Die folgenden Notizen beziehen sich auf die Ausgabe von 2005:
"Die Rechtschreibreform brachte es mit sich, dass viele bisher einfache zweiteilige Prädikate im Infinitiv nicht mehr zusammengeschrieben werden; damit kommt es zu Änderungen in der Klassifikation: Du hackst die Kräuter klein. (alt: kleinhacken; neu: klein hacken.)"
"Die Beherrschung von Teilen der geltenden Orthografieregeln ist Voraussetzung zur korrekten Klassifikation des Prädikats."
Man läßt sich also die grammatische Analyse von der amtlichen Rechtschreibung vorgeben, in diesem Fall von der seither überholten Reformschreibung von 1996 bzw. 2004.
Übrigens muß es statt "Prädikat" hier jeweils "Verb" bzw. "Verbkomplex" heißen, denn Prädikate treten ja erst in Sätzen auf.
"Durch die neue Rechtschreibung hat sich besonders im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung vieles geändert. Das betrifft vor allem Verben (alt: kennenlernen, neu: kennen lernen) und Adjektive (alt: kochendheiß, neu: kochend heiß). Diese ehemaligen Wörter und heutigen Wortgruppen fallen nun aus der Wortbildung heraus, da sich die deutsche Wortbildung an grafischen Wortgrenzen, d. h. an Leerzeichen vor und nach einem Wort, orientiert."
Die Rechtschreibreform ihrerseits gründet aber die Getrennt- und Zusammenschreibung auf den Unterschied von Wortgruppe und Wort, setzt also eine schriftunabhängige Wortbildungslehre voraus: "Die Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft Einheiten, die im Text unmittelbar benachbart und aufeinander bezogen sind. Handelt es sich um die Bestandteile von Wortgruppen, so schreibt man sie getrennt. Handelt es sich um die Bestandteile von Zusammensetzungen, so schreibt man sie zusammen." (Amtliche Fassung des Regelwerks 2006)
"Als sekundäres, konstruiertes System kann die Rechtschreibung jederzeit verändert werden (vgl. Rechtschreibreform)." (195) (Und damit kann, wenn man alles zusammennimmt, auch die deutsche Grammatik jederzeit durch die Kultusminister verändert werden, denn die grammatische Analyse soll ja der Orthographie folgen!)
Die Verfasserinnen glauben, daß die Rechtschreibreform bei "selbstständig" die Einsparung von Buchstaben wieder aufgehoben habe. Sie sagen auch: "Nach der neuen Rechtschreibung sind in einigen Fällen auch eingedeutschte Plurale möglich, z. B. Atlas ' Atlasse." Solche Dinge haben aber mit der Reform gar nichts zu tun.
Die Verfasserinnen tun so, als habe erst die Valenzgrammatik die Prädikativergänzung entdeckt (Prädikatsnomenergänzung S. 24). Das ist natürlich nicht richtig.
Abtönungspartikeln sollen die "Sprechereinstellung bzw. die innere Befindlichkeit des Sprechers" ausdrücken. Eine völlig unzulängliche Auffassung.
Ein Satz wie "Peter kauft Gesundheit" sei semantisch eigentlich nicht möglich, weil Abstrakta keine käuflichen Produkte seien. Das ist nicht richtig, denn Abstrakta sind Namen von Satzinhalten (Porzig), und man kann sich durchaus kaufen, daß man gesund, befördert oder gewählt wird usw.
Das Stemma S. 52 mit dem Satz-Symbol an der Spitze ist eigentlich vom Valenz-Ansatz her nicht zu erwarten. Die syntaktische Abhängigkeit ist nicht in diesem Sinn erklärt. Man würde das Verb an der Spitze erwarten, denn der Satz ist vom Verb her strukturiert. "Als strukturelles Zentrum ist dem Satz das Prädikat untergeordnet." Was heißt das?
"Morpheme sind abstrakte Einheiten." Aber eine Seite weiter werden Morpheme in gebundene und freie eingeteilt, letztere sollen als Wörter vorkommen. "Tisch, lang (...) sind sowohl Wörter als auch Morpheme." (95)
"So ist etwa eine Brombeere auf jeden Fall eine Beere, die sich von anderen Beeren wie der Erdbeere oder der Blaubeere klar durch den Zusatz Brom unterscheidet. Was jedoch dieses Brom genau bedeutet, wissen wir heute nicht mehr." (97) Aber man muß doch die Etymologie nicht kennen, um zu wissen, was ein Simplex bedeutet! Würde sich der Teil -beere verlieren, dann wäre kein Grund mehr gegeben, die Undurchsichtigkeit von Brom (oder dann vielleicht Bromme) zu vermerken.
In "nicht ohne meine Tochter" soll "nicht" Attribut sein, ziemlich ungewöhnlich.
"Eine ideale Schrift wäre eine phonetische, eine, in der jeder einzelne Buchstabe genau einem Phonem entspricht." Das wäre allerdings eine phonologische und keine phonetische, und außerdem wird nicht gesagt, warum das eine ideale Schrift sein sollte. Wenig später bestehen die Verfasserinnen ausdrücklich darauf, daß es das Ideal einer Schriftsprache wäre, phonetisch und nicht phonologisch den Wortlaut abzubilden. Wie soll man diesen Widerspruch verkraften?
Lispler würden wohl kaum "Thusi" und "thüße" (statt "Susi" und "süße") sagen (185), denn das s im Wortinneren macht ihnen ja dieselben Schwierigkeiten.
"Nimmersatt enthält keinen alten Imperativ."
Gr. synonymia heißt zwar auch "Namensgleichheit", aber wie man daraus die heutige, gerade gegenteilige Bedeutung ableiten soll, bleibt rätselhaft.
Die Tabelle zu einer Semanalyse von Fahrzeugen ist sehr oberflächlich (159). Wer würde darauf kommen, daß Fahrräder, Flugzeuge und Schiffe das Merkmal "mit Lenkrad" teilen?
"Er fährt Schlittschuhe" soll unmöglich sein - aber nicht wegen der Pluralform, sondern weil "Schlittschuhe" nicht mit "fahren" kombinierbar sei. (155) Gerade diese Verbindung steht mit Recht in jedem Wörterbuch.
"Wellness-Hotel" ist kein Mischwort aus deutschem und fremdsprachlichem Wortmaterial. (193)
Eike von Savigny ist nicht die "Bearbeiterin" von Austins Theorie der Sprechakte, sondern der Bearbeiter.
In der Wendung "den ganzen Teller aufessen" steht nicht totum pro parte (denn der Teller wird ja nicht mitgegessen), sondern die Figur ist allenfalls metonymisch.
Das Buch enthält zahlreiche orthographische Fehler.