Jawoll ja...meine Lieblings-Potsdamer sind wieder zurück. Nachdem die Mittelalter-Metaller SUBWAY TO SALLY auf ihrer kürzlich veröffentlichten Akkustik-CD/DVD "Nackt" noch Ihre zerbrechliche und emotionale Seite unter Beweis gestellt haben, schlagen sie auf ihrem brandneuen Album "Bastard" mit all ihrer Härte zurück. Und ich möchte schon mal vorweg nehmen, dass dem Septett der gekonnte Spagat zwischen brachial-moderner Härte und folkloristischen Mittelalter-Elementen (inklusive Geige, Flöte und Dudelsack) , erneut glänzend geglückt ist. Insofern reiht sich "Bastard" ansatzlos in die Liste der SUBWAY-Classics wie "Hochzeit" , "Bannkreis" und "Herzblut" ein, und stellt ohne Zweifel einen weiteren glanzvollen Höhepunkt ihrer Band-Karriere dar. Bei näherer Betrachtung gibt es unter den 13 Tracks lediglich zwei Stücke, die mir nicht ganz sooo gut gefallen, wie das restliche Material. Denn bei "In der Stille" und dem Quasi-Titelsong "Fatum" lassen die Potsdamer die großen magischen Momente (und schlüssigen Ideen) vermissen, und bieten den Hörern eher durchschnittliche Kost. Dies ist jedoch nur ein minimaler Schönheitsfehler eines ansonsten rundum gelungenen Stückes deutscher Klangkunst, das man schlichtweg gehört haben MUSS. Ein Highlight jagt buchstäblich das nächste...
Fantastische Hymnen wie "Puppenspieler" , "Unentdecktes Land" , "Umbra" , "Voodoo" und der eingängige Hit "Auf Kiel" (was für ein geiler Chorus!) präsentieren SUBWAY TO SALLY in absoluter Bestform, und strotzen nur so vor Adrenalin und positiver Energie. Der groovige Opener "Meine Seele brennt" hätte locker auch auf dem letzten RAMMSTEIN-Longplayer "Rosenrot" stehen können, wohingegen das tieftraurige Abschiedslied "Wehe Stunde" für zentimeterdicke Gänsehaut beim angespannten Zuhörer sorgt. Im krassen Kontrast hierzu steht ein lebensbejahender Tanzflächen-Feger wie "Tanz auf dem Vulkan" - für mich der inoffizielle Nachfolger von "Veitstanz" - der zukünftig auf allen Konzerten für ungeahnte Jubelstürme und halsbrecherische Tanzeinlagen sorgen wird. In dieselbe Kerbe schlägt der Mid-Tempo-Stampfer "Hohelied" (schon wieder so ein genialer Ohrwurm-Refrain!), der ebenfalls das Zeug zum absoluten Live-Abräumer hat. Tja, und dann ist da noch "dieses eine Lied"...dieses unglaublich dynamische Riff-Monster "Die Trommel", welches mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht, und dessen simpler (uns dabei soooo genialer) Chorus mich sogar im Schlaf verfolgt. Ohne Worte !!! Für mich der beste Song des Jahres 2007 !!!
Als letzten riesigen Pluspunkt muss man noch die druckvolle und knallharte Produktion erwähnen, die für deutsche Verhältnisse beinahe schon Maßstäbe setzt, und die 13 Songs von "Bastard" nahezu perfekt in Szene setzt. Dennoch gibt es für den Hörer zahllose versteckte Details zu entdecken, die beim ersten Durchlauf noch verborgen schienen. Somit besteht unbedingte Kopfhörer-Pflicht !!!
Fazit: SUBWAY TO SALLY ist es zweifellos gelungen, den ebenfalls bärenstarken Vorgänger "Nord Nord Ost" mal eben locker zu übertrumpfen. Geschmäcker sind zwar bekanntlich verschieden...aber für mich persönlich ist "Bastard" sogar die beste Scheibe seit "Bannkreis". Aber das sollte jeder für sich selber entscheiden. Fest steht jedoch, dass eigentlich kein SUBWAY-Fan von diesem kleinen (aber feinen!) Meisterwerk enttäuscht sein dürfte.