Das Schöne an Underworld ist, dass man sie in keine Schublade stecken kann. Sie hechten keinem Trend hinterher und müssen schon lange keine Vorreiter mehr in Fragen Techno oder Progressive House sein. Sie sind einfach Karl Hyde und Rick Smith und haben auch nach über 30 Jahren musikalischer Eigengeschichte immer noch neue Ideen, die begeistern.
Mit Barking haben sie wieder ein atemberaubendes, hervorragend produziertes Werk elektronischer Musik abgeliefert. Sie sind nach ihren Ausflügen in Ambient und Experimental diesmal sehr melodiös und dennoch tiefgründig. Noch nie waren auf einem Underworld Album so viele potenzielle Kandidaten für Singleauskopplungen. Neben Scribble, Always loved a film und der designierten nächste Online Single Bird 1 wären auch Between Stars und das von Paul van Dyk mitproduzierte Diamond Jigsaw (auf dem sie fast wie zu ihren Zeiten als Freur Mitte der 80er klingen) hitverdächtig. Auch wenn kein Überflieger wie Beautiful burnout vom letzten Album dabei ist, hätten alle vorgenannten Titel Charthits werden können, würde man sie nur als MCDs veröffentlichen. Underworld und ihr Plattenlabel Cooking Vinyl leisten sich den Luxus, auf eine solche Promotion des Albums zu verzichten. Entsprechend schlecht ist Barking mal wieder in Europa in den Albumcharts platziert. Schade darum und ebenfalls schade, dass man auf den mit D.Ramirez und Mark Knight gemeinsam geschriebenen Dancefloor Knaller Downpipe verzichtet hat. Zum Trost spielt Underworld diese Perle wenigstens in ihren aktuellen Sets.
Erwähnt werden muss auch das Schlussstück Louisiana, das wie eine Reminiszenz an die späten Talk Talk bzw. deren Kopf Mark Hollis klingt. Wunderschön und so völlig unerwartet. Für mich nach ca. 20 mal anhören das beste Stück auf Barking.