Ich will mich nicht als Lennox-Fan bezeichnen. Ich kenne ihre Lieder alle, habe mir aber bisher noch nie ein Lennox-Solo-Album zugelegt. Nun ja, diesmal ist es eben anders, denn nach meinen ersten Eindrücken ist dies vielleicht das stärkste Album des bisherigen Jahres 2003. Was immer die Lennox durchgemacht hat, die Melancholie ist in vielen Tracks vorhanden, erdrückt aber nicht. Hinter allen - auch noch so traurigen Songs - schimmert doch die Sonne durch. Und das verzaubert. Es gibt keine wirklichen Ausrutscher, deshalb kann ich gar nicht nennen, welche Tracks mir gut gefallen - das ganze Album ist durchweg stark und mitreißend. Sie beginnt relativ ruhig, legt mit "a thousand beautiful things" und "pavement cracks" zwei großartige Songs hin, die schon mal richtig einstimmen. Dann kommt das über sieben minütige "The hurting Times" - der Titel verspricht schon mehr, der Song hält dies und übertrifft es noch mehr. Wie gesagt, die Melancholie erdrückt nicht, alles in wunderschön genießbaren Bereich.
"honestly" und "wonderful" sind hervorragend gelungen. Jeder der ersten vier Songs geht ein wenig in die gleiche, ruhigere Richtung, aber jeder für sich ist auf seine Art und Weise ein Unikum. Gefällt mir gut. Auf "Wonderful" wird's dann beim Refrain schneller, in den Strophen wieder sanfter. Vielleicht ein kleiner Übergang zur Album-Mitte... Ohne Zweifel aber auch ein ganz starker Track!
"Bitter Pill" ist dann schließlich eine Up-Tempo-Nummer. Erst war ich etwas überrascht und enttäuscht, mir gefiel die Richtung der ersten fünf Songs, aber so bringt "Bitter Pill" etwas Abwechslung in die Sache. Wie auch immer, ein klitzekleiner Rückschritt im Vergleich zu den ersten fünf Songs, aber das ist auch nur meine Meinung.
Ich weiß nicht warum, aber "Loneliness" ist vielleicht DER Hit des Albums. Hat mich begeistert. Wieder etwas schneller, aber dennoch mit balladesken Wurzeln. Sehr gelungen. Toller Radio-Song.
Die Lennox nimmt dann auf "The Saddest song" etwas den Gang raus. Eine Schmacht-Ballade, die vor allem von der instrumentalischen Umsetzung lebt. Erinnert mich phasenweise an "Lovesong for a vampire"! Und der Track war ja auch großartig.
"Erased" und "Twisted" sind dann wieder up-tempo-nummern im typischen Lennox-Stil. Gefallen mir gut, auch wenn mein Herz etwas mehr für die ruhigeren Tracks schlägt.
"Bare" wird schließlich von "Oh God" abgeschlossen. Nahezu ein reiner vocal-track mit sehr dezenten Hintergründen. Sehr intim, wie das ganze Album und damit ein absolut würdiger Abschluss.
Fazit: Wer lange gewartet hat wird hier nicht enttäuscht. Hinter dem rauen Front-Cover verbirgt sich erstklassige Musik; vielleicht das Beste was 2003 zu bieten hat... Anspieltipp: A thousand beautiful things! Das sollte schon überzeugen!