Als Mediävist möchte ich den Film wie folgt rezensieren:
Man muss sich schwer überlegen, ob man für diesen Film Geld ausgibt, wenn man weiß, wessen Taschen man damit füllt. Es handelt sich um ein modernes Propagandawerk, das ruhig mit den russisch- und polnischen Verfilmungen der "Schlacht" auf dem Peipussee und der Schlacht von Tannenberg gleichgesetzt werden kann.
Hinter diesem Film steckt eine heutige politische Partei, die italienische Lega Nord von Umberto Bossi, die seit zwei Jahren eine Koalition mit der Regierung von Silvio Berlusconi bildet. Der Film wurde maßgeblich von der Lega Nord finanziert - Bossi hat natürlich eine Gastrolle! Er wird daher auch als "film leghista" bezeichnet (siehe die Kritik von Giuseppina Manin im Corriere della Sera vom 24.7.2008, Seite 45, und von Paolo Foschini, ebenda vom 2.10.2009, S. 23).
Die eigentliche Absicht des Films - was in Wahrheit dahintersteckt -, ist, ihn für aktuelle politische Bestrebungen der Lega Nord zu instrumentalisieren (siehe die Internetausgabe des Corriere vom 2.10.2009).
Der Film, der im Oktober 2009 in Italien in den Kinos anlief, kostete 30 Millionen Euro. Erfolgreich war er dort nicht - er wurde auch nur kurz vor allem in oberitalienischen Kinos gezeigt, zudem auch zurecht wegen seiner einseitigen und verzerrenden Darstellung bereits in Italien kritisiert. Es dürfte der teuerste Flop der italienischen Filmgeschichte sein!
Die französische Schauspielerin Cécile Cassel, welche die deutsche Königin Beatrix von Burgund spielt, die Frau Barbarossas, will heute mit diesem Machwerk nichts mehr zu tun haben, da sie zu spät von den politischen Hintergründen des Films erfuhr. Daher blieb sie auch aus Protest der von der Lega Nord politisch inszenierten Vorpremiere fern!
Die Hauptfigur des Films ist nicht Barbarossa - welch Überraschung! -, sondern Alberto da Giussano. Dieser soll bei Legnano einen Teil des zahlenmäßig überlegenen Bundesheeres der Lega Lombarda, die aus 900 ausgewählten Kriegern starke "Compagnia della morte", befehligt haben. Sein im Jahre 1900 in Legano aufgestelltes Denkmal ziert auch das Parteiemblem der Lega Nord.
In Wahrheit freilich taucht der Name "Alberto da Giussano" erst 140 Jahre nach der Schlacht in den Geschichtsbüchern auf! Die moderne Mittelalterforschung hält es jedenfalls für wahrscheinlicher, dass er eine Erfindung, "eine Phantasiegestalt ähnlich dem Wilhelm Tell" ist (Horst Fuhrmann, Überall ist Mittelalter, 1998, S. 81)!
Daher sollte man sich - gerade als Deutscher - sehr genau überlegen, ob man für dieses "moderne" politische Propaganda- und Tendenzwerk Geld ausgibt!