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Batouala
 
 
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Batouala [Ledereinband]

René Maran , Caroline Vollmann

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Afrikas erster Romanklassiker

Afrika zur Zeit der Kolonialisierung. Mit seiner packend-realen Schilderung einer vom Untergang bedrohten Kultur verleiht Maran dem schwarzen Erdteil erstmals eine literarische Stimme. Sein mutiger Roman, der einen politischen Skandal auslöste, wurde zum Fanal einer selbstbewußten frankophonen Erzähltradition.

„Bandas“, „Netze“, nennen sich die Eingeborenen, die alljährlich zur Zeit der Buschfeuer mit Netzen Jagd auf das vor den Flammen fliehende Großwild machen. Batouala, ihr Häuptling, der seine Hütte mit Ziegen, Federvieh und seiner Lieblingsfrau Yassi teilt, führt ein beschauliches, ursprüngliches Leben nach Sitte der Ahnen. Doch längst hat sich der weiße Mann das Land zu eigen gemacht, und auch von innen droht dem Stammesfrieden Gefahr.
René Maran, schwarzafrikanischer Abstammung, doch in Frankreich ausgebildet und selbst als Kolonialverwalter nach Afrika gekommen, rechnet in seinem ersten und folgenreichsten Roman mit den zerstörerischen Folgen des französischen Kolonialismus ab. Dem imperialen Überlegenheitsgestus setzt er nicht das Klischee vom edlen Wilden entgegen, sondern ein authentisches Bild vom Leben afrikanischer Ureinwohner, das er in seiner kraftvollen Eigenart feiert.
Der 1921 erschienene Roman wurde als politischer Affront aufgenommen und kostete Maran seinen Posten in der Kolonialadministration. Als erster Autor schwarzer Hautfarbe erhielt er, zwei Jahre nach Proust, mit dem „Prix Goncourt“ die bedeutendste literarische Auszeichnung Frankreichs.

Klappentext

"Marans beeindruckendes Oeuvre, das jetzt in einer kleinen und feinen Ausgabe bei Manesse erstmals auf deutsch vorliegt, ist ein bewusst anspruchsvoll arrangierter Roman, der wegen seiner kalkulierten Drastik an die burlesk-ausladende Tradition eines Rabelais erinnert. Die lyrische Sprachkraft des Ganzen ist in der deutschen Übersetzung von Caroline Vollmann durchaus gut nachvollziehbar."
WDR 3

"Wer sich für die Vielfalt des afrikanischen Lebens jenseits aller Klischees interessiert, wird von der Klarheit und dem Detailreichtum des Buches fasziniert sein."
Südhessen Woche

"Und obwohl der Roman immer wieder die Weissen im oft spöttischen, manchmal von ohnmächtiger Wut entflammten, dann wieder von Resignation getrübten Blick der Afrikaner spiegelt, agieren die fremden Eindringlinge doch lediglich im Hintergrund und am Rand der Bühne. Deren Zentrum nehmen das Leben, Denken und Empfinden Batoualas, seiner Frauen und seiner Dorfgemeinschaft ein, in die der Leser durch die ganz unvermittelt wirkende Darstellung zusehends hineingezogen wird."
Neue Züricher Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

