Die bisher 150 Stunden CoD6-Multiplayer gehen natürlich nicht spurlos an einem vorbei, irgendwann hat man eben alle Waffen ausprobiert und seine Lieblinge gefunden, die ersten 30er-Streaks hingekriegt und sogar mal ein paar Nukes abgesetzt. Und dann kommt der Wunsch nach etwas Neuem auf. Nicht Black Ops, das ist immer noch CoD 6 mit älteren Waffen und gleichem Schaden für alle. Auch nicht Medal of Honor, das hat einfach sein Ziel verfehlt.
Aber Bad Company 2, so kam es mir vor, könnte dieses Neue werden und deshalb war ich so frei und legte Steam die 30 Euro aufs Konto. Nach ein paar Stunden Download stürzte ich mich direkt auf den Multiplayer, den ich hier auch als erstes erläutern werde. Da ich vor BC2 die besagten 150 Stunden im CoD6-MP verbracht habe, werde ich die beiden Spiele in dieser Rezension naturgemäß mehrfach vergleichen.
Multiplayer:
/Anfänge/
BC2 wirft den Spieler sehr direkt ins Spiel, man muss den Server-Such-Button schön selber finden und kommt sich in den gerade mal vier Spieltypen mangels einer guten Erklärung zunächst sehr verloren vor. Man hat die Wahl zwischen vier Klassen; Assault (Sturmgewehre), Engineer (Maschinenpistolen), Medic (Maschinengewehre) und Recon (Scharfschützengewehre). Darüber hinaus werden später auch Waffen freigeschaltet, die alle Klassen nutzen dürfen, vor allem Schrotflinten und einige Sturmgewehre. Aber hier sind wir auch schon bei dem größten Kritikpunkt von BC2:
Nach 2,5 Stunden Spielzeit habe ich dann gerade mal den ersten Rang (Private I) erreicht und die ersten paar Waffen freigeschaltet, bei CoD 6 war ich nach dieser Zeit schon ungefähr Level 12.
Wenn man die Spielmechaniken noch nicht kennt, ist es für einen Anfänger sehr schwer, in dem allgemeinen Gedrängel und Gemetzel Fuß zu fassen. Gegner sehen einen immer früher als man denkt, man kennt die Waffen noch nicht und Magnum-Munition ist eh noch ein Dutzend Spielstunden weg.
Generell ist Bad Company 2 sehr taktisch. Wenn man dem Gegner nicht in den Rücken bzw. die Flanke fällt, hat man relativ wenig Chancen, denn bei einem frontalen Aufeinandertreffen stirbt man deutlich öfter.
/Teamplay/
Das ist eine sehr schwierige Kategorie. Ich hab leider keine Vergangenheit in Battlefield-Spielen, sodass ich hier nicht wirklich sagen kann, ob es besser oder schlechter geworden ist. Eines ist aber sicher: die Mitarbeit schwankt von Team zu Team, von Server zu Server. In 40% der Fälle hat man Glück und immer Medics und Ingenieure um sich, die einen wiederbeleben können bzw. die Fahrzeuge reparieren / andere Fahrzeuge zerstören.
In 60% der Fälle aber ist sowohl das eigene Team als auch das gegnerische voll mit Ingenieuren, Stürmern und Snipern, die allesamt mit Magnum-Ammo und Munitionserweiterung ihre Pins verdienen und ihren K/D aufbessern -- nie denkt auch nur einer einer von ihnen daran, den Mitspielern zu helfen oder wenigstens mal die Spielziele zu erfüllen.
Aber, wie gesagt, das ist absolute Glückssache; mal klappt es und man hat Runden mit fünfstelligen Punktzahlen und mal klappt es gar nicht und man geht mit einem 0,1er K/D entnervt aus dem Spiel.
Es gibt noch eine sehr praktische Funktion im Spiel, für so ziemlich alle Spieler: das Spotting. Sobald man einen Feind im Visier hat (wortwörtlich, denn er muss direkt im Fadenkreuz bzw. auf dem Korn sein, damit das Spiel ihn erkennt), egal, wie weit er weg ist, sollte man möglichst schnell die entsprechende Taste drücken (das war bei mir früher mal Q, glaube ich, im Moment ist es die linke Strg-Taste) -- damit hat man ihn als orangenes Pünktchen markiert, und jeder, der in seine Richtung schaut, weiß für bis zu 5 Sekunden exakt, wo er ist. Es ist quasi ein halber Wallhack, nur fairer. Richtig gut fühlt es sich dann an, wenn man einen Berg hochschaut, einen Sniper sieht, anvisiert, angeschossen wird, trotzdem noch die Spotting-Taste drückt, dann gleich mehrere Sniper erkannt werden und der Panzer hinter einem alle in einem Schuss vernichtet. Wenn dann noch der Medic hereilt, um einen zu heilen und der Ingenieur sich ans Reparieren macht und alle zusammen eine Flagge einnehmen, dann ist man in den guten Momenten von BC2, dann weiß man, wofür man sein Geld ausgegeben hat.
/Waffenbalance/
Die ist durchaus gelungen, so gut wie keine Waffe ist overpowered (im Gegensatz zu CoD6, man erinnere sich hierbei nur mal an die Akimbo G18, die Tar-21, die UMP45 oder auch die Granatenwerfer), nur der Unterschied zwischen Spielern mit und ohne Magnum-Ammo ist spürbar; beide machen aber deutlich weniger Schaden, als es in CoD 6 noch der Fall war. Sogar im Hardcore-Modus braucht man teilweise die dreifache Schussanzahl in einer Waffenkategorie, in der man in CoD 6 im HC One-Hit-Kills gelandet hätte.
