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PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich
 
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PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich [Taschenbuch]

Jürgen Baumert
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 548 Seiten
  • Verlag: Leske + Budrich Verlag; Auflage: 1 (17. Dezember 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3810033448
  • ISBN-13: 978-3810033444
  • Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 16,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 423.271 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
  • Komplettes Inhaltsverzeichnis ansehen

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Für die einen ist PISA ein weiterer Beweis für den bevorstehenden Untergang des deutschen Abendlandes. Andere kritisieren das Testverfahren, das bei diesem bislang umfassendsten internationalen Vergleich von Schülerleistungen natürlich nicht ganz unproblematisch ist, und sprechen der Studie kurzerhand jegliche Aussagekraft ab. Wieder andere meinen erkannt zu haben, dass nur ganz bestimmte Gruppen für das wenig schmeichelhafte Abschneiden der deutschen Schüler verantwortlich sind. Irgendwie haben sie alle Recht -- und liegen mit ihren Schnellschüssen trotzdem meilenweit daneben.

Das Hauptaugenmerk der PISA-Studie richtet sich auf die Lesekompetenz der 15-Jährigen, das heißt, die Fähigkeit, Texten aller Art -- von der Werbebroschüre über den Leitartikel bis zur Arbeitslosenstatistik -- Informationen zu entnehmen, diese dann zu verwerten und zu beurteilen. Da erscheint es einleuchtend, dass sich besonders Kinder von Einwanderern schwer tun. Doch über die Hälfte aus dieser Gruppe gibt an, dass in ihrer Familie vor allem Deutsch gesprochen werde. Fest steht: Wenn ein gutes Fünftel unserer Schüler bereits mit einfachsten Texten überfordert ist, läuft etwas grundlegend falsch. Denn die hier erfassten Basiskompetenzen sind "basale Kulturwerkzeuge", die für "eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben" unerlässlich sind, auch und gerade im Internet-Zeitalter.

Angesichts dieser katastrophalen Diagnose wirkt die Tatsache, dass selbst die lesekompetentesten Deutschen deutlich hinter den Spitzenreitern aus Finnland, Holland und Kanada zurückbleiben, fast schon zweitrangig. Es muss jedenfalls etwas geschehen -- die Frage ist, was. Mehr Vorlesen in der Familie, mehr Lehrer, kleinere Klassen, Ganztagsschulen, mehr Förderkurse? Die Antworten wirken bislang so beliebig wie hilflos. Die Autoren selbst offerieren wohlweislich keine Patentrezepte und warnen vor überhasteten Schlussfolgerungen. Ihr Ziel ist es, eine breite gesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Wer diese vielschichtige und differenzierte Analyse ohne ideologische Scheuklappen liest -- auch eine Art von Lesekompetenz --, wird dabei ein gewichtiges Wort mitreden können. --Patrick Fischer

Kurzbeschreibung

PISA ist die bisher umfassendste internationale Schulleistungsstudie. In drei Wellen werden die Leistungen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erhoben. Einbezogen werden außerdem fachübergreifende Kompetenzen wie zum Beispiel Voraussetzungen selbstregulierten Lernens sowie Aspekte von Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit. Bezugsrahmen ist ein international abgestimmtes Konzept der Grundbildung (Literacy). Im Mittelpunkt steht nicht das Faktenwissen von Schülerinnen und Schülern, sondern es werden Basiskompetenzen analysiert, die in modernen Gesellschaften für eine Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben notwendig sind. Es wird gefragt, inwieweit Jugendliche diese Kompetenzen erworben haben und inwieweit soziale Ungleichheiten im Bildungserfolg bestehen.

Der vorliegende Band stellt die zentralen Befunde der ersten Erhebungswelle aus deutscher Sicht vor. Der Vergleich der Testleistungen deutscher Schülerinnen und Schüler mit den Leistungen von Gleichaltrigen aus 31 weiteren Teilnehmerstaaten ermöglicht nicht nur eine differenzierte Analyse von Stärken und Schwächen des deutschen Bildungssystems. Durch die Einbeziehung der schulischen und außerschulischen Lern- und Lebensbedingungen werden zugleich auch zentrale Informationen für die Interpretation der zum Teil erheblichen Unterschiede zwischen den Teilnehmerstaaten bereitgestellt. Damit erhält die aktuelle bildungspolitische Diskussion eine in ihrer Breite einzigartige empirische Grundlage.


