Als "Basic Instinct" 1992 ins Kino kam, war der Film geradezu ein Skandal, provozierte die Massen und führte zu hitzigen Diskussionen beim Publikum und bei seinen Gegnern. Nie zuvor wurde im Mainstreamkino dermaßen deutlich über Sex u. Sexpraktiken gesprochen und dann auch noch mit bekannten Schauspielern umgesetzt. Für Sharon Stone bedeutete der Film ebenso den Durchbruch wie für Regisseur Paul Verhoeven und Drehbuchautor Joe Eszterhas. Vermutlich wäre der Film gar nicht zu so extremen Ruhm gelangt, wenn nicht bereits während des Drehs alle nur denkbaren Vereinigungen gegen ihn Sturm gelaufen wären und versucht hätten, den Dreh zu sabotieren. So aber war der Film schon lange vor seiner Veröffentlichung weitgehend in aller Munde. Eine effektivere PR hätte man sich nicht wünschen können.
Nach diversen Drehbuchversionen und Gerichtsprozessen wurde der Film erst 2006 fortgesetzt - und er floppte weltweit.
Einerseits bietet der Film eine erneut überzeugende Sharon Stone, die es schafft jeden der Protagonisten in ihrem Sinne zu manipulieren. Andererseits weiß auch der Zuschauer bald nicht mehr so Recht, was nun wahr ist und was eine gut verkaufte Geschichte. Der Film wird so "aufgelöst", dass man (wie schon nach Teil 1) übers Ende diskutieren könnte und mindestens 3 verschiedene Meinungen darüber erhält, wer nun was getan hat. In so weit hat man eigentlich einen guten Film gemacht, der durchaus ansehnlich ist.
Aber es gibt jedoch eine ganze Menge Punkte, die einfach nicht stimmen:
Optisch wurde der Film ständig in kalten Farben gehalten, was eine zu sterile Atmosphäre schafft. Für Erotik und Gewalt beinahe ungeeignet. Dazu hat man mit London eine Location gewählt, die einfach keinen Sinn ergibt.
Die Rolle des Psychologen Michael Glass (David Morrissey) ist in sich nicht logisch. Zuerst analysiert und interpretiert er den Charakter von Catherine Tramell fachlich korrekt und bezeugt das auch öffentlich vor Gericht. Und dann fällt er selber genau darauf herein, obwohl er weiß oder ahnt, was kommen muss?! Das ergibt keinen Sinn.
Mit David Morrissey als Psychologen und David Thewlis als Polizist Roy Washburn ist der Film schlicht und einfach krass fehlbesetzt! Die beiden sind dem breiten Publikum zu unbekannt, sind zu arm an Ausstrahlung und bieten keinen adäquaten Gegenpol zur starken Präsenz von Sharon Stone. Es fehlt an mindestens einem starken männlichen Darsteller, wie es zuvor Michael Douglas war. Morrissay ist regelrecht zu blass und wirkt wie ein 25-jähriger (zudem hat Morrissey auch noch die meisten Szenen im gesamten Film!). Thewlis sieht mit seinem peinlichen Schnauzbärtchen so unglaublich unterbelichtet aus, dass man ihm die Rolle als Topermittler nie abnimmt. Sympathien kann man für keinen der beiden aufbringen.
Darüber hinaus hat man mit Michael Caton-Jones einen Regisseur gewählt, der mit dieser Art Film zu wenig Erfahrung hat und der "Basic Instinct 2" folglich zu "harmlos" inszeniert.
Das Hauptproblem ist aber, dass der Film mindestens 10 Jahre zu spät ins Kino kommt! Nicht weil Sharon Stone dadurch älter geworden ist (die 47 Jahre sieht man ihr nie an), sondern weil selbst die Darstellung von "Basic Instinct 1" heute keinen mehr wirklich so wie damals schockieren/provozieren würde. Und normalerweise erwartet man in einem zweiten Teil zumindest einen ebenbürtigen Film. Aber im Sequel ist einfach alles was den ersten Teil so besonders machte und zu starken Reaktionen beim Publikum führte, in Menge und in der Deutlichkeit reduziert worden. Dabei wirken besonders die Sexszenen im Vergleich zum Vorgänger geradezu bieder. Die prickelnde Erotik aus dem ersten Teil bleibt gleich völlig auf der Strecke.
Fazit: Wirklich überzeugen kann nur Sharon Stone in ihrer Rolle. Der Plot ist stellenweise gut gelungen - besonders gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse. Die Darstellung ist insgesamt jedoch nicht mehr zeitgemäß und die männlichen Darsteller sind reihenweise fehlbesetzt. Schade eigentlich, denn da hätte man mehr draus machen können bzw. müssen. Zeit genug hatte man ja...