BC2 teilt den Schaden sehr nüchtern nach Feuerrate ein. So töten die 1000-RPM-Monster PP2000 und MG3 ohne Headshots und Magnum-Muni einen Gegner in 9 bis 10 Schüssen, während man mit dem Schuss EINES Carl-Gustav-Raketenwerfers (Feuerrate selbst mit Nachladeabbruch ungefähr 10 RPM) bis zu 5 Gegner gleichzeitig aus den Latschen haut und nebenbei das halbe Gebäude zerstört.
Dasselbe trifft man auch bei Schrotflinten und Sniper-Gewehren an. Wählt man eine Bolt-Action-Waffe (als Sniper) oder eine Pump-Action-Waffe (als Schrotflinten-Läufer), dann macht man zwar einen sehr hohen Schaden und kann mit Headshots One-Hit-Kills verteilen, aber man muss eben nach jedem Schuss repetieren, was in beiden Waffenkategorien sehr oft absolut fatal endet. Wählt man nun aber eine halbautomatische Waffe, wird der Schaden sofort um zwei Drittel gesenkt. Ohne Ausnahmen.
Die Splittergranaten, die man aus so ziemlich jedem Shooter kennt, sind in BC2 extrem schwach. Selbst mit dem Verbesserte-Explosionen-Spec kriegt man oft nicht einmal ein paar Schadenspunkte, wenn man mitten in eine Gegnermenge wirft.
Blendgranaten kennt BC2 gar nicht erst, die beliebte Kombination Blend-Splitter-Rest töten ist damit passé.
/Killstreaks/
Die Killserien-Belohnungen aus CoD 6 (Luftschlag, Helikopter, etc.) gibt es in dieser Form nicht in BC2, sie werden von Fahrzeugen und stationären Geschütztürmen ausgeglichen, die immer mal wieder auf den Karten spawnen und rege Verwendung finden.
/Killcam/
Die Killcam ist nicht so hilfreich wie in CoD 6, man sieht nur die Position des Gegners aus der 3rd-Person-Ansicht, je nach Laune des Spiels auch mal den toten Körper seines Killers oder die Landschaft oder gar nichts. Nur auf kleineren Maps kann man in der Killcam erfolgreich die Position des Gegners bestimmen -- die Häuser sehen innen fast alle gleich aus, und deshalb muss man wenigstens ungefähr wissen wo der Schuss herkam, um die Teammitglieder alarmieren zu können. Außerdem muss man immer seeeeehr lange warten, um an die Reihe zu kommen, insgesamt über 10 Sekunden. Das löst CoD 6 besser. Dafür darf man noch vor dem Respawn jedes Mal an der Klasse rumschrauben, das hat CoD 6 nicht erlaubt.
/Specializations (Perks) /
Was CoD 6 - Veteranen als Perk bekannt ist, wird in BC2 Specialization genannt, also Spezialisierung. Schnellere Bewegung, mehr Granaten, mehr Durchschlagskraft bei Panzern, die bereits mehrmals erwähnte Magnum-Munition, all diese Möglichkeiten bekommt man, je weiter man sich mit der eigenen Klasse entwickelt. Ganz anders als in CoD 6 gehören aber auch die modernen Zielvorrichtungen wie Red Dot / Reflex, das 4x Scope (besser bekannt als ACOG, und zwar das alte Modell, das wir aus CoD 4 kennen) und ein 12x-Sniper-Visier zu den Specs und werden nicht bei jeder Waffe jeweils einzeln freigeschaltet.
Leider ist der zweite Spec-Slot voll mit wirklich praktischen und hilfreichen Specs (Magnum-Ammo, stärkere Explosionen, Körperschutz, etc.) und der erste hat so ziemlich nur Attribute, die man in den meisten Klassen schlicht und ergreifend nicht braucht. Hier wäre ein wenig Balance zwischen beiden Slots sehr angebracht.
/Sonstiges/
Die Maps sind bei BC2 teilweise so irrsinnig groß, dass man ohne Fahrzeuge nur noch als Sniper den Hauch einer Chance hat.Man hat in BC2 allerdings auch die Möglichkeit, solange wie man will, zu sprinten.
Hinlegen ist aus unerfindlichen Gründen nicht möglich, obwohl es sich zum Beispiel bei den Snipern und ihren ungenutzen Bipods auf den Snipergewehren mehr als anbieten würde, auch mal aus dem Gras heraus zu snipern.
Technik:
/Grafik/
Detailreich, matschige Texturen sind selten, Ruckler noch seltener. Leider sind die Farben aber relativ trist, kräftigere Töne wären teilweise sehr nett gewesen.
Die Schmerzanzeige ist typisch für aktuelle Shooter, ein blutiger Rahmen legt sich dann ums Bild. Dieser ist ziemlich dicht und bringt zusätzlich einen Taubheits-Effekt mit sich.
Was ich in CoD 6 seinerzeit immer wieder vermisst habe, ist eine zerstörbare Umgebung. Diese gibt es in Bad Company 2, sie ist ordentlich eingebaut und funktioniert meistens realistisch -- nur Großkaliber-Waffen wie Granatenwerfer, Snipergewehre, Granaten und diverse Fahrzeuge können Materialschäden anrichten. Dennoch sind auf vielen Karten Granatenwerfer, Raketenwerfer, Panzer und und Helikopter zugange, sodass man seine Deckung meistens recht schnell los ist.
/Klang/
Waffengeräusche sind seltenst zu hören, sie sind einfach nicht laut genug abgemischt (in CoD 6 hört man die meisten nicht-schallgedämpften Waffen auf der ganzen Karte).
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