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43 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Das Lesen dieses Buches ist ein absolutes Muß, 14. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (Taschenbuch)
Seriöse Vergleiche des Bildungserfolges in verschiedenen Ländern waren bisher fast unmöglich, da die eingesetzten Meßverfahren von Land zu Land sehr unterschiedlich waren. Seit Dezember 2000 wird in der Öffentlichkeit eine vergleichende Bildungsstudie, die PISA-Studie, lebhaft diskutiert. Erstmals in der Geschichte der Pädagogischen Psychologie wurde in dieser Studie eine länderübergreifende, ja weltweite, Standardisierung der Meßwerte angestrebt. Die Organisatoren der Studie vermieden dabei den Begriff der Allgemeinen Intelligenz bzw. des IQ und richteten ihre Tests auf die Erfassung der Lesekompetenz und der mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundbildung aus.
Von den deutschen Mitarbeitern der internationalen Forschergruppe wurde mit diesem Buch ein erster umfassender Bericht vorgelegt, der den Stand des deutschen Bildungssystems im Vergleich zu anderen Ländern analysiert. Das Buch ist in einer stark technischen Sprache geschrieben, deren Verständnis für wissenschaftlich Ausgebildete nicht schwer sein dürfte, aber auch nicht gerade volksstümlich zu nennen ist. Der aufmerksame Leser wird aber durch eine ganze Reihe von ungewöhnlichen und aufregenden Ergebnissen belohnt, von denen bisher nur ein Teil in der Öffentlichkeit diskutiert worden ist.
Die in Deutschland Einheimischen sind mit Werten um 508 im Lesen (Mittelwert 507), Mathematik (510) und Wissenschaftlichem Verständnis (507) im weltweiten Vergleich (normierter Durchschnittswert der Studie 500) noch guter Durchschnitt, im Vergleich mit den in den unmittelbaren Nachbarländern (z.B. Österreich, Schweiz, Schweden und Belgien Werte um 520) Einheimischen aber eher leicht unterdurchschnittlich, so daß die Alarmglocken in den Kultusministerien mit Recht schrillen. Sehr hohe Werte erreichen die in Australien (um 535), Kanada (536) und Neuseeland (um 540) Einheimischen, deren Bevölkerung ja zum allergrößten Teil auf Einwanderer zurückgeht.
Aber wenn wir noch näher hinsehen, entdecken wir Überraschendes: Deutschland zählt mit einem Zuwandereranteil von 15% praktisch zu den Einwanderungsländern, ebenso die Schweiz mit 21%. Neuseeland hat in dem untersuchten Geburtsjahrgang 1985 20% Einwanderer, Australien 23% und Kanada 21%. In Australien, Neuseeland und Kanada beträgt der Unterschied in Leistungswerten zwischen den Einheimischen und denjenigen, bei denen die Eltern oder sie selbst im Ausland geboren sind, in allen Leistungsbereichen rund 20 Punkte. In Deutschland beträgt dieser Unterschied zwischen Einheimischen und Zuwanderern, die in allen Leistungsbereichen um 420 Punkten liegen, aber rund 90 Punkte! Genau in der gleichen Größenordnung sind die Unterschiede aber auch in Österreich (Zuwandereranteil 10%), in der Schweiz, in Belgien und in Luxemburg.
Die Verfasser des Buches ziehen die richtigen Schlußfolgerunen: Denn was unterscheidet diese mitteleuropäischen Länder von den klassischen Einwanderungsländern Kanada, Australien und Neuseeland? Wie bekannt, betreiben diese letztgenannten drei Länder seit Jahrzehnten eine konsequente Einwanderungspolitik. Ins Land gelassen werden nur qualifizierte Personen, deren Qualifikation im Land gebraucht wird. Ganz anders die Situation in den mitteleuropäischen Ländern: Jahrzehntelang hat man hier billige Arbeitskräfte gesucht, oft für Arbeiten, für die es in Zeiten der Konjunktur zu wenig Einheimische gab oder zu wenige, die sie ausführen wollten.
Die sorgfältige Lektüre dieses Buches ist ein absolutes Muß für jeden, der sich zu Schule und Bildungs- und Sozialpolitik informieren und äußern will.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ..., 25. Juni 2003
Von 
erew-institut "erew-institut" (Viersen, D) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (Taschenbuch)
In PISA wird gleichzeitig gefragt nach den unterschiedlichen Kompetenzbereichen deutscher Schüler: Lesekompetenz, mathematische Kompetenz usw. und die Zusammenhänge zwischen diesen Bereichen untersucht. Dass Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und andere Kompetenzen im Mittelpunkt der Untersuchung standen, hat seinen - wie erwartet - berechtigten Grund. Es ging nicht darum, „rasch veralterndes Wissen abzufragen", sondern um „Schlüsselqualifikationen" im echten Sinne: Lesekompetenz gilt als die Voraussetzung für Lernen in allen Bereichen ebenso für politische und gesellschaftliche Teilhabe, auch (und gerade) im Zeitalter der modernen Kommunikationstechnologien.

