Bathleby ist Kopist in einer Notariatskanzlei. Zunächs erbringt er widersprichslos die von ihm erbrachte stupide Arbeitsleistung. Dann auf einmal die leise aber konsequente Verweigerung mit den unpretiösen Worten: "Ich möchte lieber nicht". Der völlig konsternierte Notar zieht alle Register, um Bathleby zum Arbeiten zu bewegen. Ohne Erfolg. Aber Barthleby Verweigerung bezieht sich nicht nur auf seine Arbeit, sondern ist quasi eine Totalverweigerung. Er möchte lieber nicht und zwar gar nicht mehr, weder eine Abfindung von seinem durchaus nicht hartherzigen Chef, noch eine andere Anstellung, die ihm sein Chef anbietet. Das Einzige, was er noch vom Leben einfordert ist die völlige Freiheit, selbst zu entscheiden. Diese Entscheidung ist, nichts mehr zu wollen und bedeutet schließlich den Tod. Diese Freiheit steht in völligem Gegensatz zur heutigen Entmündigung des Bürgers, die manchmal soweit geht, dass ihm die Freiheit genommen wird in Würde zu sterben.
Über die Motive Bathlebys so zu handeln, sagt Melville nichts. Wahrscheinlich gibt es keine.
Eine, neben Billy Budd, der besten der großartigen Kurzgeschichten Melvilles.
Berührend, aber auch manchmal humorvoll und so aktuell, wie im Jahr der Entstehung 1853.