Auf der Rückfahrt von seiner Bretagne- und Normandie-Reise im August 2011 entschloss sich timediver®, in der zur Pariser Banlieue gehörenden Stadt Saint-Denis Station zu machen, um der dortigen Basilique Saint Denis einen ausgiebigen Besuch abzustatten.
Die im Jahre 1966 zur Kathedrale des Bistums Saint-Denis erhobene ehemalige Abteikirche und Basilica minor diente seit 564 n. Chr. den fränkischen Königen als Grablege. Mit dem Tode von Hugo Capet am 24. Oktober 996 bis 1830 wurden dann fast alle französischen Könige und auch viele Königinnen hier beerdigt. Nachdem es 1793 im Zuge der Französischen Revolution zu Plünderungen der Gräber und schweren Beschädigungen der Skulpturen gekommen war, wurde die Kirche 1862 als "Monument historique" klassifiziert. Sie ist von wichtiger kunsthistorischer Bedeutung, da ihr 1140 begonnener Chor die ersten spitzbogigen Kreuzrippengewölbe vorweisen kann, die Saint-Denis den Ruf als "Wiege der Gotik" verliehen.
Vor dem Betreten dieses geschichtsträchtigen und sakralen Kulturdenkmals hielt ich nach einem entsprechenden Reiseführer aus der Reihe "Itinéraires" aus den Éditions du Patrimoine Ausschau, die vom Centre des Monuments Nationaux in Paris herausgegeben wird. Eine deutsche Ausgabe für "La Basilique de Saint Denis" gab es jedoch nicht, so dass ich mich zum Kauf der "Version anglaise" entschied.
Die ersten 20 Seiten des im August 2009 erschienenen Neudrucks befassen sich mit der wechselvollen Geschichte des Gotteshauses und der angegliederten Abtei die mit dem französischen Nationalheiligen Dionysius von Paris, der um das Jahr 250 als Missionar im römischen Lutetia (Paris) der Märtyrertod erlitten habe, beginnt. Angeblich habe sich Denis, so sein französischer Name, sein auf dem Richtplatz am Montmartre abgeschlagenes Haupt aufgenommen, in einer nahegelegenen Quelle gewaschen und in seinen Händen weggetragen, bis er die Stelle erreichte, an der er begraben werden wollte. Vier Jahrhunderte später ließ der fränkische König Dagobert I. die nach dem Heiligen benannte Abtei mit der Basilika errichten. Weitere Kapitel erzählen die mittelalterliche (Bau)Geschichte sowie die Ereignisse vom Hundertjährigen Krieg bis zum Ende des Ancien Régime und schließlich von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart. Dieser Teil des Reiseführers ist reichlich mit Zeichnungen, Fotos und anderen Abbildungen ausgestattet.
Die nachfolgenden Zeiten sind ausschließlich der "königlichen Nekropole" gewidmet. Von denen bereits in der vorderen Deckklappe in einem Grundriss der Kathedrale und ihrer Krypta lokalisierten und nummerierten Grabmäler und Epitaphien werden die wichtigsten fotografisch abgebildet und näher beschrieben. Auf jeder zweiten Seite findet man hierzu erneut jeweils einen Liegeplan in den die besprochenen Nummern eingezeichnet wurden. Neben professionellen Aufnahmen, die mit einer einfachen Digitalkamera nicht möglich sind, werden hierbei auch zahlreiche Anregungen zum Ablichten besonderer Details geboten.
Die Kathedrale von Saint-Denis ist alleine aufgrund der Anzahl ihrer Grabmäler von gekrönten Häuptern und deren Familienangehörigen einzigartig. Mit der Kapuzinergruft in Wien (Habsburger), dem Pantheon der Könige im Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial (Spanien), der Roskilde Domkirke (Dänemark), der Westminster Abbey (England) und dem Archangel'skij sobor im Kreml (Russland) hat timediver® bereits Grablegungsorte anderer europäischer Dynastien besichtigen können, von denen sich jedoch keine mit Saint-Denis vergleichen lässt. Auch gibt es für diese anderen Akkumulationen von Grabstätten keinen solchen systematischen Reiseführer, der nicht nur bei der Besichtigung, sondern auch bei einer Nachbereitung des Besuches und der eigenen Fotos wertvolle Hilfe leisten kann.
Der einzigartiger Reiseführer für eine einzigartige Stätte verdient eine Bewertung mit 5 Amazonsternen.