Der Titel und der Umfang passen auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen: Oder wie umfangreich ist dann erst ein umfassenden Lehrbuch der Inneren, wenn "die Basis" schon fast 1400 Seiten umfasst?
Aber gleich in der Einleitung ("Helfen und Heilen") wurde ich voll und ganz Fan des Buches. Hier begegnet mit zum ersten Mal jemand, der einem den Spiegel vorhält und zugleich bei der Hand nimmt. Die folgenden Kapitel hören sich zunächst wirklich sehr "grundlegend" an:
Herz
Gefäße
Blut und blutbildende Organe
Immunsystem
Lunge
Magen-Darm-Trakt
Leber, Galle, Pankreas
Endokrines System
Stoffwechsel und Ernährung
Niere
Wasser- und Elektrolythaushalt
Rheumatologie
Infektionskrankheiten
Körper, Seele, Patient und Ärztin (funktionelle Störungen, chronische Schmerzsyndrome, Suchtverhalten, reaktive Störungen und Essstörungen)
Das deutlichste Argument für das vorliegende Buch ist der absolut gängige Schreibstil, wie ich ihn sonst nur von anglo-amerikanischen Büchern kenne. Keine verklausulierten Sätze und keine Schachtelungen für die 2. Absonderbarkeit der 4. Ausnahme von der S3-Leitlinie unter Berücksichtigung der Gestirnkonstellation von Jupiter und ....
Das Lesen "geht leicht von der Hand" und die Inhalte finden schnell Haltepunkte in den Hirnwindungen. Tabellen sind deutlich blau hinterlegt und fassen wichtige Dinge zusammen, z.B. die günstigen und ungünstigen Wirkungen verschiedener Antihypertonika je nach Grunderkrankung.
Rote Kästen sind für Zusammenfassungen reserviert, die entscheidende Punkte in Kürze darstellen, aus dem eben genannten Beispiel wäre das dann eine Aufzählung der allgemeinen Maßnahmen bei Hypertonie.
In grün (und relativ unauffällig gehalten) sind die Kästen "zur Vertiefung", die wirklich nur zur Vertiefung gedacht sind. Wieder aus dem Hypertoniebeispiel: zur Patientenmotivation oder wie sich ein Risikoscore en Detail zusmmensetzt.
Ebenso grundsätzlich und gut sind die verschiedenen Darstellungen von adäquaten Medikamentenklassen zur Behandlung (ohen Dosierung!) und die Diagnostik in sehr guter, durchgehend farbiger Bebilderung.
Um das Verständnis des Lesers wirklich zu fördern, findet sich zu Beginn jedes großen Kapitels (s.o.) ein kurzer Exkurs zur Anatomie und Physiologie - zu Beginn jeder Störung dann die Pathophysiologie. Das hat bei mir viele Lichter aus z.B. dem Bereich "Rechtsherzhypertrophie und Lungenerkrankungen" aufgehen lassen.
Nichts desto trotz bleibt es bei den umfassenden knapp 1300 Seiten (der Rest ist Inhaltsverzeichnis und Sachwortregister), die erst einmal zu Kenntnis genommen werden wollen und die entsprechende Zeit brauchen. Wer es also sehr eilig hat, der kann sich hier verlieren.
Wenn man aber ein wenig Zeit und Interesse auch an vertieften Verständnis hat, dann ist man mit dem Basislehrbuch (das ganz sicher mehr als eine solide Basis bildet) extrem gut bedient.
Die mir vorliegeden Studienausgabe ist leider nur broschiert, aber da das Buch ohnehin zu schwer ist, um "in der Tasche" zu verschwinden, kann man es getrost auch länger im Schrank und Schreibtisch haben. Ich persönlich nehme es immer mal wieder raus, wenn mir der Herold zwar die Fakten liefert, aber die sich mangels Verständnisses meinerseits einfach nicht einprägen wollen.