Die beiden Magnificat auf dieser CD mögen zwar Geschwister sein, aber Zwillinge sind sie nicht, und eineiige erst recht nicht. Carl Philipp Emanuel Bach hat 1749 als 35-Jähriger das Kunststück fertig gebracht, sich sowohl an die Arbeit seines Vaters anzulehnen als auch gleichzeitig einen eigenen Vokalstil zu entwickeln. Beiheft-Autor Tobias Möller bescheinigt seinen Arien einen "lyrischen, leicht opernhaften Einschlag", womit er aus meiner Sicht durchaus Recht hat. Außerdem treten beim jüngeren Bach die Chöre an Bedeutung hinter die Soli zurück. Gerade die Chöre sind es aber, die dem Magnificat BWV 243 (D-Dur-Version) aus den Jahren um 1730 herum seinen Glanz verleihen.
Bei diesen mittlerweile recht betagten Aufnahmen (C. P. E. Bachs Magnificat wurde 1966 in Lenggries eingespielt, BWV 243 vermutlich einige Zeit später - das Beiheft macht keinerlei Angaben) kann trotz Originalinstrumente und Knabenchor (bei Vater Bach sind es auch drei Knabensolisten) nur bedingt vom "Originalklang" die Rede sein: zu traditionsverhaftet ist das damalige Spiel des Collegium Aureum, zu vibratolastig der Gesang der erwachsenen Solisten. Ob man das als Nachteil empfindet, muss jeder natürlich für sich selbst herausfinden: "schön", sogar wunderschön, sind diese Aufnahmen allemal.
Klang- und aufnahmetechnisch gibt es allerdings auch Unterschiede zwischen den beiden Stücken: Beim Magnificat des Bach-Sohnes sind Chor und Solisten eher in der Mitte zusammengedrängt, die ohnehin keine tragende Rolle spielenden Instrumente treten an Klarheit etwas zurück, und gelegentlich hört man etwas vom "Vorab-Echo" alter Tonbänder. Bei Vater Bach hingegen ist der Chor sehr realistisch eingefangen, und die Solisten nehmen einen eindeutigen Platz auf der Bühne ein; die Instrumente hören sich glasklar und rein an.
Wie bei der Serie "Baroque Esprit" üblich verzichtet das Beiheft auf Abdruck der gesungenen Texte ebenso wie auf nähere Angaben zur Besetzung oder zu den verwendeten Instrumenten.