Dieses Buch besticht durch sein tolles Layout, seinen Umfang und durch die sehr gut erklärte Anatomie und Physiologie.
Es ist gut und sinnvoll strukturiert und auch für Laien verständlich geschrieben.
Bei näherer Betrachtung fällt die jeweils der Physiologie angegliederte Pathologie negativ auf. Die ausgewählten und auch leider recht wenigen Erkrankungen müssen in den meisten Fällen operativ, chirurgisch oder zumindest antibiotisch behandelt werden. Ein bei diesem Schwerpunkt 'Tierheilpraxis' eigentlich zu erwartende Gewichtung hin zu naturheilkundlichen Verfahren wäre sinnvoller und dem Thema angemessener gewesen ' schließlich soll das Buch ja auch als Nachschlagewerk für den praktizierenden THP dienen, der sich in dem Buch die ein oder andere Idee für seine kranke Patienten holen kann. Hier gibt es auf dem Markt viele andere, bessere und günstigere Bücher.
Die Therapiemöglichkeiten sind allgemein sehr tierarztlastig (die Autoren sind Tierärzte). Die Naturheilkunde wird meistens nur am Rande und als Begleittherapie erwähnt ' und dann leider auch nur, dass es sie gibt, während bei den schulmedizinischen Präparaten teilweise gleich der Handelsname der Präparate mitgeliefert wird.
'Gefährlich', weil illegal für den Tierheilpraktiker wird dann das Kapitel 'Eigenbluttherapie': wie alle anderen Therapieverfahren wird auch dieses toll beschrieben und erklärt. Leider wird nicht erwähnt, dass der Tierheilpraktiker diese Therapie gar nicht anwenden darf, weil er bei Zugabe von Homöopathika oder durch die anderen Bearbeitungsverfahren, die bei der Eigenbluttherapie möglich sind, ein Arzneimittel herstellt, was ihm verboten ist (vgl. §13 AMG).
Der Teil des Buches, der sich mit den anzeigepflichtigen Tierseuchen und den meldepflichtigen Tierkrankheiten befasst, kommt definitiv zu kurz! Es wird erwähnt, dass es sie gibt und dass der THP sie nicht behandeln darf, aber an dieser Stelle ist nicht zu finden, dass der THP diese Erkrankungen unverzüglich beim Veterinäramt oder im Notfall auch bei der Polizei anzeigen muss.
Dazu fehlt eine Übersicht über die aktuell auf der offiziellen Liste stehenden Krankheiten, sowie der Hinweis, dass die Listen jederzeit aktualisiert und überarbeitet werden können (siehe Homepage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wo die Übersichten zu finden sind).
Ein Tierheilpraktiker, der anzeigepflichtige Tierseuchen und/ oder meldepflichtige Tierkrankheiten behandelt, macht sich strafbar ' der Hinweis MUSS an dieser Stelle stehen!
Irritierend ist die Empfehlung der Autoren u. a. im Kapitel 'Ausgewählte Erkrankungen des Blutes ' Babesiose des Hundes' als Zeckenprophylaxe die Mittel Kiltix', Scalibor' oder Ex-spot' einzusetzen. Diese Produkte würde aufgrund der hohen chemischen Belastung für Hund oder Katze kein seriöser Tierheilpraktiker anwenden, zumal es genügend andere, pflanzliche Alternativen gibt, die genauso gut wirken.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Autoren einen guten Anfang gemacht haben, aber dass das Buch unbedingt noch überarbeitet werden muss ' besonders mit Hinblick auf die Gesetze, die den Tierheilpraktiker betreffen.
THP-Schülern würde ich das Buch nur eingeschränkt und nur dann als ergänzende Lektüre empfehlen, wenn sie im Unterricht die Gesetzeskunde besprochen haben und somit 'sattelfest' im Dschungel der Paragraphen sind.