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Barbara
 
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Barbara [Gebundene Ausgabe]

Barbara Thillmann
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1 (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 382181649X
  • ISBN-13: 978-3821816494
  • Größe und/oder Gewicht: 22,1 x 12,9 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.107.890 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine junge Frau sitzt in einer deutschen Großstadt auf einer Parkbank und weiß nicht mehr, wer sie ist. Weder Namen noch Herkunft. Sie kann zwar lesen und schreiben, aber ihre persönlichen Erinnerungen hat sie verloren. Sie landet schließlich in der Psychiatrie. Nach demütigenden Behandlungen, die immer wieder darin gipfeln, daß man sie als Simulantin betrachtet, wird durch eine Fernsehsendung ihre Identität aufgedeckt. Sie trifft ihre Geschwister, ist aber nach wie vor nicht in der Lage, sich selbst oder ihre Familie als solche wiederzuerkennen.
Barbara ging durch die Hölle: Psychiatrie, Obdachlosenheime, Sozialämter, begleitet von unerträglichen Kopfschmerzen. Ein ergreifendes Buch, auch über die Mühlen unseres Sozialsystems, in dem Menschlichkeit keinen Platz mehr hat.

Auszug aus Barbara. Eine verlorene Lebensgeschichte. von Barbara Thillmann. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es war die Art von Kälte, die durch alle Knochen dringt. Meine Füße schmerzten,
warum eigentlich? Wie lange war ich denn schon unterwegs? Ich lief weiter,
folgte dem Verlauf des Gewässers an meiner rechten Seite. Der Wind, der vom
Wasser her kräftig wehte, ließ mich noch mehr frösteln. Ich fühlte mich müde und
erschöpft. Wie weit wollte ich eigentlich noch laufen? Wohin wollte ich? Ich
wusste keine Antwort. Vielleicht hatte ich es vergessen? Wann und wo war ich
aufgebrochen? Auch darauf fehlte mir eine Antwort. Ich betrachtete meine
Umgebung, aber alle Häuser, die Straße, der Fluss, alles erschien mir völlig
fremd. Langsam stieg ein starkes Gefühl des Unbehagens in mir hoch. Wo war mein
Ziel? Meine Knie fühlten sich plötzlich ganz weich an. Ich wollte mich unbedingt
einige Minuten ausruhen und ließ mich trotz der Kälte auf einer Parkbank nieder.
Mein Blick wanderte an mir herunter. Warum hatte ich mich nicht wärmer angezogen
bei diesem ungemütlichen Wetter? Ich versuchte, ganz ruhig und konzentriert
darüber nachzudenken, was ich eigentlich vorhatte. Aber meine Gedanken wurden
gelähmt durch die Frage, woher ich wohl diese schier unerträglichen
Kopfschmerzen hatte, die mich zusätzlich zur Kälte plagten. Die Stirnpartie über
meinem linken Auge schmerzte unerträglich und die Berührung meiner Hand schien
den Schmerz noch zu steigern. Was sollte ich nur tun?
Nach einiger Zeit nahm ein älterer Herr neben mir Platz und entfaltete seine
Zeitung. Ich versuchte angestrengt, das Datum zu erkennen. Es gelang mir leider
nicht. Ich atmete tief durch, aber der Schmerz in meinem Kopf wurde noch
schlimmer. Ich fragte den Mann, ob er mir den Wochentag und das Datum nennen
könne. Er sah mich verwundert an und fragte dann, ob es mir nicht gut gehe, ich
sei ja so blass. Ich antwortete nicht und er beobachtete mich besorgt. Nach
einiger Zeit fragte er plötzlich: "Na, junge Frau, wie heißen Sie denn?"
Ich sah ihn verwundert an und überlegte krampfhaft, konnte ihm aber seine Frage
nicht beantworten. Ich wusste meinen Namen nicht!
