Ein Gemälde. Unübertroffen in seiner barocken Übertreibung, farblichen Pracht und Stilisierung. Schelmenstück und Tragödie zugleich, pendelnd zwischen edler Erhabenheit und ironischer Distanz. Erzählt wird die Geschichte von Redmond Barry, einem irischen Landadeligen des 18. Jahrhunderts, der einen angesehenen Platz in der Gesellschaft sucht. Ein Simplicissimus und absurder Held, dem durch die Wirren des Siebenjährigen Krieges jede Art romantischer Vorstellungen brutal genommen und dessen Entwicklung zum Spieler, Betrüger, Hochstapler und Opportunisten gezeigt wird. Einer der Höhepunkte in Kubricks Kunstkino: die Verführung der Countess von Lyndon. Ein Spieltisch, Kerzenschein, verstohlene Blicke. Die Kamera gleitet hinaus, ein Ballett der Anziehung untermalt vom Andante aus Schuberts Es-Dur Trio, der Kulminationspunkt: ein Kuss. Der zweite Akt dann eine Chronik des Niedergangs. Der gegen sein Schicksal Ankämpfende wird trotz seiner Fehler zum Menschen. Ob tragischer Held oder nicht spielt letztendlich keine Rolle, nimmt man den Epilog ernst.