Seien wir ehrlich: Streng genommen braucht dieses Buch wahrscheinlich kein Mensch. Jemand, der sich in der Materie auskennt, wird die meisten erwähnten Alben kennen, und die meisten anderen sind in aller Regel nicht an einer derartigen Stilvielfalt, die Pop nun mal ausmacht, interessiert.
Folglich kaufen sich viele Leute, mich eingeschlossen, das Buch in erster Linie, weil es interessant ist, inwiefern sich die eigene Meinung mit dem aufgeführten Material deckt, um entsprechendes Kopfnicken oder -schütteln folgen zu lassen. Manche mögen sich über dieses Buch (und das Weglassen oder Einschließen von bestimmten Alben) sogar wahnsinnig aufregen, aber auch diese Leser haben auf ihre Weise wahrscheinlich ihren Spaß.
Natürlich ist das Unterfangen auch nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich - wie will man 50 Jahre Popgeschichte objektiv auf 100 Alben reduzieren? Immerhin gelingt es Uwe Schütte zum Teil, ich würde tatsächlich sagen, daß 95% der erwähnten Alben zumindest zur absoluten Oberklasse gehören. Allerdings gehöre ich auch der gleichen Generation wie der Autor an, und hier liegt das Problem: Unter einer "Basisdiskothek" verstehe ich die Alben, welche entweder besonders wichtig für die (Weiter-)Entwicklung eines Musikstils sind oder aber die, die auf besonders charakteristische Weise einen bestimmten Status Quo in der Musikgeschichte repräsentieren - möglich wäre auch einen Mix aus diesen beiden. In keinem Fall aber sollten Alben auftauchen, die einem möglicherweise besonders gefallen haben, oder noch schlimmer, die *vielen* möglicherweise besonders gefallen haben, und die daher vielleicht aus "Höflichkeit" ihren Weg in dieses Buch gefunden haben. Ohne auf konkrete Beispiele einzugehen: Genau diesen Eindruck habe ich leider. Und bezogen auf die erwähnte Generation: Eindeutig ist dies die Auswahl eines Menschen, dessen musikalisches Verständnis sich in den 70ern/80ern entwickelt hat. Das ist alles grundsätzlich OK, sollte aber erwähnt werden.
Die Beschreibung der ausgewählten Alben und Künstler ist bis auf ein, zwei Fehler absolut kompetent, bietet aber dem Kenner nicht wirklich etwas Neues - allenthalben weckt es Erinnerungen. Auf der anderen Seite ist aber alles in einem äußerst unterhaltsamen und flottem Stil geschrieben - sollte wirklich jemand das Buch in die Hände bekommen, dem die erwähnten Alben unbekannt sind und der seinen musikalischen Horizont erweitern will, so wird er es mit diesem Buch definitiv schaffen.
Warum nun fünf Sterne? Sehr einfach - für diesen Preis bietet das Buch eine angemessene und kompetente Lektüre, die sich jeder Interessierte zulegen sollte. Ich selbst habe definitiv meinen Spaß damit gehabt, und darauf kommt es ja schlussendlich an.