Im Leben kommt es nicht nur darauf an, rechnen zu können, sondern auch darum, quantitative Zusammenhänge zu verstehen und mathematische Modelle zur adäquaten Interpretation der Wirklichkeit entwickeln zu können. Diese Fähigkeiten zu beherrschen, sind auch aus meiner Sicht für berufliche Ausbildung auf allen Niveaus von höchster Bedeutung. Da die Ergebnisse nicht nur in Form von „Mittelwerten" vorgestellt werden, sondern auch in Form von Leistungsverteilungen, bekomme ich einen Überblick und einen Einblick in das, was die Leistungsstruktur von pädagogischen Bemühungen der Zielgruppen ausmacht und darstellt. Mir liegen nun die Ergebnisse des internationalen Vergleiches in einem ersten zusammenfassenden Bericht vor. Ich selbst werde auch dafür sorgen, dass eine sorgfältige Analyse der Befunde und eine breite bildungspolitische und bildungspädagogische Diskussion auch im Bereich von Begabungsförderung eingebracht und vollzogen wird. Ich gebe unumwunden zu, dass mich die mir vorliegenden Ergebnisse sehr überraschten. Für mich war und bleibt die unumgängliche Frage bestehen, wie wir zukünftige und schon praktizierende Lehrpersonen dafür gewinnen, dass dieses PISA-Desaster sich nicht wiederholt. Mich überraschen immer noch die ermittelten Leistungs-Ergebnisse auf allen Stufen, aus denen wir Hochschullehrer lernen und hochschuldidaktische Konsequenzen ziehen müssen. Denn letztlich waren alle praktizierenden Lehrpersonen unsere Hoch-Schüler.

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Untersuchungsgegenstand, theoretische Grundlagen und Durchführung der Studie
- Lesekompetenz: Testkonzeption und Ergebnisse
- Mathematische Grundbildung: Testkonzeption und Ergebnisse
- Naturwissenschaftliche Grundbildung: Testkonzeption und Ergebnisse
- Selbstreguliertes Lernen
- Kooperation und Kommunikation
- Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenz
- Lebens- und Lernbedingungen von Jugendlichen
- Stichproben, Ziehung und Stichprobengewichtung

Für die erew BIBLIO-KOM Dr. Karl-J. Kluge

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7 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen PISA - Betrachtungen am Ende der deutschen Debatte, 26. November 2002
Rezension bezieht sich auf: PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich (Taschenbuch)
Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich

Wollte man, gar mit wissenschaftlichem Zeugwerk, in Deutschland Aufruhr und Aufmerksamkeit erreichen, so sollten die Aufrührer tunlichst zwei Dinge nicht unterlassen: es sollte an der direkten Linie von Goethe und Schiller, Bach und Wagner zur kulturellen Disposition der heutigen Zeit kräftig gekratzt werden und überdies müsste erwähnt sein, dass im internationalen Vergleich Deutschland schlecht dasteht.