Panische Angst stieg in mir hoch. Ich versuchte noch einmal zu antworten, aber
mein Name, er fiel mir nicht mehr ein! Ich sprang auf und rannte davon. Ich lief
und lief und lief, wie lange weiß ich nicht. Irgendwann blieb ich stehen und
suchte in meiner Handtasche nach einem Hinweis, wie mein Name lauten könnte und
wohin ich eigentlich unterwegs war, aber ich konnte nichts finden. Ich lief
weiter, bis meine Beine nicht mehr wollten. Unvermittelt fand ich mich vor einer
großen, düster aussehenden Kirche wieder. Ein paar Schritte weiter, direkt an
der Kirchenwand, entdeckte ich einen Schaukasten. Auf leuchtend gelbem
Untergrund wurde ich auf eine Seelsorgeeinrichtung hingewiesen, die sich
offenbar ganz in der Nähe befand. Völlig erschöpft und ratlos entschloss ich
mich, das Seelsorgecafé aufzusuchen und um Rat zu fragen. Ich nahm meinen ganzen
Mut zusammen und ging in das Café. Ich wurde von einer freundlichen Dame
empfangen, die fragte, ob sie mir helfen könne. Da brach ich in Tränen aus und
war für einige Minuten nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu sagen. Als ich
schließlich zu erzählen begann, änderte sich der Ausdruck in den Augen meiner
Zuhörerin von Aufmerksamkeit über Mitgefühl zu Verwunderung und Unglauben. Sie
wusste zunächst keinen Rat. Gemeinsam durchforsteten wir den Inhalt meiner
Handtasche, aber ohne Erfolg. Ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören zu
weinen. Die Frau verließ den Raum, um zu telefonieren. Bei ihrer Rückkehr teilte
sie mir mit, dass sie mit einer Ärztin aus einer benachbarten Praxis gesprochen
habe. Sie würde mich begleiten, dort könne man mir sicher helfen. Sie brachte
mich über einen kleinen Hof, an ein paar Geschäften vorbei, und führte mich
zwischen zwei Läden hindurch in einen Hausflur, einige Treppen hinauf in die
Arztpraxis. Die Dame wechselte einige Worte mit der Sprechstundenhilfe, danach
wurde ich in einen kleinen Nebenraum gebracht, der offensichtlich als Labor
genutzt wurde, da einige mit Blut gefüllte Plastikröhrchen auf dem Tisch
standen. Die Arzthelferin kam nach kurzer Zeit zurück, bat mich, Platz zu nehmen
und fühlte meinen Puls. Anschließend maß sie noch den Blutdruck und fragte mich,
ob ich Medikamente einnehmen würde. Wieder konnte ich keine Antwort geben. Als
sie mich alleine ließ, überlegte ich, was wohl als Nächstes auf mich zukommen
würde. Nach einiger Zeit erschien die Ärztin. Sie fragte mich ebenfalls nach
Namen, Wohnort, Krankenversicherung, Familienangehörigen und anderen Dingen. Mit
jeder Frage wuchs meine Angst, denn ich konnte ihr nicht antworten. Warum nicht?
Ich musste doch wenigstens meinen Namen wissen! Die Ärztin verließ den Raum und
ich konnte hören, wie sie ihre Sprechstundenhilfe aufforderte, die Polizei zu
informieren. Im Verlauf des Telefongesprächs bekam ich mit, dass sich die
Polizei offenbar nicht zuständig fühlte, woraufhin die Ärztin erklärte, sie
wisse sich auch keinen Rat, sie würde mich zur Überwachung in eine Klinik
einweisen. Niemand hielt es offenbar für nötig, mir diese Überlegungen
persönlich mitzuteilen. Ich saß immer noch in dem kleinen Labor und versuchte,
die in mir aufsteigende Panik niederzukämpfen. Nach einer unendlich lang
erscheinenden Zeit tauchte nochmals die Arzthelferin auf und teilte mir mit,
dass man mich gleich abholen würde, ein Krankenwagen solle mich in die Klinik
bringen.
