Um die Finessen und Details dieses leider nur auf englisch (mit englischen Untertitel) zu geniessenden Filmes zu erfassen, ist es unbedingt notwendig, das Buch "Und scheint die Sonne noch so schön" von B.V. gelesen zu haben. Dann aber kann man gut folgen und gleichzeitig durch die schön gesprochenen Dialoge sein Englisch verbessern. Zum Film selbst: ich habe einmal gelesen, das hier der Film besser als das Buch gelungen sei - es stimmt! Die Handlung geht wirklich sehr eng an der Buchvorlage entlang. Fast keine der Einzelheiten wird ausgelassen und die Charaktere der Akteure, 5 junge Leute aus verschiedensten Schichten, sind durch die hervorragende Besetzung sehr gut getroffen. Adam, gefühlsbetont und unsicher, der überraschend ein herrliches Haus in Suffolk erbt, möchte gerne aus seinem beschaulichen Leben ausbrechen und mehr wie sein Freund Rufus in den Tag hineinleben und ebenso "cool" sein. Dieser egomane Kumpan begleitet ihn dann tatsächlich nach Suffolk, sieht er doch hier ein Chance nocheinmal - bevor er sich seiner Karriere als zukünftiger Gynäkologe widmet, die er trotz aller an den Tag gelegter Gelasseheit nie aus den Augen verliert - exzessiv einige Wochen mit Drogen, Trinken, Nichtstun und Sex zu verbringen. Die Eltern wähnen die Studenten während Ihrer Ferien in Griechenland. Nach kurzer Zeit macht sich Mary, Rufus`s Freundin auch nach dorthin auf den Weg um wenig später wegen eines Streites mit Rufus wieder abzurauschen. Er liest daraufhin eines Nachts die kindgleiche, geheimnisvoll und irgendwie verstörte Zosie auf der Landstraße auf und bringt sie, weniger selbstlos als berechnend, mit nach "Ecalpemos", so hat Adam in der Zwischenzeit seinen Besitz getauft. Jetzt nimmt das Verhängnis seinen Lauf, denn Zosie schließt sich kurze Zeit später Adam an, der meint die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. In der sonnentrunkenen, scheinbar unbeschwerten Atmosphäre eines heißen Sommers in einer idyllischen englischen Landschaft entwickelt sich langsam ein Drama, das sich durch das Auftauchen von Shiva, eines jungen Inders, zusammen mit Vivian, einem verwaisten Hippie-Mädchen, zuspitzt. Die traumatisierte Zosie entführt bei einem Trip nach London ein Baby und die ganze Kommune gerät in einen Konflikt, der Tod und Verderben, Vertuschen und Angst nach sich zieht. Nach 10 Jahren holt das Geschehen die mittlerweile gut situierten Beteiligten ein, und wieder gilt es, eine Lebenslüge aufrecht zu erhalten.
Ob das gelingt, oder eine späte Vergeltung eintritt - das möchte ich hier noch nicht verraten.
Alle Akteure werden perfekt wiedergegeben: der eigentlich immer etwas ängstliche Adam, der auch älter geworden einen gehetzten Eindruck macht. Rufus, kaltblütig und beunruhigend in seinem Auftreten, hat scheinbar auch 10 Jahre später seine Emotionen im Griff. Und Shiva, immer noch durch seine Abstammung gehemmt, immer noch versucht sich, damals wie heute, der Gesellschaft in der er lebt und arbeitet anzupassen und zu gefallen. Der Film gewinnt durch abwechselnd ruhige und sehr temporeiche Passagen, bleibt immer spannend und wartet mit einem absolut überraschenden Ende auf! 170 Minuten Eintauchen in die menschliche Psyche, die völlig normal, verstörrend und unergründlich tief ist!