In vier Kapiteln (1. In der neuen Schule; 2. Im eigenen Fachbereich; 3. Zum ersten Mal Klassenlehrer; 4. Die eigene Organisation) geht Holger Mittelstädt, selbst Lehrer und Schulleiter, auf Probleme und Fettnäpfchen im Schulalltag ein, um so jungen Lehrer beim 'optimalen Einstieg in den Arbeitsplatz Schule' zu helfen. Der gute Wille hierzu ist zu erkennen, aber häufig meint es der Autor wohl zu gut mit den Junglehrern und präsentiert Hinweise und Tipps, die absolut selbstverständlich und für einen Menschen, der vor seinen Handlungen zumindest etwas nachdenkt und basale Umgangsformen beherrscht' und das sollte selbst von Lehrern zu erwarten sein - daher keinen neuen Erkenntniswert haben.
So sind Hinweise wie der Rat bei Konflikten mit einem Kollegen zunächst das Gespräch mit diesem zu suchen und nicht gleich beim Schulleier Sturm zu laufen, oder der Tipp auf ein gepflegtes Äußeres zu achten eine Selbstverständlichkeit. Ebenso sollte es selbstverständlich sein, dass sich ein engagierter Lehrer vor dem Antritt seiner ersten Stelle über die Schule informiert, in der er täglich unterrichten wird. Auch der gut gemeinte Tipp bei der Suche nach Informationen zur Schule google zu Rate zu ziehen wirkt da eher unfreiwillig komisch.
Dennoch gibt es auch einige Aspekte, die dem Buch zu Gute zu halten sind. So sind manche Selbstverständlichkeiten vielleicht derart selbstverständlich, dass man schlicht vergisst auf sie zu achten. Daher kann es nicht schaden auf manches, das es zu beachten gibt, hingewiesen zu werden (Wo ist der Erste-Hilfe-Raum, welche Regeln gelten in der Pause, etc.). Gut sind auch die Anregungen zur systematischen Archivierung von Unterrichtsmaterialien oder die Hinweise auf die Wahl der Krankenversicherung und der lohnenswerten Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft.
Positiv hervorzuheben ist aber vor allem das dritte Kapitel, in dem sich der Autor auf gut 50 Seiten mit dem Thema 'Zum ersten Mal Klassenlehrer' auseinandersetzt. Denn hier erwarten den Junglehrer tatsächlich zahlreiche neue Situationen und Probleme, auf die dieses Kapitel vorbereiten will, was sicherlich wesentlich relevanter ist als Feststellungen wie
'In der Regel sind Sekretärinnen sehr bemüht und umgänglich. Aber auch hier gilt: Kommen Sie der Schulsekretärin entgegen, entweder mit der rechtzeitig abgegebenen Zensurenliste, oder mit der Schachtel Pralinen, ganz wie Sie wollen. Dann wird sie Ihnen auch entgegenkommen.' (S. 41).
Einige Checklisten sind zudem wirklich hilfreich, so etwa für die Vorbereitung von Elterngesprächen, eine Übersicht über die Aufgabenverteilung im Fachbereich, Beurteilung von Referaten etc..
Ich kaufte mir das Buch, um mich auf das anstehende Referendariat vorzubereiten. Zwar richtet sich das Buch in erster Linie an Lehrer, die ihre erste Stelle an einer für sie unbekannten Schule antreten, behandelt aber insbesondere Problemfelder, die ' mit Ausnahme der Klassenlehrer-Fragen auch bereits während des Referendariats relevant sind. Wenngleich ich ,Schule' bis dato nur aus meiner eigenen Zeit als Schüler, in kurzen Praktika und darüber hinaus nur theoretisch und wenig praxisnah an der Uni erfahren habe, bringt dieses Buch leider wenig Erhellendes.