Warum gerade diese beiden Aspekte, die einen pathologischen Geschichtsdeterminismus mit einem unverdauten nationalen Überlegenheitsgefühl vor dem Hintergrund strikter bildungsbürgerlicher Werte paaren, so grundsätzlich für das deutsche Wesen sind, an dem die Welt genesen soll, kann hier kaum diskutiert werden. Entscheidend aber ist, dass mit der Veröffentlichung der PISA-Studie im Dezember des vergangenen Jahres genau diesen beiden Komplexe tangiert werden. Dazu kommt noch ein wichtiger Moment: Die Urheber der Studie können schwerlich von den wesentlichen Verwaltern des nationalen Selbstverständnisses als Nestbeschmutzer diskreditiert werden. Auch dieser letzte Punkt zu den Rahmenbedingungen erfährt seine Bedeutung aus den langen Debatten um Bildungsformen und Vermittlungswege, wie sie in Deutschland über die Jahre ausgeprägt wurden. Dabei hatte sich die Grundlage der Debatte in den letzten Jahren schon erheblich verschoben - hin zur Meinungsführerschaft von "BILD" und Konrad Adenauer-Stiftung, die wie ein befreiender Ruck ein Ende machten mit den wesentlichen Ansätzen zur Sozialisationsforschung, selbstorganisierten Bildungsmechanismen oder der Überlegung eine Sozialintegration durch Bildung gewährleisten zu wollen. Mit Roman Herzog kam am augenfälligsten eines der Grundtheoreme konservativer Bildungsphilosophie wieder zur Dominanzstellung im Ring des Bildungsdiskurses: das der Begabung.

Damit konnte gleichzeitig sozial segregiert und differenziert werden; im Blickfeld standen wieder Leistungseliten und disziplinierter Gehorsam. Aus den Theoriefragmenten dieser unheiligen Allianz bestand 16 Jahre die Bildungspolitik, die sich nach Willy Brand nur nicht so deutlich zu artikulieren vermochte. Allerdings, ist in den Worten des CDU Bildungsprogramms von 1994 nachzulesen:

"Das Bildungs- beziehungsweise Ausbildungssystem und das Beschäftigungssystem laufen zunehmend auseinander. Auf der einen Seite gibt es immer mehr Abiturienten, die ein wissenschaftliches Studium aufnehmen wollen, ohne dafür geeignet zu sein; auf der anderen Seite nimmt trotz des qualitativ hohen Standards der deutschen Berufsausbildung und guter Beschäftigungsperspektiven für Fachkräfte das Interesse der jungen Menschen an dieser Ausbildung ab. Aus dem Mangel an qualifizierten Fachkräften erwächst eine weitreichende Gefährdung der Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Eine Korrektur der Bildungspolitik zugunsten berufsbezogener Bildung ist unverzichtbar" (CDU-Deutschland 1994).

Hochbegabtenförderung und Ablehnung von Gesamtschulen standen hier schon längst neben einem gezielten Kaputtsparen von Universitäten programmatisch auf dem Plan. Es musste allerdings ein langer Umweg genommen werden bis zum offenen Argument, dass zu viele, die es angeblich nicht verdienten, studierten und Schule überhaupt aus Kopfnoten und Schönschreiben zu bestehen habe. Das Ausmaß der Kapitulation der Sozialdemokratie kann sich gerade anhand der PISA-Debatte aufzeigen lassen, denn eine irgendwie relevante Linke gibt es tatsächlich nicht mehr. Die Debatte über Gesamtschulen wird angstvoll vermieden und ein selbstverständlich sozialdemokratischer Ministerpräsident von NRW führt Studiengebühren zur Haushaltsentlastung ein. Daran lässt sich vielleicht schon ein erster Rückschluss auf die PISA-Studie selbst ziehen - vielmehr aber zeigt dies auch nurmehr, auf welchen Boden die Frucht gefallen ist.

Eine Viertel Million Schüler aus 32 Ländern wurden bei dieser Erhebung befragt, und die wesentliche Messgröße ist dabei schon Ausweis eines neuen Zugangs zum Thema: Lesekompetenz, mathematische Grundbildung und naturwissenschaftliche Grundbildung wurden anhand von Bildungskompetenzitems, Problemlösungsstrategien zu sozialem Hintergrund verschränkt. Dabei war die ursprüngliche Motivation sicherlich diejenige, Bildung mit der Standortlogik zu vermischen - nur geht hier kein zwielichtiges Münchner Wochenmagazin mit höchst fragwürdiger Methodik hin und überprüft, wo die meisten Topmanager zur Schule gingen. Das Konzept von Bildungskompetenz selbst kann auch in emanzipatorische Höhen weitergedacht werden und muss nicht in blanken Bruttosozialwertlisten verglichen werden. Es geht schließlich darum, so betonen die Verfasser im Vorwort, dass bildungstheoretische Optionen bewertet werden sollen, inwiefern also auf der Basis eines spezifischen Bildungssystems das soziale Milieu mit Bildungs- und gesellschaftlichem Erfolg zusammenhängen.

