Ich bin Läufer, kein Triathlet. Triathlon ist mir sowas von wesenfremd, dass es für mich einfach nicht in Frage käme, vor einem Lauf auch noch zu schwimmen und mit dem Rad zu fahren. Dennoch stürzte ich mich über die Abenteuer des "Kaiserwerther Kenianer", und ließ mich an meinem Saunatag zwischen den Aufgüssen in die wundersame Welt der Dreielementekämpfer entführen.
Schon der Titel sagt es: Dixie-Toiletten sind ekelhaft, erst recht bei Wettkämpfen. Aber dann auch noch barfuß? Igitt! Zudem versenkt der "Kenianer" auch noch ein paar Tuben Gel im Klo und stellt fest, das Hände waschen in holländischen Dixie-Toiletten nicht vorgesehen ist, was das abklatschen von Läufern durch Kinder nur von Eltern gestattet wird, die selber keine Sportwettkämpfe aus eigener Erfahrung kennen...
Was an diesem Buch besonders gefällt: es sind keine Erlebnisse eines Weltrekordhalters oder Voll- und Halbrofis auf dem Weg zum Olympischen Gold. Es sind die Geschichten eines sogenannten "Jedermannes", der geschickt und mit großem Augenzwickern den Trainings- und Wettkampfalltag in Einklang mit Frau und Familie beschreibt. Viele Dinge kommen mir sehr wohl aus meinem Läuferalltag bekannt vor: die Statistikversessenheit, das tägliche (aber eigentlich sinnlose) wiegen, das vorsichtige Vorfühlen bei der Frau dass man statt dem geplanten Familienwochenende eigentlich lieber einen Marathon in einem Ort laufen möchte, der noch nicht einmal auf einer Wanderkarte verzeichnet ist.
Und jeder Sportler hat irgendwo seinen "Schwager", eine Person, mit der man sich heimlich misst, aber auf gar keinen Fall zugibt und heimlich alle Sabotageakte versucht, die dafür sorgen sollen, das man der Familienplatzhirsch bleibt.
Mit Humor und Selbstironie beschreibt Lars Terörde gekonnt diesen "Kampf" gegen den Schwager, von der Schnapsidee der langen Triathlondistanz gegen den Schwager bis hin zum tragisch-komischen Ende im Zielbereich von Stein in den "Dutch Mountains". Zwischendrin kommen kleine Betrachtungen über Sport und die Welt, wie das oben beschriebene Hände abklatschen oder die beliebte Tiefstaplerei. Das Buch ist flüssig und kurzweilig geschrieben und erwies sich als erstaunlich schnell an meinem Saunatag als beendet. Nicht nur Triathleten, auch Läufer, Radler und Schwimmer werden auf ihre Kosten kommen und sich hier und da wiedererkennen: sei es im unerklärten Wettkampf beim ursprünglich geplanten langen Dauerlauf, einsamen Radstunden im frühen Morgengrauen oder den Abenteuern im Hallenbad gegen rückenschwimmenden Rentner.
Es ist aber auch ein Buch für eine ganz besondere Spezie: den Ehepartnern, die ein solches Sportlerleben ertragen müssen und oftmals nur unverständnis und Kopfschütteln für uns "Spinnerte" übrig haben. Sie erhalten durch des "Kenianers Weib" ebenso eine Würdigung und liebevolle Danksagung für stundenlanges rumstehen bei Provinzwettkämpfen oder dem Verzicht auf ein gemütliches, trautes Familienfrühstück am Sonntag.
Lesern ohne jeglichen Bezug zu Triathlon, Lauf-, Schwimm- oder Radsport werden einige Redewendungen und Ereignisse wie böhmische Dörfer vorkommen und "Barfuß auf dem Dixie-Klo" keine Lesefreude bereiten.
Allen Anderen aber sei dieser köstliche und kurzweilige Blick auf die Hobbysportlerszene wärmstens empfohlen.