Eine meiner lebhaftesten Kindheitserinnerungen ist es wie ich mit Bus. Straßenbahn und noch mal Bus durchs halbe herbstliche Wien fahre um zu einem kleinen Kino in der Nähe von Schloss Schönbrunn zu gelangen, das als einziges noch „Basil, der große Mäusedetektiv" spielte um ihn mir zum wiederholten Male anzusehen. Also ich bin voreingenommen. Ich liebte diesen Film. Und tu es immer noch.
Natürlich ist er nicht so bekannt (und war auch bei weiten nicht so erfolgreich) wie „Arielle". "Aladin" ,"Schöne und das Biest" oder gar der "König der Löwen" diesen unwerfend guten Disneyklassikern mit grandioser Musikbegleitung und tollen Songs (all die aufgezählten Filme haben jeweils den Oskar für besten Song UND beste Filmmusik gewonnen!) aber verstecken muss er sich nicht.
„Basil..." zeigt noch mal was Zeichentrickfilm wirklich gut kann, nämlich Objekte und Geschehnisse darzustellen die im Film nicht oder sehr schwierig zu bewerkstelligen wären. Ich will Werken der Disneystudios wie „Mulan" , „Pocahontas" oder gar „Der Glöckner von Notre Dame" wirklich nicht zu nahe treten, aber, und die Besucherzahlen bewiesen es auch, das sind doch eher Themen für das „reale" Hollywood.
Aber wenn man das Buch „Basil of bakerstreet" von Paul Galdone verfilmen möchte in dem Mäuse in einem ähnlichen Gesellschaftssystem leben wie die Menschen und es eine ausgereifte Kleinnagetierinfrastruktur gibt mit Gasthäusern , Spelunken und Palästen, wo es Nahforschungen und Schlägereien in den Abwasserkanäle von London und eine Verfolgungsjagd mit Minizeppelin und Luftballonen vorbei an der Nelsonstatue am Trafalgar square direkt zum Showdown im Uhrwerk von Big Ben gibt, kann man nur auf den Zeichentrickfilm zurückgreifen um diese zauberhafte und spannende Geschichte zum Leben zu erwecken.
Die Handlung ist allerliebst, eine Sherlock Holmesvariation in der Mäusewelt, die allerdings den kleineren Zuschauern (vor allen Greifer, der Sidekick des Oberschurken Rattenzahn ist stellenweise gruselig) schon mal Angst einjagen kann. Die Musik von Henry Mancini ist mal wieder großartig und in der deutschen Synchronfassung agieren so bekannte und beliebte Sprecher wie Edgar Ott, Harry Wüstenhagen und Friedrich Schönfelder in den Hauptrollen.
Wer allerdings gut Englisch kann sollte unbedingt die Originalfassung auch ansehen. In der Rolle des Bösewichts Ratigan kann nämlich Vincent Price, unser aller Lieblingsbösewicht aus Filmen wie „Dr. Phibes", „Theater of blood" und „House of wax" mächtigst auftrumpfen!! Mr. Price hatte offensichtlich viel Spaß an dieser Rolle, man sieht es im Making of- auf der DVD und merkt es an der brillianten Gestaltung seiner Figur. Sein Ratigan ist sehr wohl seinen anderen großen Filmrollen an Charisma, Intellekt aber auch hinterhältigen Schleimigkeit und tolldreisten Wahnsinn gleichbürtig.
Höhepunkt für Pricefans sind sicherlich die zwei Songs die Professor Ratigan abzuliefern hat. Natürlich kann man von Vincent Price keinen Wagnertenor oder Verdibariton erwarten, aber er hat eine der angenehmsten Stimmen aller Zeiten und er sprechsingt sich mit viel Freude und Humor durch die Lieder „The worlds greatest criminal mind" und „Good bye so soon" !
Alles in allen ein gelungener Film für Disneyfans, Zeichentrickfans, Sherlock Holmesfans, natürlich auch Vincent Pricefans und Mäusefans!