Das Buch hat eigentlich nur einen großen Vorzug, nämlich seinen Preis, und in dieser Hinsicht ist es natürlich ohne Konkurrenz. Wahrscheinlich war das auch die Kalkulation des Verlages, denn inhaltlich ist es grob mangelhaft geraten. Der niedrige Preis macht das Büchlein insbesondere jungen Leuten zugänglich, die so mal in den Jazz jenseits von Norah Jones oder Kenny G. hineinschnuppern können, zumal ihnen die gelben Heftchen aus dem Schulunterricht ja hinlänglich vertraut sind (hoffentlich nicht abschreckend?!). Hier aber sehe ich gleichzeitig eine nicht zu unterschätzende Gefahr verborgen: Dombrowskis oft befremdliche Auswahl bzw. Schwerpunktsetzung lässt Hörer, die gerade dabei sind, zuerst das eine, dann das andere Ohr über die Schwelle zum Jazz zu setzen, dessen Geschichte und Dimensionen in einem stark verzerrten Maßstab wahrnehmen.
Oftmals wird das allererste Jazzbuch, das man als Adoleszenter von seinem Taschengeld kauft, ja nicht nur zu einem langjährigen Begleiter, es bestimmt zudem maßgeblich das Bild, das man sich von der Musik macht, die "Perauditive" sozusagen. Wir alle haben, abhängig von Alter und Nationalität, unsere Lehrmeister, ob sie Blesh, Feather, Polillo oder Berendt heißen. Alle diese Klassiker haben neben ihren zahlreichen Vorzügen gewiss auch ihre Mängel und Engstirnigkeiten, im letztgenannten Fall liegt der Makel eher in einem Zuviel an Weitstirnigkeit. Der Dombrowski, der etwa den gesamten Jazz vor 1945 mit gerade mal 3 (drei!) Alben (Mortons Red Hot Peppers, Armstrongs Hot Five, Goodmans Carnegie Hall Concert) abtut, in dieser Hinsicht sozusagen ein "Anti-Burns", kann nur unter Vorbehalt empfohlen werden. Missionare in Sachen Jazz, die interessierten jungen Leuten dieses gelbe Büchlein zum Geschenk machen wollen, damit sie der Wüstenei der Popmusik entfliehen können, sei deshalb empfohlen, dass sie gleichzeitig eine selbst zusammengestellte Sampler-CD beilegen, auf der sie das verzerrte Bild, das Dombrowski liefert, wieder eingermaßen zurechtrücken. Den zweiten Stern gibt's für den Preis, den dritten dafür, dass das Buch so gut in die Jackentasche passt, dass man es leicht in den Plattenladen mitnehmen kann. Dort soll man es dem fachkundigen Verkäufer (ungefähr so selten wie das Java-Nashorn) mit der Bitte zeigen, man hätte gerne etwas, das hier nicht drinsteht.