--- Inhalt ---
Nach wahren Begebenheiten gibt BATTLE IN SEATTLE die friedlich geplante Demonstration gegen die Welthandelsorganisation (WTO), die zu einem Ausnahmezustand ausuferte, vom November '99 wieder.
In dem Katastrophenfilm gibt es drei Lager: Die einen sind Protestanten (zum Beispiel von Martin Henderson und Michelle Rodriguez dargestellt), die das Treffen der WTO ohne Gewalteinsatz untergraben wollen und sich praktisch in den Weg zum Sitzungssaal stellen, sodass die Entscheidungsträger nicht daran teilnehmen können. Die andere Gruppe (mitunter von Joshua Jackson verkörpert) setzt wiederum auf radikale Maßnahmen und zerstören die Innenstadt Seattles um gegen das ganze System Kapitalgesellschaft mit deren Konsumgenuss zu protestieren. Zwischen ihnen befindet sich eine Reihe an Polizisten (Woody Harrelson, Channing Tatum), die maßlos überfordert und letzten Endes machtlos gegenüber der Situation sind.
In all dem Chaos müssen sich alle Gruppen fragen, welchem Zweck sie nun dienen und er angesichts der drastischen Ausschreitungen überhaupt noch von Belang ist...
--- Kritik ---
BATTLE IN SEATTLE versucht unter anderem mithilfe von Originalaufnahmen des tatsächlich ereigneten Protests aus dem Jahr 1999 das Maß an Brutalität dieser Demo darzustellen. Zusätzliche Glaubwürdigkeit erhofft sich der Katastrophenfilm, dessen Name von der Ereignisbetitelung "Battle of Seattle" herrührt, mit einer ausgesuchten Riege an Protagonisten der verschiedenen Lager zu erzielen und ihre Beweggründe herauszufiltrieren. Zu Beginn des Films wird gleich klargestellt, dass es sich bei diesen Figuren um frei erfundene handelt.
Nach dem zähen Start gelingt es dem Film dann doch anhand ausgewählter, im Fokus stehenden Personen, stärker in die Tiefe zu gehen. Zu loben sind die Porträtierungen des friedlichen Protestanten, den Martin Henderson spielt, und der schwangeren Polizistenfrau (ergreifend in ihrer Rolle: Charlize Theron). Hinzu kommt die ungeschonte Gewaltdarstellung, deren Ausmaß unbegreiflich erscheint und schlichtweg berührt. Der Ausgang von BATTLE IN SEATTLE, welcher die Gefangenen betrifft, ist vielleicht etwas zuckrig geworden, aber deswegen nicht weniger lohnend.
Bei der Fülle an Figuren sind einige leider eindimensional geblieben. Die Besetzung des B-Movie durch viele mäßig bekannte Film- und Fernsehgesichtern hat man meiner Meinung nach nicht optimal ausgenutzt. Channing Tatum (STEP UP, G.I. JOE, DAS LEUCHTEN DER STILLE) und André Benjamin vom Rap-Duo Outcast bleiben zum Beispiel etwas außen vor. Weshalb das Wirken von Joshua Jackson (DAWSON'S CREEK, DÜSTERE LEGENDEN, FRINGE) als anarchistischer Protestant nur so klein ausfällt, ist mir ein Rätsel. Seine Figur hätte man definitiv noch ausbauen können.
--- Zur Präsentation auf Blu-ray Disc ---
Was kann man schon groß bei einer Blu-ray zum Dumping-Preis erwarten? Alles bewegt sich auf billigem Niveau. Das schließt die technische Qualität ebenso wie die Sonderausstattung ein.
Gestartet wird die Blu-ray übrigens automatisch mit drei Trailern zu anderen Independent-Produktionen wie LITTLE ASHES mit Robert Pattinson. Danach erst geht die Wiedergabe ins Menü über, es sei denn, man schaltet die Trailer direkt weiter.
Das Bildschirmformat vollständig ausnutzend, bleibt BATTLE IN SEATTLE von Anfang an grobkörnig. Nur in wenigen Momenten nimmt das Rauschen ab. Dagegen sehen selbst die in SD eingestreuten Originalaufnahmen noch klarer aus. Die düstere Farbgebung trägt dann noch dazu bei, dass das HD-Feeling total untergeht: kaum Detailtiefe.
Der Ton hört sich im Vergleich zum Bild schon besser an, aber auch bei ihm ist der Wurm drin. Obwohl der englische O-Ton und die deutsche Synchronisation gleichfalls in DTS-HD MA 5.1 auf die Wiedergabegeräte losgelassen werden, sind die Geräuschpegel der Effekte rabiat gegenüber den Dialogen. Nerviges Adjustieren der Lautstärke ist vorprogrammiert, hört man den Ton auf gewöhnlichen TV-Lautsprechern.
Zum Schluss ziehen die Extras die Blu-ray-Wertung vollends in den Keller: Die Bildergalerie, die sich als rauschefilmartige Screenshots aus dem Film entpuppen, ist nicht mehr als ein Witz! Die Trailerpalette, vor allem für Fans des Asia-Kinos empfehlenswert, zählt man für gewöhnlich sowieso nicht zur Sonderausstattung.
Einen kleinen Bonus erhält die Blu-ray aber noch, weil sie mit einem Wendecover ohne lästiges FSK-Logo verkauft wird - super!
--- Einzel- und Gesamtwertung ---
Film: vier von fünf
Bildqualität: 2.75 von fünf
Ton: dreieinhalb von fünf
Extras: anderthalb von fünf (ein halber Stern fürs Wendecover als Bonus)
Gesamtwertung: drei von fünf Sternen
--- Fazit ---
In wenigen Worten zusammengefasst ist BATTLE IN SEATTLE ein Drama, das die Zuschauer nicht kalt lässt. Was als friedliche Demo beplant war, endet in einem einzigen Krawall und Gewissenskonflikten - stimmt nachdenklich, auch wenn nicht alle Figuren voll zum Zuge kommen.
Leider handelt es sich hierbei um einen Low-Budget-Film auf einer Low-Cost-Blu-ray. Nur anspruchslose Käufer, die die High-Definition-Komponente als Nebensache abtun, können rundum mit dieser Blu-ray Disc zufrieden sein. Für drei Sterne hat es dann letztlich noch gereicht - fürs Ausleihen okay, für einen Kauf nicht.