Ein legitimer Vorwurf ist dabei, dass trotz statistisch eindeutiger Aussagen, das Bildungssystem selbst - also in seinem systemischen Aufbau, seiner Qualität der Vermittlung etc. - nicht genauer bewertet wird. Hier müssen die Zahlen für sich sprechen, aber die scheinen eindeutig.

Diese Zahlen belegen: Die deutschen Schulleistungen liegen insgesamt sehr deutlich unterhalb des OECD-Mittels, gleichzeitig weist Deutschland den steilsten Quotienten bei der Verschränkung von sozialem Hintergrund und Bildungschancen auf. Das Entscheidende bei der zusammenfassenden Bewertung ist genau dies mit im Blick zu haben - ein Umstand, den sich ein Großteil der politischen DiskutantInnen zumeist ersparen. Gero Lenhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Max-Planck-Insitut für Bildungsforschung fasst die Ergebnisse der Studie weitgehend zusammen, wenn er formuliert: "Die leistungsstarken Schüler sind in der Bundesrepublik so tüchtig wie die leistungsstarken im Durchschnitt aller Länder, jedoch sind die schwachen besonders schwach und besonders zahlreich. [...] Dabei ergibt sich: Das schlechte Resultat geht auf vordemokratische Bildungsorientierungen zurück, die in der Bundesrepublik wirksamer geblieben sind als in den anderen westlichen Demokratien."

Nun kann mit Recht eingewendet werden, dass in Berlin ja auch ein Barockschloss auf öffentlichen Druck naturgetreu wieder aufgebaut werden soll, da macht sich ein barockes Bildungssystem recht gut - vor genau diesem Zynismus allerdings muss eine Betrachtung der Debatte verharren. Wenn Baden-Württembergs Kultusministern Anette Schavan als Ergebnis der Studie einen Ausbau der Hochbegabtenförderung, Guido Westerwelle eine Abschaffung der Kultusministerkonferenz und Gerhard Schröder den flächendeckenden Zentralismus einer ständigen Leistungsüberprüfung fordern darf, so kann heilen Verstandes nicht von einem gleichen und rationalen Zugang zur Debatte gesprochen werden. Die Szenerie erinnert tatsächlich an die Arglosigkeit einer selbstverordneten Beruhigung: im besten Wissen den Schlüssel im Park verloren zu haben, suchen trotzdem alle vor ihrer eigenen Laterne - dort ist es eben heller. Wäre das Thema nicht so ernst, ein Lachen im Publikum könnte entstehen.

Die zahlreichen Delegationen sind aus Finnland zurück und haben sich darüber gewundert, dass in den Gesamtschulen des Landes lustig zusammen gelernt wird, während in Deutschland der preußische Ernst permanenten Selektionsdrucks herrscht. Hier reden sich Lehrer und Schüler mit dem Vornamen an und ein Ziel ist, Sozialkompetenz zu lernen, in dem in einem Fach Schwächere von Stärkeren integriert werden. In Deutschland dominiert dagegen ein striktes gegeneinander, die Leistungsschwächsten sind ein beliebtes Opfer der Gewalt angeblich Besserer. Aus Selektivität wird Diskriminierung, wenn festgestellt werden kann, dass Kindern mit dem Sozialhintergrund der Migranten strukturell der Zugang zur Gesellschaft verhindert wird. Gleichzeitig haben zumeist sozialdemokratische Lokalpolitiker nichts Besseres vor, als Lehrerstellen mit Einstellungsstopps zu versehen, Sprachintegrationsprogramme im vorschulischen Bereichen wegzukürzen und den angeblichen "faulen Säcken" Extraaufgaben am Ende der Sommerferien aufzubürden.

Es scheint so, als besäßen die Deutschen ein heilsames Talent die Konsequenzen von Debatten recht schnell recht tief im Erdreich des Vergessens zu vergraben und konkrete Lösungsvorschläge möglichst zu zerredenwenigstens sind "wir"

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