Eine blutende Leiche, tote Studenten, ein verschwundener Hund, die Auswüchse des technologischen Fortschritts und Lebenslügen -in Form eines lang zurückliegenden Falles- beschäftigen Kay Scarpetta in ihrem 18. Abenteuer.
Kay, inzwischen Leiterin des Cambridge Forensic Centers, weilt für 6 Monate beim "Medical Examiner der Army Force", wo sie eine Ausbildung als forensische Radiologiepathologin absolviert & als Reservistin Leichen obduziert. Die Leitung des CFC hat sie deswegen in die Hände ihres langjährigen Mitarbeiters Jack Fielding gelegt.
Ihr Aufenthalt in Dover wird unvermittelt durch das Auftauchen Marinos und Lucys beendet, die ihr eine Hiobsbotschaft überbringen: eine blutende Leiche im CFC. Scarpetta reist überstürzt ab, um herauszufinden, ob der Mann wirklich in ihrem Institut verstorben ist.
Auf dem Weg dorthin wird sie verfolgt und auch Benton und Lucy verhalten sich merkwürdig. Dann ist auch noch Jack verschwunden und sie stellt fest, dass in ihrer Abwesenheit so einiges aus dem Ruder gelaufen ist ...
Was haben Mikroroboter mit dem Fall zu tun und was verschweigt ihr Benton??
Hat Lucy Recht damit, dass sie im Mittelpunkt einer Verschwörung steht? Und was hat es mit einem alten Fall Kays in Südafrika auf sich, als Folge dessen sie als CME in Richmond, Virginina landete und der sie zusehends belastet??
Fragen über Fragen stellen sich dem Leser in diesem Fall, der eigentlich" recht spannend beginnt- DANN aber stark nachlässt:
Dazu tragen mit Sicherheit die Ich-Perspektive bei und die Tatsache, dass der zeitliche Rahmen, (wie so oft in den letzten Büchern) sehr begrenzt ist: nämlich 2 Tage- alles geschildert aus der Sicht Kays, die sich mehr oder weniger in ihrem Institut aufhält! Leider verpasst es Cornwell, daraus einen gelungenen Fall zu machen. GUT- wir lernen neue Aspekte aus Kays Vergangenheit kennen, erleben enorme emotionale Belastungen mit und erhalten Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt.
DOCH das macht noch lange keinen guten Thriller aus. DENN: die Dialoge, die durch die eingeschränkte Erzählweise und Lokalität umso wichtiger sind- sind erstaunlich- LANGATMIG, und man hat permanent das Gefühl, die Beteiligten (zumeist Benton) reden aneinander vorbei. Ich musste einige Dialoge mehrmals lesen: denn da hängt jeder seinen Gedanken nach und äußerst sich ohne auf die Fragen des Partners einzugehen.
Auch bleiben in diesem Roman Benton, Marino und Lucy blasse Nebenfiguren mit geringem Stellenwert.
Bei Lucy ist dies gut so, denn mich nervt die Dame zusehends- so auch dieses Mal mit ihren Verschwörungstheorien und Ausführungen über Helicopter. Marino schwingt sich zur Plaudertasche und Stellvertreter Scarpettas auf und Benton mutiert zum iPhonie-Junkie; die meiste Zeit liest er SMSen oder schreibt welche und hat Geheimnisse vor Scarpetta, die dies alles stoisch erträgt- WIE wahrscheinlich ist das nach 6monatiger Abwensenheit???
DESWEITEREN philosophiert Cornwell über den technischen Fortschritt (teils recht gelungen) als auch über das Kleine-Welt-Phänomen" und Verschwörungstheorien (eher weniger gelungen)!
Wie #17, fing auch dieses Buch recht gut an- ließ dann aber im Mittelteil stark nach, wurde dann HANEBÜCHEN als ALLES, wirklich ALLES miteinander in Verbindung gebracht wird- ABSOLUT ÜBERKONSTRUIERT & dadurch unglaubwürdig. Gegen Ende wurde es kurzzeitig noch mal interessant, aber auch das rettet dieses bestenfalls mittelmäßige Werk nicht mehr.
DESWEGEN GLATTE 2,5* irgendwo zwischen OK und unglaubwürdig. Das wird wohl nix mehr mit Scarpetta werden ... Die Glanzzeiten sind schon lange vorbei und ich lese inzwischen die alten lieber zum 3. Mal als alles, was nach #10 kam ...
P.S. Scarpetta #19 ist schon so gut wie da: RED MIST-- VÖ: 11.2011