Hurra, meine Lieblings-Comedy-Metaller sind wieder zurück. Mögen andere über Manowar die Köpfe schütteln, ich lieb' diese Jungs einfach. Beim letzten Kreuzzug der Jungs hab ich jedenfalls mehr gegrinst als bei so manchem Samstag Abend Depp im Fernsehen.
Bekanntlich lassen sich Manowar ja gern mal halbe Jahrzehnte für ein neues Album Zeit, so dass ich doch überrascht war das Mitte/Ende 2009 die EP "Thunder in the sky" herauskam. Doch jetzt steht Ende 2010 nicht das erwartete neue Album in den Startlöchern, sondern eine Neueinspielung ihres Debütwerks "Battle Hymn".
Meine erste Reaktion: War's nötig?
"Battle Hymns", das bei mir persönlich auf Plaz 2 neben "Kings of Metal" im Schaffen Manowar's rangiert, war von allen Manowar Alben sicher das am meisten abgrenzende. Gerade weil die Band hier noch am Anfang stand, textlich auch mal was anderes als Metal und Sagengötter besang und im Ganzen räudiger und rockiger musizierte. Warum also einen 28 Jahre alten Klassiker neu aufnehmen? Unser aller Liebling Joey erklärte, dass die heutige Studio Technik das Werk endlich imselben hohen Standart präsentieren soll, den Manowar heute benutzen. Na ja, diese Aussage ist ebenso originell, wie die Äußerungen von Bands, das ihr aktuelles Album das beste ihrer Karriere ist.
Nun aber mal zu den Fakten:
Eingezimmert wurde das Ganze von drei originalen Mitgliedern - Eric Adams (Vocals), Joey de Maio (Bass), Donnie Hamzik (Drums - definitiv eine der besseren Entscheidungen von Joey) - sowie Karl Logan (Guitars), der als einziger nicht am Original mitgewirkt hat.
Die Unterschiede:
Eric Adams: Dass die Stimme des Sänger mit den Jahren etwas rauer wurde, ist bekannt. Bei den Vergleichen zwischen "Battle Hymn" alt und neu fällt das am gravierendsten auf. Adams gehört immer noch zu den besten Sängern im Metal Genre und auch sein raueres Timbre hat Charme. Doch die urwüchsige Kraft die in seiner jungen Stimme lag, hat er eben nicht mehr. Das fällt vor allem auf, wenn es zu dem spitzen Schreigesang in "Fast Taker" und "Battle Hymn" (die Passage direkt nach dem Solo) kommt: Adams umschifft diese Passagen etwas tiefer.
Karl Logan: Karl Logan ist nicht Ross the Boss. Ross Gitarrenspiel isteher rockig, während Karl eher ein Techniker ist, der sich gern mal einen abwichst. Neben Adams' der zweite große, deutliche Unterschied. Und ja, auch die Logan Interpretationen haben was. Auch wenn er größtenteils Ross' Riffs und Soli's aus den Songs nachspielt, so blitzt doch immer wieder auf, dass er ein eigenständiger Gitarrist ist. Besonders markante Momente hat er während der Interpretation von "Dark Avenger" (klingt wuchtiger und agressiver) sowie den Soli's in "Battle Hymn" und "Manowar".
Donnie Hamzik: Wie gesagt, eine der besten Entscheidungen der Band war es, Ur-Drummer Hamzik (spielte nur das "Battle Hymn" Album ein) zurückzuholen. Was Scott Columbus auf "Warriors of the World" und "Gods of War" abgeliefert hat war - man kann es nicht anders beschreiben - grottig. Teilwese konnte ich gar nicht glauben, dass Scott tatsächlich mal "Into glory ride" eingezimmert hat. Mit Hamzik klingt das Drumming nun endlich wieder organisch und vor allem abwechslungsreicher (also nicht nur bumm-tschak-bumm-tschak).
Die Produktion: Nach Band bzw. Joey Aussage der Hauptgrund für die Neueinspielung. Nun, im Gegensatz zu dem Original ist sie vor allem lauter und druckvoller. Sehr direkt und scheinbar bewusst rau belassen (erinnert am ehesten an die jüngst veröffentlichte "Thunder in the Sky" EP). Dadurch geht natürlich der rockige Charme des Originals verloren, andererseits differenzierter als das Original (die einzelnen Instrumente sind klarer herauszuhören).
Bonus Tracks: Also, da war ich enttäuscht. Gab es denn in den Band Archiven wirklich nichts anderes als zwei grottige Live Versionen von "Fast Taker" und "Death Tone" (beide von '82). Ich rede hier von B-Seiten, unvollendeten Songs oder alternativen Versionen. Scheinbar nicht. Die Live Aufnahmen selber zeigen, dass die Band '82 wirklich noch am Anfang stand. Hat seinen Charme, werden bei mir wohl aber nicht oft gespielt.
Die Aufmachung: Anlässlich des Jubiläums in Gold getaucht. Das Manowar Logo in Gold, die Titel und auch der Marmor-Adler hat nun die Gold Aufmachung. Das Ganze sieht hübsch aus und ist als Artwork gelungener als das Original. Das Booklet enthält alle Songtexte sowie einige Fotos aus den Anfangstagen der Band (da sage einer, Manowar wären heute peinlich). Auf Liner-Notes, Infos oder Interviews hat man leider verzichtet.
Fazit: Wars nötig? Nein! Kann man sich "Battle Hymns 2011" anschaffen? Ja, kann man.
Die Nueinspielung hätte nicht sein müssen, aber es ist interessant zu hören, wie das heutige Manowar Line-up die Songs umsetzt. "Dark Avenger" klingt wesentlich wuchtiger und agressiver und Schauspiellegende Christopher Lee passt im Erzählpart wie die Faust aufs Auge. Hingegen finde ich gerade Songs wie "Death Tone", "Fast Taker" und vor allem die mächtige "Battle Hymn" im Original nach wie vor unschlagbar. Für knapp 10 Euronen, kann man jedoch nichts falsch machen.
So, lieber Joey. 10 Euronen haste jetzt von mir gekriegt. Jetzt hoffe ich aber, dass ihr dieses Album bei der nächsten Tour auch integriert (für jeden Abend, an dem "Battle Hymn" nicht gespielt wird, könnte man ihm eines mit dem Thor Hammer überziehen). Ach ja, und vergesst nicht, dass ihr mit "Hammer of the gods" ein neues Album in der Mache habt.