Catherine Krahmer spürt in diesem Büchlein dem Leben und Werk des deutschen Bildhauers, Grafikers und Schriftstellers Ernst Barlach (1870- 1938) nach.
Beeinflusst wurde der Künstler vom Expressionismus, indem er seinen Holz-und Bronzeskulpturen leidvolle Erfahrungen menschlichen Schicksals symbolhaft überhöhten Ausdruck verlieh.
Barlach wuchs in einfachen Verhältnissen auf. 1888 verließ er die Realschule in Schönberg/ Mecklenburg, um sich der Kunst zu widmen. Seine Pläne waren von Anfang an hochgespannt und seine Talente vielseitig angelegt.
Bereits in seiner Ausbildungszeit - 1888-91 an der Kunstgewerbeschule Hamburg, 1891-95 bei R. Diez an der Kunstakademie Dresden, 1895-96 an der Académie Julien, Paris - arbeitete Barlach neben seinen Zeichnungen und plastischen Anfängen, wie z.B. die "Krautpflückerin" oder die Bildnisbüste "Josephine Löser", an Kritiken , Aufsätzen und freien Dichtungen.
In seinen "Souvenirs de Paris" setzte er sich mit zeitgenössischen, nachimpressionistischen Richtungen auseinander, die seine Beobachtungen des Menschen schärften. Auch das Prosastück Sturm auf der Seine" ist ein Beispiel für Barlachs sinnliche Beobachtungsgabe.
Ein Aufenthalt in Südrussland brachte dem Künstler das "physikalische Wunder der Kristallisation"( Zitat Barlach) .
In Hunderten von Tagebuchaufzeichnungen und Skizzen studierte Barlach die Köpfe und Figuren der ukrainischen Bauern.
Daraus entstanden erste Vollplastiken in Ton, Keramik, Porzellan und Bronze. Die künstlerische Klärung setzte sich, trotz dramatischer persönlicher Umstände, auch zuhause in Güstrow fort. Barlach konnte nicht nur an seinen Plastiken arbeiten, er schrieb auch das Drama "Der Tote Tag".
Die Begegnung mit dem wortgewaltigen, expressionistischen Dichter Theodor Däubler hatte tiefreichende Auswirkungen auf Barlachs Schaffen. Dabei bildeten die Jahre 1911/12 einen ersten Höhepunkt, was deutlich wird an seinem Werk" Panischer Schrecken". Seine russischen Tagebuchaufzeichnungen wurden zu dem "Apokalyptischen Blättern" verarbeitet.
Mit Kriegausbruch begann ein neuer Abschnitt in Barlachs Werk. Mitten im Krieg schuf er, die sein Werk durchziehende - Christusgestalt, Symbol für das Mit-Leiden in Liebe.
Der Begriff des Leids beschäftigte Barlach auch in der Nachkriegszeit in seinem Drama "Die echten Sedemunds" und vor allem im großen Holzrelief" Die gemarterte Menschheit".
Ein Höhepunkt seines Werkes war die Holzschnittkunst und hier die Zweifigurengruppe "Das Wiedersehen". In ergreifender, aber unpathetischer Weise begegnen sich Christus und Thomas im Motiv der verzeihenden, mitfühlenden Liebe. In den letzten dramatischen Werken, so liest man, beschäftigte Barlach das Problem von Gut und Böse, keineswegs als dualistischer Gegensatz, sondern als dialektische Einheit, als Grundpolarität des Lebens.
Mitte der 20er Jahre erhielt Barlach von dem Bildhauerehepaar Böhmer künstlerische und existentielle Unterstützung. Marga Böhmer wurde seine Ehefrau, deren geschiedener Mann half ihm bei den jetzt einsetzenden großen öffentlichen Aufträgen."Der Engel" für den Güstrower Dom 1927, der "Geistkämpfer" für Kiel 1928, das große "Magdeburger Denkmal" 1931 und andere mehr.
Gegen alle Erwartungen, auf dem Gipfel seines Ruhmes, setzten die nationalsozialistischen Angriffe Barlachs Karriere ein jähes Ende. Seine Werke wurden aus den Museen geholt, beschlagnahmt, verkauft und zerstört. Seine Dramen wurden abgesetzt, erhielten Spielverbot, Kunstbände über sein Schaffen wurden eingestampft.
1937 wurden in der Aktion "Entartete Kunst" 381 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, zerstört und gegen Devisen ins Ausland geschafft. Ende 1937 ereilte Barlach das Berufsverbot. Von all den Schicksalsschlägen entkräftet starb Barlach nach langem Leiden 1938.
Sehr lesenswert.