Dies ist ein Meilenstein der Comicgeschichte. Nach diesem Buch war nichts mehr wie vorher, und mit ihm ging das "Bronze Age" der Comics zu Ende und das "Modern Age" begann. Weg ist der lachende, witzelnde Technikbastler mit Heldenambitionen der 50er und 60er, weg ist der Detektiv der 70er und 80er. Hier ist der Psychotiker, der zerfressene, getriebene dunkle Ritter, der Faschist, der Vigilant, der das Recht in die eigene Hand nimmt. Waren die problembehafteten Marvel-Helden der 60er noch Identifikationsfiguren (Spider-Man mit seinen Geld- und Jugendproblemen etc.), so ist dieser "Held" kein Vorbild mehr, und psychisch nicht weit von seinen durchgeknallten Gegnern entfernt.
Miller ist ein extrem kontroverser Künstler - man beachte die Rezensionen hier auf Amazon.de für sein "300" und "Sin City". Er polarisiert mit seiner Darstellung von Sex und Gewalt, einem gerüttelten Maß an halbfaschistoiden und sexistischen Anspielungen, und seinen häufig anzutreffenden politischen Botschaften. Man mag ihm gegenüberstehen, wie man will - an seinen Werken kommt man, wenn man sich nur ansatzweise für Comics interessiert, nicht vorbei. Sie sind unbequem und sehr selten auch nur im entferntesten "political correct".
Dafür erhält man spannende, intelligente und faszinierende Unterhaltung - Millers Talent, eine gute Story zu erzählen, und seine unzweifelhafte Begabung, atmosphärisch extrem dichte Zeichnungen zu schaffen, beeindrucken; seine Arbeiten sind wuchtig wie ein Schlag in den Magen.
Ein Muss!Lesen!