Diese Ausgabe:"Lesungen, Interviews, Umfragen", die eine Edition der "Arno Schmidt Stiftung" im Suhrkamp Verlag ist, führt tief hinein in die Arbeitsumstände und in das Innere (und Äußere, wenn man mag) eines Grandseigneurs der deutschen Literatur.
Arno Schmidt, das wage ich einmal zu behaupten, dürfte den heutigen Lesern und Leserinnen des mittleren Lebensalters, also von 40 bis 50 Jahren weniger bekannt sein. Das ist schade, denn somit bekommt man etwas entzogen, was wichtig wäre für uns Nachkommen einer Generation, die Abscheuliches am eigenen Leib und an der Seele erfahren hat und die davon sprach, es veröffentlichte, was geschah und was hätte geschehen können (müssen).
Hier aber, in dieser Studienausgabe, der sogen. Bargfelder Ausgabe, werden wir als Leser Zeugen der gedanklichen Intensität und Vielfalt des Autors Arno Schmidt.
In einzelnen Interviews vor allem erzählt er (und das kann man anhand der beigelegten 12 CDs und der einen DVD akustisch und visuell verfolgen) aus dem Nähkästchen. Dabei bekommt der aufmerksame Beobachter neben den Informationen das mit, was den Charme dieses Menschen und seine verhüllte und unverhüllte Ehrlichkeit ausmacht, sodaß man eine wahrhaftige Enthüllung seiner Arbeit und Arbeitsweise erfährt.
Dabei spielt seine Frau Alice Schmidt eine herausragende Rolle, als Gastgeberin und als Mitstreiterin im Wort.
Die Ausgabe ist natürlich hauptsächlich für die Fans des großen Literaten Arno Schmidt gedacht und doch kann jeder, der etwas über Poe, über Joyce, über Karl May und die Schriftsteller um diese Autoren herum wissen möchte, viel erfahren. So ist es z.B. auch interessant, zu erfahren, daß Martin Walser einmal für den Süddeutschen Rundfunk arbeitete und Arno Schmidt interviewte.
Alle Werke des Autors Arno Schmidt werden natürlich erwähnt, besprochen und behandelt, das allein gibt Fährten, derer man sich noch bedienen könnte.
Auf jeden Fall ist hier eine Ausgabe entstanden, die wertvoll und vielseitig interessant, den hohen Ansprüchen eines derartigen Vorhabens genügt und das weiterführt, was in der ersten Ausgabe dieser Art, nämlich "Fragmente" im Jahre 2003 erfolgreich begonnen wurde.