Um es kurz zu machen: Die Sachinformationen dieses Werkes tendieren gegen Null. Ich muss mir wohl in Zukunft ernstlich überlegen ob ich weiterhin Werke des Kopp-Verlages erwerben möchte.
Für Leser mit Ausdauer '- nun die lange Version: 'Die Ironie an der ganzen Sache ist: Ich habe mir das Buch gekauft um Informationen GEGEN den Heilsbringer Obama und die diesbezüglich lächerliche Medien-Hysterie in Erfahrung zu bringen. Doch nach der Lektüre dieses Buches sehe ich kein einziges (Sach-)Argument welches ernstlich gegen Obama spricht, da die angeführten 'Informationen' so erbärmlich schlecht recherchiert und nicht belegbar sind - aber der Reihe nach.
Das Buch umfasst exakt 221 Seiten auf groß gedruckten Lettern. Jedoch kommt der Hauptprotagonist -' Obama selbst -' erst auf Seite 72 ins Spiel -' mit der geistreichen Überschrift '"Die Connections des Herrn O.'" Polemischer geht es nicht mehr. Davor muss man sich erst durch pseudo-psychologisches Gefasel quälen dessen Quintessenz ist, dass so gut wie alle stattgefundenen oder versuchten Revolutionen und Putsche durch die US-Amerikaner initiiert / gelenkt / provoziert / finanziert wurden und man 'lernt' nebenbei sehr viel über die Politik eines Jimmy Carters und eines Zbigniew Brzezinskis. Dass US-Amerikaner im In- und Ausland viel unter der Gürtellinie mitmischen will ich hier gar nicht zu Dispositionen stellen. Doch hat dies alles rein gar nichts mit Barack Obama selbst zu tun.
Stichwort Brzenzinski: Die gesamte 'Argumentationskette' des Buches in der die tatsächlichen und vermeintlichen Winkelzüge des polnisch-stämmigen Politikwissenschaftlers (vielleicht hätte man das Buch passenderweise '"Die Geheimoperationen u. 'Kommandos des Z. Brzezinskis"' nennen sollen) angerissen werden baut darauf auf, dass Obama ein 'Schützling' von Brzenzinski ist und irgendwann 'rekrutiert' worden sein soll.'
So, man möchte nun meinen, dass diese Kernthese, der Schlüssel zur Logik des gesamten Buches, mit schlagkräftigen Beweisen untermauert wird ' und was findet man stattdessen? Originalton:
"'Nun wurde bereits mehrfach der Name von Zbigniew Brzezinski erwähnt, den Falken und Kriegstreiber aus dem Kalten Krieg. Es gibt Anzeichen dafür, dass Obama von Brzezinski oder dessen engstem Kreis in den Jahren 1981 bis 1983 rekrutiert wurde. Denn beide lernten bzw. lehrten an derselben Universität. Obama studierte an der Columbia University in New York City Politische Wissenschaften. Brzezinski war dort Chef des Instituts für Fragen des Kommunismus, wo er von 1960 bis 1989 fast 30 Jahre ununterbrochen tätig war, ausgenommen die vier Jahre unter Präsident Jimmy Carter im Weißen Haus. Obamas studentische Arbeit 'Atomare Abrüstung der Sowjets' riecht förmlich nach dem Russland-Experten Zbigniew Brzezinski. Es gibt daher einen starken Anscheinbeweis dafür, dass Obama zwischen 19182 und 1983 an der Columbia University in Brzezi'skis Kreise geriet. Warum gibt es nicht mehr Beweise? Ganz einfach: Wenn man diese Frage näher untersuchen will, stößt man auf eine Mauer des Schweigens."
'
Wahnsinn! Das muss man sich einmal nüchtern auf der Zunge zergehen lassen: '"riecht förmlich nach"', '"Anscheinbeweise"' (?), "'Mauer des Schweigens"' und das alles im besten Suggestiv-Deutsch. Selbst wenn es so gewesen sein sollte (was ich selbst nicht beurteilen kann) dann kann man oben gesagtes höchstens '- wenn überhaupt - ' als Indizien oder besser als bloße Vermutungen bezeichnen. Einen argumentativen Wert besitzen solche Textblöcke in der der Wunsch Vater des Gedankens war jedoch nicht. Heute ist Brzezinski ein außenpolitischer Berater von Obama. Doch daraus nun rückwirkend schließen zu wollen '"B.Z."' kontrolliere "'B.O."' ist spekulativ und tendenziös.
Diese Unzulänglichkeiten versucht man nun damit zu überspielen, dass man teils bekannte teils unbekannte Drittquellen (heißt: Kommentare aus Zeitungen / Zeitschriften oder aus dem Netz) zitiert die aber letztendlich auch nichts Weiteres bieten können als bloße Thesen und Theorien.
