Zwei weibliche Stars hat diese ganz besondere Aufnahme: zum einen die Titelheldin Arianna, zum anderen die "göttliche" Emma Kirkby, deren Soloauftritte fast die Hälfte der Spieldauer der CD ausmachen.
Claudio Monteverdis Oper "Arianna" ist leider verloren gegangen. Auf uns überkommen sind jedoch drei Versionen der zentralen Klage der Arianna, die damals die Zuhörer zu Tränen bewegte und die Operngeschichte wie kein zweites Stück geprägt hat. Neben der ursprünglichen Solo-Version gibt es eine 5stimmige Madrigalversion sowie eine umgedichtete geistliche Version für Solostimme und Orgel. Auf dieser CD sind alle drei Versionen in exemplarischen Interpretationen zu hören, ergänzt durch Weiterverarbeitungen weniger bekannter italienischer Komponisten des 17. Jahrhunderts: Bonini, Costa und Il Verso. Die Eigenarten der einzelnen Stücke werden in Anthony Rooleys informativem Begleittext erläutert. Üblicher Wermutstropfen der Reihe "Baroque Esprit": Die gesungenen Texte werden nicht abgedruckt, so dass dem Hörer ein wirklich verstehendes Nachvollziehen dieser herrlichen, das barocke Gefühlswelt beschwörenden Gesangsstücke verwehrt bleibt.
Emma Kirkby ist als Solistin hier wie auch sonst unübertrefflich, wobei anzumerken ist, dass sie bewusst eine schlichte "Alte-Musik-Stimme" ohne allzu viel Vibrato pflegt, etwas, was heute schon wieder aus der Mode kommt, damals jedoch (die Aufnahme entstand 1983/1984) in Originalklangkreisen gewissermaßen das Non plus ultra war. Begleitet wird sie sehr einfühlsam von ihrem Ehemann Anthony Rooley an der Chitarrone, beim Pianto della Madonna von Timothy Roberts an der Orgel. Boninis halbstündiges Lamento d'Arianna in stile recitativo enthält Soloabschnitte und Dialoge und wird, klanglich überzeugend, von Alan Wilson am Cembalo begleitet. Die beiden 5stimmigen Madrigalstücke werden vom Consort of Musicke a capella vorgetragen, und mir fehlen die Worte, um die Schönheit und das Harmonisieren dieser wunderbaren Stimmen auszudrücken - kein Wunder, dass das Consort of Musicke einen so hervorragenden Ruf genießt. Auch Evelyn Tubb, die mir als Solosängerin nicht unbedingt behagt, klingt im Ensemble absolut souverän und "richtig".
Insofern handelt es sich hier um eine Ausnahmeplatte, die kein Freund der Monteverdi-Ära verpassen sollte. Wären die Texte beigefügt, wäre man hier fast im siebten Himmel, zumal die Aufnahme- und Fertigungsqualität keine Wünsche unerfüllt lässt.