Ich kann mich noch erinnern, wie sehr sich mein Onkel Anfang der 60er Jahre über seinen ersten Pkw freute, einen NSU Prinz, der ihm damals treue Dienste leistete und den Traum von Mobilität zur Wirklichkeit werden ließ. Würde man ihm allerdings den gleichen Wagen heute anbieten, so würde er vermutlich mit der Nase rümpfen: Nicht weil der "Prinz" schlechter geworden wäre, sondern weil die Konkurrenz mittlerweile unendlich viel besser geworden ist und seine Erwartungen um so höher gestiegen sind. Ähnlich geht es mir mit dieser CD. Rameaus Dardanus-Suite nahm das noch junge Collegium Aureum 1964 im Cedernsaal von Schloss Kirchheim zum 200. Todesjahr des Komponisten auf, die "Indes Galantes" folgten drei Jahre später. Diese Einspielungen waren damals fast revolutionär, denn wer spielte schon französische Barockmusik, geschweige denn auf Originalinstrumenten? (Nikolaus Harnoncourts legendäre Aufnahme von "Castor et Pollux" erfolgte erst 1972, Gustav Leonhardts "Pièces de clavecin en concert" nur ein Jahr früher.) Da wundert es nicht, dass diese Platte in der Fachpresse gelobt wurde, so beispielsweise in der englischen Zeitschrift "Gramophone", die noch Anfang der 90er Jahre eine Empfehlung für diese Aufnahme aussprach. Schlecht war das also nicht, was die Harmonia-mundi-Musiker zu Stande brachten. Und dennoch: Die Lage auf dem heutigen CD-Markt ist eine ganz andere. Wer in die Rameau-Einspielungen der französischen Spezialensembles (Les Arts Florissants unter William Christie; Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski; Les Talens Lyriques unter Christophe Rousset) oder des niederländischen Orchesters des 18. Jahrhunderts unter Frans Brüggen hineingeschnuppert hat, kennt einen manisch-überspannten, theatralischen, die Orchesterfarben vollends beherrschenden Rameau, der die Bemühungen des Collegium Aureum einfach alt aussehen lässt. Einen gewissen Markt für Oldtimer gibt es natürlich noch, manche Nostalgiker sollen sogar noch gern Trabi fahren. Ich für meinen Teil ziehe eine vernünftige Beschleunigung und eine bequeme Inneneinrichtung vor.