Vor dem Hindergrund der späten Achtzigerjahre, in welchen auch Grant Morrison mit «Arkham Asylum» zur Renaissance des dunklen Ritters beitrug, waren die Erwartungen dementsprechend hoch, als DC 2008 «Batman R.I.P.» von Morrison und Tony S. Daniel als bahnbrechend und alles verändernde Serie ankündigte. Bei Panini erscheint nun der deutsche Sammelband zu «Batman R.I.P.» mit einem Prolog, sechs Hauptteilen und dem zweiteiligen Epilog «Was der Butler sah».
Inhaltlich ist die Geschichte keineswegs revolutionär: Ein neuer Gegner (Dr. Simon Hurt, Anführer vom Black Glove) versucht Batman auszuschalten. Um seine Überlegenheit zu beweisen, inszeniert der Bösewicht einen Showdown, der ihm schlussendlich selber zum Verhängnis wird. Im Gegensatz zum innovativen Artwork von Dave McKean in «Arkham Asylum» kommt Tony S. Daniels («Teen Titans») Illustration nicht über gutes Mittelmass hinaus. Immerhin liest sich die dynamische Panelgestaltung fliessend. Häufige Szenenwechsel halten die Geschichte spannend. Je tiefer man sich in Morrisons Werk gräbt, desto klarer wird, dass man weitere Male nach Zitaten und Querverweisen aus älteren Batman-Comics stochern muss. Beim ersten Lesen fühlt man sich mit zunehmender Handlung jedoch ein wenig verloren, da zum rätselhaften Beginn weitere Irritationen dazukommen, die offen bleiben. Dazu ist der Auftritt vieler bunter Schurken, aber auch anderer (Neben-)Figuren überflüssig und verwirrend. Interessant ist einzig ein neuer, freakiger Joker, der allen Regeln zum Trotz im Dance Macabre von Black Glove seine eigenen Schritte tanzt.
Für Batmank-Kenner mag «Batman R.I.P.» eine herausfordernde Fundgrube darstellen. Quereinsteiger wird jedoch vorgängig die Lektüre von «Batman and Son» (Morrison/Kubert) und «The Black Glove» (Morrison/Williams III) empfohlen (beide bis jetzt nur auf Englisch erhältlich), die sowohl thematisch einleiten als auch Basiswissen zu verschiedenen Figuren bieten. (Sam Camenzind bei Comic-Check)