René Maran (1887-1960) wurde auf einer Bootsüberfahrt von Französisch-Guayana nach Martinique geboren, wo Marans Vater einen Posten in der Kolonialverwaltung antreten sollte. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Gabun, bis er mit der Familie nach Südfrankreich umsiedelte, wo er zur Schule ging und Jura studierte. Seine eigene Laufbahn als Kolonialverwalter führte ihn nach Zentralafrika. Hier entstand sein Roman "Batouala", der als erster Klassiker des afrikanischen Kontinents gilt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Das Wachfeuer, das man nach alter Gewohnheit jeden Abend anzündet, ist im Lauf der Nacht langsam heruntergebrannt und hat einen kleinen, immer noch warmen Aschehaufen zurückgelassen. Die runde Wand der Hütte schwitzt aus allen Poren. Durch den Vorbau, der als Tür dient, dringt ein undeutlicher Schimmer. Unter dem Strohdach wimmeln die Termiten und verrichten im Schutz ihrer Gänge aus brauner Erde unauffällig und unaufhaltsam ihre Arbeit, indem sie die Verstrebungen des niedrigen, schrägen Dachs, das ihnen Zuflucht vor Feuchtigkeit und Sonnenhitze bietet, anbohren.
Draußen krähen die Hähne. Unter ihr Kikeriki mischt sich das Meckern der Ziegenböcke, die ihre Weibchen locken, das Gelächter der Pfefferfresser und weiter unten, im hohen Dickicht, das die Ufer der Pombo und der Bamba säumt, das heisere Knurren der Kinder Bacouyas1, des Affen mit der Hundeschnauze.
Der Tag bricht an.
Der große Häuptling Batouala, der Mokoundji so vieler Dörfer, hörte diese Geräusche genau, obwohl er noch schlaftrunken war.
Er gähnte, fröstelte, streckte sich. Sollte er noch einmal schlafen? Sollte er aufstehen? Aufstehen! N’Ga koura, warum aufstehen? Er wollte es nicht einmal wissen, so sehr verabscheute er Entscheidungen, egal, ob sie einfach oder schwierig waren.
Mußte man nicht allein, um auf die Beine zu kommen, schon eine Riesenanstrengung machen? Er war der erste, der bereit war zuzugeben, daß der zu fassende Entschluß Menschen mit weißer Haut ganz einfach erscheinen würde. Soweit es ihn betraf, war die Angelegenheit jedoch unendlich viel schwieriger, als man glaubte. Für gewöhnlich gehörten Aufstehen und Arbeit zusammen. Gewiß, Arbeit erschreckte ihn nicht übermäßig. Er war robust, kräftig gebaut und gut zu Fuß – im Schleudern des Speers oder des Wurfmessers, beim Wettlauf oder Wettkampf hatte er keinen Rivalen.
Im übrigen rühmte man seine legendäre Kraft vom einen Ende des Landes der Banda bis zum anderen. Seine Eroberungen auf dem Feld der Liebe und des Krieges, seine Geschicklichkeit und sein Mut als Jäger nahmen die Gestalt von Wundertaten an. Und wenn Ipeu, der Mond, seine Bahn am Sternenhimmel zog, dann besang man nicht selten die Heldentaten des großen Mokoundji Batouala bis in die entferntesten Dörfer der M’bis, Dakpas, Dakouas und La’mbassis, während sich die schrillen Töne der Balafone und Koundés mit dem hohltönenden Tamtam der Li’nghas verbanden.
Arbeit konnte ihn also nicht schrecken. Aber in der Sprache der weißen Menschen nahm dieses Wort einen erstaunlichen Sinn an. Es bedeutete Erschöpfung ohne sofortiges oder greifbares Resultat, Sorgen, Kummer, Schmerzen, Verlust der Gesundheit, Verfolgung trügerischer Ziele.
Ach, die Menschen mit weißer Haut! Warum sind sie hierhergekommen? Was suchen sie hier, so weit weg von zu Hause, im schwarzen Land? Sie täten besser daran, alle in ihre Länder zurückzukehren und dort zu bleiben.
Das Leben ist kurz. Arbeit gefällt nur denen, die nicht zu leben verstehen. Nichtstun kann niemanden entwürdigen. Es unterscheidet sich im übrigen grundlegend von Faulheit.
Ob man seine Meinung nun teilte oder nicht, er glaubte jedenfalls felsenfest, und würde bis zum Beweis des Gegenteils nicht davon abgehen, daß Nichtstun nur bedeutet, sich in aller Gutmütigkeit und Einfalt alles zunutze zu machen, was uns umgibt.
In den Tag hineinleben, ohne an gestern zu denken, ohne sich um den morgigen Tag zu sorgen, nicht in die Zukunft zu blicken – das ist hervorragend, das ist vorzüglich.
Warum sollte er im übrigen aufstehen? Ist es im allgemeinen nicht besser zu sitzen als zu stehen, besser zu liegen als zu sitzen?
