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Über die Suche nach Identität, 18. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Bastard: Die Geschichte der Journalistin Lee (Taschenbuch)
Dortmund Augustastrasse – Berlin Friedrichshain – Seoul : Innerhalb dieses Dreiecks spielt sich das Leben der Carla Lee ab. Aufgewachsen in Deutschland, als Kind einer portugiesischen Mutter und eines koreanischen Vaters, erfährt sie früh das Gefühl, fremd zu sein. Fremd in Deutschland - aber auch in Korea. Assimilation als Schlagwort in einem Prozess, der nicht nur von außen bestimmt zu sein scheint. „Wenn die Fremdheit nichts mit der Zuschreibung zu tun hat, sondern damit, dass man sich selbst nicht erträgt“ sagt sie an einer Stelle – Fremdheit von Innen also. Ein Zustand, der sich bei der Protagonistin Carla in verschiedenen Gestalten bemerkbar macht: Magersucht, Bulimie, in der Ablehnung des Selbst, immer auf der zermürbenden und verzweifelten Suche nach der Identität – einer eigenen Identität. Die Fragen drehen sich permanent um das „Wer bin ich?“ und das „Warum und Wofür“.
Hinter alldem stecken mehrere Faktoren. Sei es z.B. der ständige Erwartungsdruck, der Druck, es anderen beweisen zu müssen: Der Familie, den Freunden, der Welt und vor allem sich selbst. Ständig das Gefühl zu haben, sich etwas erst verdienen zu müssen. Erst muss der Verdienst im Vordergrund stehen – ein Ziel erreicht, etwas vollendet zu haben. Nur dann dürfe man glücklich sein.
Die Suche nach äußerer und innerer Identität steht also im Vordergrund. Stationen hierbei, in die der Autor den Leser eintreten lässt, sind zum Größtenteil koreanische Perspektiven. Die Innenansicht einer 10 Millionen Einwohner Stadt: Seoul. Eine Stadt auf dem Gipfel des Wachstums, der Technik, der Rationalisierung und zugleich der Gefühlsarmut – seien es die überfüllten U-Bahnen, die mit Plastik bezogenen Betten einer acht Quadratmeterabsteige im Rotlicht-Milieu oder der stets höflich-distanziert-belanglose Smalltalk in traditioneller koreanischer Anredeform. Der Mensch als Fremder in der Masse. Vereinsamt und leer in einer immer schneller und oberflächlicher werdenden Zeit.
Das Buch verschafft dem Leser permanent die Möglichkeit einer Innenansicht der Hauptfigur. Gezeigt wird das permanente Bestreben dieser Figur – bewusst als solche betitelt – sich selbst duch den Tag zu bringen, besteht dieser oftmals durch das stundenlange Berechnen von Kalorienwerten, Tabellen, Gewichten und dem Traum nach dem großen Erfolg – als Journalistin. Dass man etwas ist, etwas verkörpert, sich einen Namen macht. Zugleich ist es ein Job, der sie fertigmacht, der ihr nicht wirklich Spaß macht.
Carla Lee flüchtet sich hierbei in Traumwelten, in virtuelle Welten, sich selbst vorgestellt als Alien oder als Catwoman – in Form der Außenbetrachtung.
Zudem machen verschiedene Rückblenden – zumeist aus der Perspektive von Carlas langjährigen Freund Cem („dem Abiturtürken“) erzählt – es möglich, das Leben und die Vergangenheit Carlas – ihren „background“ besser zu verstehen. Auch die Wechsel in der Erzählerstruktur (spricht die Protagonistin jedoch überwiegend aus der Ich-Perspektive) und der immer wieder einsetzende Kursivdruck tragen hierzu bei.
Zudem versteht es der Autor, den Leser in das Hier und Jetzt eintauchen zu lassen. Reelle Bezugspunkte in Form von Bandnamen, Serien, Schauspieler/innen, Marken etc. lassen einen hohen Identifizierbarkeitsfaktor zu und machen es dem Leser leicht, sich in dieser doch so gut bekannten Welt zurechtzufinden und sie einmal mehr nachvollziehen zu können.
Alles in allem ist dies ein Werk, dass ein jeder lesen sollte. Ein Buch, dass nicht nur aufgrund seiner so detaillreich und überaus vielseitig recherchierten Geschichten – sei es die der Grenzgängerin Carla Lee, des Landes Südkorea, der Suche nach Identität (dort wie hier) oder der Situation der in Deutschland lebenden Emigranten – besticht. Atmosphärisch und dicht geschrieben erfährt der Rezipient die Möglichkeit einzutauchen, in ein besseres Verstehen einer Kultur, die nicht zuletzt seine eigene ist. In einer Welt, die immer dichter zusammen wächst und in der nicht selten die Logik des Marktes als das Bestimmende auftritt, bringt einen dieses Buch zum Nachdenken – zum Nachdenken über das „Hier und Jetzt“ mit all seinen Problemen und Nebenwirkungen.
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Klasse, 1. März 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Bastard: Die Geschichte der Journalistin Lee (Taschenbuch)
Von allen Romanen, die ich bisher von Raul Zelik gelesen habe, hat mich dieser am meisten überzeugt. "Bastard" erzählt die Geschichte einer bulimiekranken Frau, die in Korea als Journalistin arbeitet. Wie in "grenzgängerbeatz" und "Friss und stirb trotzdem" geht es auch diesmal um Migration und Fremdheit. Die Sprache der Ich-Erzählerin zieht einen sofort rein in die Geschichte. Ich habe das Buch in ein paar Stunden durchgehabt. Echt gelungen.
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