut von "Unfinished Business" enthalten wird, macht die Sache eigentlich nur noch schlimmer. [Wäre es möglich, würde ich der UK-Box dafür nachträglich noch einen Stern abziehen.]
Insgesamt war die dritte Staffel für mich etwas enttäuschend, da sie nicht ganz an die herausragende erste Staffel oder die erste Hälfte der zweiten Staffel herankommt. Trotz allem sind selbst die schlechtesten Episoden BSG noch gute Unterhaltung und wenngleich man an einigen Stellen das Gefühl hat, das bestimmte Themen eines nach dem anderen abgehandelt und abgehakt werden, ist "Battlestar Galactica" immer noch eine der interessantesten, vielschichtigsten und intelligentesten Serien im US-Fernsehen. Lust auf mehr macht die dritte Staffel und ihr recht umstrittenes Finale alle mal - ich hoffe jedoch, dass die Produzenten im vierten und letzten Jahren aus einigen der Fehler lernen, die sie in dieser Staffel begangen haben.