Ach, der gute Geruch von Heu, den die Matte, auf der er die Nacht zugebracht hatte, verströmte! Die abgezogene Haut eines frisch getöteten wilden Rindes konnte sie wirklich nicht an Weichheit übertreffen.
Warum also versuchte er nicht, wieder einzuschlafen, anstatt mit geschlossenen Augen dazuliegen und seinen Gedanken nachzuhängen? Auf diese Weise wäre es ihm vergönnt, länger als sonst die wohligen Vorzüge seiner Matte, seines Bogbo, zu genießen.
Zuvor mußte er jedoch das erloschene Feuer wieder zum Leben erwecken. Dazu brauchte er nur ein paar dürre Zweige und eine Handvoll Stroh. Danach würde es genügen, in die Asche zu blasen, wo der rote Schwarm der Funken noch züngelte.
Dann würde der Rauch zwischen explodierendem trockenem Geprassel seine beißenden und erstickenden Spiralen entrollen. Und die Flammen würden als Vorboten der sich ausbreitenden Wärme aufsteigen.
Wenn das geschehen war, brauchte er sich nur in der aufgeheizten Hütte, den Rücken dem Feuer zugewandt, wie ein mit Maniok vollgefressenes Warzenschwein auszustrecken, um zu versuchen weiterzuschlafen. Er brauchte sich nur an der Glut zu erwärmen wie ein Leguan an der Sonne. Er brauchte es nur noch wie die zu machen, die seit vielen Trockenzeiten und vielen Regenzeiten seine Frau war – seine Yassi.
Ihr Beispiel war hervorragend! Sie machte gologolo – sie schnarchte, und wie! – neben einem zweiten Feuer, das ebenfalls erloschen war.
Lalala! Wie gut sie schlief, den Kopf auf einen Klotz gestützt, ruhig, nackt, die Hände auf dem Bauch und die Beine unschuldig gespreizt!
Manchmal tastete sie an ihren welken, runzligen Brüsten herum, die getrockneten Tabakblättern glichen, oder kratzte sich und stieß dabei lange Seufzer aus. Manchmal bewegten sich ihre Lippen etwas. Sie gab leichte, schlaffe Lebenszeichen von sich. Aber bald kehrte Ruhe zurück – und ihr gleichmäßiges Schnarchen.
Djouma, der kleine, fuchsrote, traurige Hund schlief seinerseits hinter einem Haufen von Holzbündeln zusammengerollt auf einem Stapel von Körben mit Kautschuk, der die Kuhle überragte, wo sich nachts meist die Hühner, die Enten und die Ziegen balgten.
Von seinem durch Entbehrungen abgemagerten Körper sah man nur die aufgerichteten, spitzen, beweglichen Ohren. Er schüttelte sie von Zeit zu Zeit, um den Floh, die Zecke oder die Bienen, die ihn ärgerten, zu beeindrucken. Meistens zog er es vor, dumpf zu knurren, ohne sich dabei mehr zu bewegen als Yassigui’ndja, die Lieblingsfrau Batoualas, seines Herrn. Oder er öffnete, heimgesucht von hündischen Träumen, das Maul, um ins Leere zu schnappen oder mit seinem halberstickten und krampfartigen Gebell gegen die Stille anzugehen.
Batouala stützte sich mit den Ellbogen auf seine Matte. Der Versuch, noch einmal zu schlafen, war sinnlos! Alles verbündete sich gegen seine Ruhe. Allmählich drang Nebel in die Hütte. Es war kalt. Er hatte Hunger. Und es wurde immer heller.
Nein, nein und nochmals nein. An ein Weiterschlafen war nicht zu denken. Laubfrösche, Erdkröten und Ochsenfrösche quakten um die Wette, draußen in den dichten, feuchten Wiesengründen.
Um ihn herum schwirrten und summten trotz der Kälte unablässig Fourous und Moskitos, die es sich zunutze machten, daß das erloschene Feuer keinen Rauch mehr bildete, um sie zu betäuben.
Und wenn auch die streitsüchtigen Ziegen beim ersten Hahnenschrei hinausgelaufen waren, so waren die Hühner doch geblieben und machten ein Heidenspektakel.
Auch die friedlichen Enten waren noch da. Im Augenblick glucksten alle erstaunt oder schnatterten unruhig, wobei sie den Hals ruckartig nach links reckten oder ihn zurückbogen, um ihn gleich darauf nach rechts zu strecken.
Etwas Außergewöhnliches schien geschehen zu sein, etwas Außergewöhnlicheres als alles, was die Enten kannten. Sie wackelten fieberhaft mit ihren flaumigen Bürzeln, starrten mit schrägem Blick zur Öffnung der Hütte, versammelten sich dann alle um einen Anführer und erweckten den Eindruck, als teilten sie ihm ihre Überlegungen oder ihre Vorstellungen mit.
Als die endlich glaubten, es sei ihnen gelungen, das Wunder, das sie erstaunt hatte, zu erklären, machten sie ernst, gewichtig, ungeschickt, eine hinter der anderen, der Größe nach die Runde um die Kautschukkörbe, indem sie automatisch...
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