Zuerst einmal halte ich es für positiv einem jungen, deutschen Autor wie Diel die Chance zu geben seine Kreativität im guten, alten (Classic) Battletech ausleben zu können. Um ehrlich zu sein können die Leistungen aus good, old Europe durchaus mit den Altmeister von jenseits des Atlantiks mithalten - allerdings muß das nicht unbedingt als Kompliment gelten, betrachtet man die Qualität der gängigen SciFi-Massenware. Genauso offen gesagt, halte ich es für möglich ein wirklich solides, innovatives BT-Buch abzuliefern, insbesondere über eine Epoche wie den ersten Sternenbund, wo dank der nur rudimentär vorhandenen Informationen dem Autor ein hohes Maß an Schaffensoptionen offensteht.
Leider scheint bei „Wahnsinn und Methode" genau diese begrenzte Informationsgrundlage ein größeres Problem darzustellen. Anstatt anhand der verfügbaren Infos die Story zu entwickeln und sie als Leitfaden zu nutzen, driftet Diel in bekannte, seichte Gewässer ab und läßt damit viel Potential des einzigartigen settings über Bord gehen.
Als Hauptproblem betrachte ich die vergebene Chance das „unerforschte Land" des 1. Sternenbunds innovativ mit Leben zu erfüllen. Leider unterscheidet sich die Story nicht von ähnlichen 500 Jahre später. Selbstverständlich ist der Schwierigkeitsgrad großangelegte Militäroperationen zu beschreiben höher, als bei der Darstellung kleinerer Manöver, aber viele BattleTech-Fans verbinden eben genau ersteres mit der Zeit des Sternenbunds: Multiplanetare Materialschlachten hochgerüsteter Divisionen mit ganzen Regimentern weniger Mech-Typs und keine Konzentration auf die hinlänglich bekannten adhoc-Auseinandersetzungen, in der ein Panzerkompanie eine Maschinenvielfalt aufweist, die jeden Tech in den Wahnsinn treiben würde. Ein Vorkapitel über die Erfahrungen des Hauptcharakters in den großen Schlachten des Vereinigungskrieg wäre z.B. ein gelungener Einstieg gewesen.
Die Royal Black Watch als absolute Elite der Elite, als Crème de la Crème des SBVS-Mechcorps könnte genausogut eine Söldnereinheit im 31. Jahrhundert sein, die einzigartigen Traditionen der legendären Leibstandarte des Sternenlords, die Vorbildfunktion als „Ritter der Tafelrunde" für die einfachen Soldaten wird nicht dargestellt. Unglücklicherweise bleiben die Charaktere nicht nur blaß, auch fehlt die Darstellung des Corpsgeist einer solchen tradierten Einheit mit der faszinierenden Mischung aus Stolz/Arroganz. Flaggenzeremonie jeden Morgen? Sternenbundhymne? Krieger, die den Traum einer vereinten Menschheit leben?
Zudem kristallisiert sich der technologische Unterschied zwischen der Paradeeinheit der überlegenen Hegemonie und der drittklassigen, planetaren Miliz einer Peripheriewelt ebenfalls nur unzureichend heraus. Sicherlich, auch in anderen Büchern erhalten Reserveeinheiten plötzlich state-of-the-art Ausrüstung, aber es wäre eine überzeugende Option gewesen den Prototypen der Black Watch (Longbow, Highlander) eben standarisiertes Material einer Peripherienation gegenüberzustellen und keine ebenbürtigen Maschinen frisch aus den Ideenschmieden (Lancelot, Thug). Auch hier eine Chance vertan.
Auf die teilweise gravierenden und für einen Fan durchaus schmerzhaften historischen und geographischen Fehler möchte ich nicht näher eingehen (siehe andere Kommentare), 100 Seiten mehr hätte dem Buch sicherlich gutgetan, insbesondere was eine detaillierte Charakterbeschreibung sowie eine größere Varianz der Begriffe betrifft. Aber Seitenbegrenzung und damit einhergehende Streichung bedeutender Passagen/Seiten ist ja leider nichts Neues.
Zudem wäre eine Abkehr vom schwarz/weiß-Schema mal etwas Neues gewesen: Vielleicht hat das SBVS-Kommando die Black Watch ja absichtlich nach Icar verlegt, um die Drakonier zu beschäftigt und aus der Deckung zu locken?
Alles in allem ist „Wahnsinn und Methode" keineswegs Wahnsinn, sondern hat Methode: Eine Fortführung des BattleTech-Universums mit bekannten Mitteln, die unerschöpflichen Möglichkeiten werden leider vernachlässigt.