Vorbei sind die Zeiten, in denen es noch Menschen gab, die einen Film einfach wegen seiner Idee oder seiner charakterlichen Darbietung mochten und liebten. Vorbei sind die Zeiten, in denen es noch Spaß bereitete, einen Freitagabendfilm, völlig unverfälscht und auch vollkommen unvoreingenommen zu genießen, und sich die erfahrenen Glücksgefühle zu bewahren und zu verinnerlichen. Durch die heutige Medienlandschaft werden solche Gefühle durch berauschende Specialeffect-Überflutung niedergeknüppelt, und die Wertschätzung eines Filmes konzentriert sich auf die technisch beste Darbietung. Bei einem Film wie "Barbarella", der noch aus der guten alten 60er Jahre Popkultur stammt, ist es möglich diese alten Werte nocheinmal aufleben zu lassen. Den heutigen Standards entsprechend muß man zugeben, die Specialeffects muten eher wie Puppenkiste an, und das Ambiente gleicht einer mittelmäßigen Theatervorstellung. Doch das ist es nicht, was diesen Film so besonders macht! In einer Zeit wie der unsrigen, in der sexuelle Leidenschaft etwa so besonders ist wie Kaffeetrinken, kann man sich kaum mehr vorstellen, wie es war, dies als Außergewöhnliches zu genießen. In "Barbarella" wird man in eine Zeit zurückversetzt, in der dies noch außergewöhnlich war, ja in dem es sogar möglich war, die Gefühlserwartungen einer ganzen Generation hineinzupacken. Was heute wohl als belanglose Internet-Sado-Maso-Darbietung gebracht würde, gereichte hier noch dazu, tiefste Leidenschaften der Menschen zu ergründen. Jane Fonda als hinreißend, unerfahrene und vollkommen unschuldig anmutende Schönheit (die noch heute ihres Gleichen suchen kann), kämpft sich mit Leidenschafts- und Begierdenerfahrung durch das herrlich niederträchtige Wesen der Menschen; bekämpft es und genießt es gleichermaßen, und gibt so wieder, was die dahmalige sexuelle Revolution hervorbrachte, und was zu dieser Zeit Thema Nr.1 war: Die Tiefen der geheimen menschlichen Begierden. Barbarella durch dieses Szenario zu begleiten, umrahmt mit erotisch-plüschigen Sci-Fi-Details, und letztlich auch durch die herrlich glättende 60er Jahre Musik, machen diesen Film zum absoluten Genuß, ebenso wie er heute zu einem unumwundenen Kultfilm geworden ist. Wer für Zirka anderthalb Stunden einmal die Überflut der Medienberieselung zu vergessen vermag, der sollte sich die Zeit nehmen und sich von "Barbarella" gefühlvoll in die 60er Jahre versetzen lassen. An dem Genuß dieses Filmes sollten sich Filmemacher aller Coloeur ein Beispiel nehmen, und Filme weniger planen, sondern sie einfach machen. Dann kann man einen Film auch wieder richtig genießen. Und wer heute noch in der Lage ist sich verzaubern zu lassen, der darf sich "Barbarella" auf keinen Fall entgehen lassen. Enjoy Barbarella!!!