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Produktinformation
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Zwischen Niger-Erforschung und der verzweifelten Suche nach der Nordwestpassage fragt man sich als Leser, wie viele Monate der Autor wohl in dämmerigen Archiven und Bibliothekssälen zugange war, um Abertausende von Schiffsjournalen, Briefen, Tagebüchern und Aufzeichnungen nach lesenswertem Material durchzuforsten: Es müssen etliche gewesen sein, denn Fleming geht mit unverschämter Genauigkeit zur Sache, wobei er nicht nur individuelle und politische Beziehungen beleuchtet, sondern die Ereignisse auch in das beginnende Zeitalter der Industrialisierung und somit in einen globalen Kontext einordnet.
Alles in allem ist Barrow's Boys eher Erzählung (zuweilen richtig britisch-humorvoll) denn Biografie, wenngleich alle 28 Anekdoten mit Barrow, dem Zweiten Sekretär der Englischen Admiralität, verknüpft sind. Das Faszinierende an diesem ehemals mächtigsten Mann der Royal Navy besteht darin, dass er zwar Dutzende halsbrecherischer Expeditionen veranlasste, aber selbst so gut wie nie bei den bisweilen lebensgefährlichen Unternehmungen dabei war.
Ist der Vater der Entdeckungsreisen also ein Schreibtischtäter? Wenn man so will, ja. Doch gleichzeitig war Barrow auch Visionär, wenn auch einer der besonderen Art. Denn seine Visionen finden sich irgendwo zwischen surrealer Romantik, großen Hoffnungen und bodenloser Dummheit. Oder wie nennt man das, wenn Mitglieder des Expeditionsteams scharenweise erfrieren, ertrinken, von Skorbut, Schwarz- oder Gelbfieber dahingerafft und ermordet werden -- oder sie sich völlig verzweifelt gegenseitig vor Hunger aufzufressen beginnen? Und derjenige, der alles verantwortet, plant gerade ein noch waghalsigeres Unternehmen. --Leon Heissik -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Das, was so reißerisch klingt, wirkt in diesem Buch ganz anders. Fergus schreibt ganz und gar nicht sensationsheischend und mit großer Sympathie für Barrow's Boys. Faszinierend ist oft die Naivität, mit der sich die Jungs (viele der Entdecker waren noch keine dreißig) auf groteske Abenteuer eingelassen haben - und der unglaubliche Durchhaltewille, mit dem sie es (manchmal) dann doch wieder nach Hause geschafft haben. Fleming schreibt mit Leichtigkeit, viel Humor, aber immer mit Respekt. Man kann sich förmlich reinschrauben in dieses Buch, es ist großartig zu lesen.
Manchmal bin ich etwas an meinen mangelhaften Geografiekenntnissen gescheitert, aber vorne im Buch gibt es ein paar Karten, anhand derer man die Fahrten nachvollziehen kann. So taucht man ein, in eine Zeit, in der es noch weiße Flecken auf der Landkarte gab - und in der ein Mann noch ein Mann war. Ich bin übrigens keiner - und habe das Buch trotzdem sehr genossen. Also: keine Scheu vor zuviel Gruselgeschichten ...
Gegliedert ist das Buch in mehrere Kapitel, die jeweils eine Erkundungsfahrt zum Thema haben (manchmal ist eine Fahrt auch in mehrere Kapitel aufgeteilt). Die meisten Kapitel bewegen sich im Raum des Nordpols und Westafrikas. Einzelne Seefahrer wie James Ross oder John Franklin tauchen immer wieder auf und könnten somit zu den Hauptfiguren gezählt werden. Barrow selber wird über das ganze Buch hinweg großartig und manchmal sehr sarkastisch, aber immer respektvoll, charakterisiert, doch "Barrow's Boys" ist keineswegs als Biographie zu verstehen. Es ist eher ein Abenteuerbuch, eine Würdigung jener Männer, die die Erde am Ende einer großen Epoche der Schifffahrt bereist und teilweise entschleiert haben, und ihres Auftraggebers, der leider zu oft den Blick auf die Realität verlor und an seiner Engstirnigkeit scheiterte.
Auch auf die Epoche selber wird mehrfach eingegangen - die Zeit der großen Segelschiffe neigte sich ihrem Ende entgegen und das Dampfschiff erblickte die Meere der Welt. Wie unterschiedlich die Seefahrer auf diese moderne Entwicklung reagiert haben, ist sehr interessant. Manchmal wird das Lesen etwas schwierig, da die Kapitel stellenweise nicht viel Neues zu bieten haben (vor allem die Suche nach der Nordwestpassage ist immer wieder Thema), alles in allem lässt es sich aber sehr flüssig und spannend lesen, bringt einen auch manchmal zum Schmunzeln, und lässt einen den Hauch des Abenteuers einer vergangenen Zeit förmlich spüren, ohne dabei in Klischees oder romantische Vorstellungen abzugleiten. Fergus Fleming hat hervorragend recherchiert und in diesem Buch ein Kapitel der Seefahrts- und Entdeckergeschichte unterhaltsam in Worte gekleidet. Sehr gefreut haben mich auch die Karten auf den ersten Seiten, die die Routen der wichtigsten Barrow'schen Entdecker nachzeichnen, und die letzten Seiten, auf denen das weitere Leben und Wirken der im Buch vorkommenden Personen kurz umrissen werden.
Empfehlenswert für alle Freunde der Seefahrt und historischer Abenteuerbücher.
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