Comic-Zeichner David Finch und Batman-Darsteller Christian Bale haben diese Graphic Novel, eigentlich eher eine Graphic Short Story, lobend erwähnt. Die Tatsache, dass es sogar eine 15th Anniversary Edition inklusive dem Entwurf samt Kommentaren von Grant Morrisson und den Skizzen gibt zeigt das Arkham Asylum kein x-beliebiger Comic ist, sondern etwas Besonderes.
Der Joker hat Arkham Asylum, die Heilanstalt für Gotham City, besetzt. Er will das Batman ins Innere dieses düsteren Ortes vordringt und auf die Bewohner trifft, die dank der Fledermaus inhaftiert wurden. Die Heilmethoden der Klinik sind offenbar etwas absurd, Two-Face wurde der Münzwurf abgewöhnt, da das zu zweidimensional ist, stattdessen sollte er Würfel ausprobieren, um zumindest sechs Optionen zu haben (ich fand diese Szene auf eine düstere Weise lustig). Therapeuten fragen immer nach der Kindheit, so zumindest ist das Bild von Psychologen. Und wie schlimm muss diese Kindheit für Bruce Wayne gewesen sein, der vom Raubmord auf seine Eltern so traumatisiert wurde, dass er sich als Erwachsener als Fledermaus verkleidet?
Mit dem gleichnamigen, ganz hervorragenden Game Arkham Asylum hat diese Graphic Novel entfernt zu tun, es ist eine mehr actionhaltige, zugänglichere Interpretation dieses Buches. Und Interpretation ist dann auch das Stichwort: die Story arbeitet mit recht wenig Wörtern und lässt genug Raum für eigene Deutung, so zumindest mein Eindruck. Das was mich an diesem Album am meisten beeindruckt sind eindeutig die Zeichnungen von Dave McKean, die an Comics wie "God of war" erinnern: fotorealistisch, verschwommen, düster.
Die Dialoge der englischen Ausgabe sind gut verständlich, wie ich finde. Eine echte Schwierigkeit stellen aber die Sätze des Jokers dar, denn seine Dialoge werden in einer (blut)verschmierten Schriftart gedruckt, was die Lesbarkeit enorm erschwert. Optisch eine brillante Idee, aber für den Lesefluss sehr abträglich!
Etwas enttäuscht war ich von der Story dann doch. Die Zeichnungen waren so großartig wie erwartet, aber die Geschichte... Was will uns Grant Morrison sagen? Das die ganze Welt verrückt ist, erst recht außerhalb der Mauern der Heilanstalt Arkham? Das umfangreiche Bonusmaterial und die Wirkung die dieser Bilderroman auf mich hatte sprechen aber doch für die Höchtwertung, meine ich. Für Leser die eine klassische Batman-Geschichte erwarten vielleicht zu wirr und zu langweilig, für Comic-Fans, die Lust auf Kunst und einen gänzlich ungewohnten Blickwinkel auf den maskierten Super-Detektiv haben ist dieser Klassiker eine Verheißung!
216 Seiten Softcover, Farbe, Autor: Grant Morrison, Zeichner: Dave McKean, Extras: fast die Hälfte des Buches sind Extras wie Skript, Skizzen und Kommentare, Nachwort von Karen Berger (Vertigo), DC 2004