Kurz darauf kamen zwei Sanitäter, hakten mich rechts und links unter, brachten
mich zu einem Krankenwagen, schnallten mich in einem tiefen Sessel an und fuhren
los. Der Jüngere der beiden blieb auf der Trage neben mir sitzen, fragte, wie es
mir gehe, ob ich die Straße, auf der wir fuhren, kennen würde und versuchte
immer wieder, mich zu beruhigen. Er erklärte mir, es käme häufiger vor, dass
jemand größere oder kleinere Teile des im Gehirn gespeicherten Wissens vergessen
würde, aber ich solle mir keine Sorgen machen, innerhalb einiger Stunden,
spätestens nach einigen Tagen würde ich wieder über alle Informationen verfügen,
die mir nun fehlten.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Erschreckend 19. Mai 2006
Ich habe mir das Buch vor allem gekauft, weil die Autorin den selben Vornamen hat wie ich. Anfangs wollte ich nur mal reinlesen, weil ich schon ein anderes Buch angefangen hatte, aber es hat mich sofort gepackt. Ich las es innerhalb von zwei Tagen. Es war sehr mitreissend. Es ist eine erschreckende Vorstellung, dass einem so was passieren könnte. Der Schluss hat mich etwas enttäuscht, weil eigentlich nichts aufgeklärt wurde. Aber Barbara hat anscheinend ihr Gedächtnis noch nicht wiedergefunden. Ich fand es sehr seltsam, dass sich ihre Verwandten nicht mehr um sie gekümmert haben, als sie sie endlich identifiziert hatten und auch dass sie anscheinend keine Wohnung hatte. Aber na ja. Das Buch ist auf jedenfall sehr lesenswert.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Eine Frau sitzt auf einer Parkbank in einer Stadt und weiss nicht mehr, wer sie ist. Die Erfahrung, die Barbara nach ihrem "Gedächnisinfarkt" gemacht hat, sind unglaublich aber glaubwürdig. Schlimm genug, sich nicht mehr zu erinnern, wer man ist, die Ängste, die daraus entstehen, zu verarbeiten. Dass man alles glauben muss, was man erzählt bekommt. Noch schlimmer, dass in unser genormten Gesellschaft das Sozialsystem als solches zwar funktioniert, aber nur, wenn man in dieses System passt. Dieses Buch bringt zum Nachdenken - wie wir mit anderen umgehen, wo tatsächlich die Würde des Menschen liegt und wie mit ein wenig Menschlichkeit und Zuwendung viel Gutes bewirkt werden könnte. Ein erschütterndes und aufwühlendes Buch
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
So oft hab' ich mich schon gefragt, und ich denke, ich spreche auch im Namen meiner Mitleser, wo auf dieser Welt die Menschlichkeit geblieben ist. Eingemauert? Auf irgendwelche Computerchips gepreßt? Sind wir schon soweit, daß bei Verständnis und Menschlichkeit das Haltbarkeitsdatum ablaufen kann? Muß ein Mensch alleine so viel mitmachen und ertragen, nur, um dann auch noch seelisch getreten zu werden? Eigentlich ziemlich unglaublich, aber ich kann es mir vorstellen! Kein Mensch, der viel zu viel mit sich selbst beschäftigt ist, kann das jemals nachvollziehen! Ganz "menschlich", denn wie oft hat man schon gedacht: MIR kann doch sowas nicht passieren! So hätte Barbara bestimmt auch gedacht vor ihrem Schicksal, aber ich glaube, jetzt ist sie ganz anderer Meinung und weiß hoffentlich, ihr "neues Leben" erst richtig zu schätzen...und ihre Freunde auch! Ich kann dieses Buch nur empfehlen, denn es macht nachdenklich..."Menschheit, wach' auf, denn jeden könnte es treffen...und wer möchte dann schon alleine sein!?!?!?!
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