Jetzt kann man das Buch eigentlich wieder zuschlagen -' denn mehr kommt nicht. Es sei denn man macht ein Spiel daraus und versucht zu zählen wie oft obiges '"Faktum'" (= Obama ist eine Marionette von Brzezi'ski), im weiteren Verlauf gebetsmühlenartig wiederholt wird. Oder man interessiert sich für US-amerikanisch Geopolitik und/oder den US-amerikanischen Imperialismus. Obama, ist nur noch eine Nebenfigur, ein bloßer 'Befehlsempfänger' (O-Ton im Buch: "'Manchurian Canidate"').
Dass einzige was man Obama objektiv und nachweislich vorwerfen kann sind seine Aussagen im '"Kampf gegen den Terrorismus"' indem er bewusst die Hoheitsrechte 'z.T. offiziell befreundet Staaten verletzen will (Neusprech: 'Militär-Intervention') bzw. dies unverhohlen in Betracht zieht.
Um sich das Ganze nun ein wenig konkreter vorstellen zu können ein paar Auszüge zur Untermauerung:''
"Ich halte diesen Politiker für eine Persönlichkeit, die in allen wichtigen Fragen weit rechts von ihrer Hauptgegnerin, der New Yorker Senatorin Hillary Clinton, angesiedelt ist. Das gilt insbesondere für die Fragen der Wirtschafts- u. Außenpolitik'." (Seite 13, Vorwort) 'Dumm ist nur: Trotz dieser scheinbar 'gegensätzlichen' Ausrichtung hat Obama selbst Frau Clinton das Amt des Außenministers vorgeschlagen. Wie passt das zusammen? (Nachtrag: Frau Clinton hat das Amt zwischenzeitlich angenommen.)
'"Die Ergebnisse vom 'Super-Dienstag' (5. Februar) belegen eindeutig, dass Obama die eigentlichen Präsidentschaftswahlen im November nur schwer gewinnen kann ' wenn alles mit rechten Dingen zugeht, versteht sich. Er könnte nur ein weiterer Verlierer der Demokraten werden, der für die reiche Elie attraktiv sein mag, aber nicht für die Arbeitnehmerfamilien aus der Mittelklasse und den ärmeren Schichten. ('...) Er wirkt anziehend auf zwei Gruppen ' die gutsituierten Vorstädter und Schwarzen, aber das wird für einen Wahlsieg im November nicht reichen.''" Nun, um es kurz zu machen: Er hat gewonnen. Aber schön, dass sich Tarpley mit dem Einschub '"wenn alles mit rechten Dingen zugeht"' ein kleines Hintertürchen offen gelassen hat' (Seite 187/188)
"''Doch Obamas Behauptung, er stütze sich allein auf ein urdemokratisches Heer aus Kleinspendern, ist nicht mehr als Wahlkampfrhetorik. Zwar kommt die Mehrheit der Spenden von Anhängern, die minimale Beiträge geben. Obamas spendabelster Finanzier aber ist, siehe da, die Investmentbank Goldman Sachs mit bisher 627730 Dollar'." (S 113) 'Na und? Goldmann Sachs hatte lt. Wikipedia 2007 einen Jahresumsatz von 46 Milliarden Dollar. Was sind da schon ein paar Hundertausend? Übrigens: Lt. einem Focus Online Bericht vom 27. November 2008 hat Goldman Sachs in einer Gesamthöhe von 2, 1 Millionen Dollar BEIDE Lager unterstützt. Insgesamt sammelte Obama bis dato lt. WELT Online vom 20. Oktober 2008 605 Millionen Dollar an Spenden. Auch in Deutschland sind Spenden von großen Firmen an Parteien nichts Ungewöhnliches. Ob man das gutheißen soll ist natürlich ein ganz anderes Thema ' aber so dramatisch aufbauschen braucht man das Ganze nicht denn JEDER ernsthafte Präsidentschaftskandidat MUSS gute Kontakte zur Wirtschaft pflegen sonnst hat er in einem Hyper-Medienstaat wie den Vereinigten Staaten von vornherein keine Chance. Obama stellt hier sicherlich keine Ausnahme dar.
'
"'Obamas Erfolg stehen übrigens auch noch formale Hindernisse entgegen. So reichte am 22. August 2008 der prominente Anwalt Phil Berg einen Antrag auf einstweilige Verfügung gen Obamas Kandidatur ein. Begründung: Obamas US-Staatsbürgerschaft stehe im Zweifel; die auf seiner Website veröffentliche Geburtsurkunde sei eine Fälschung. Ja, man wisse nicht einmal, wo Obama wirklich geboren worden und wer Obama wirklich sei. Im Laufe seines Lebens habe er verschiedene Namen benutzt (siehe die Website obamacrimes.com).'" (Seite 197) 'Interessantes Detail: Aber warum so oberflächlich abgehandelt? Ich hier hätte ich mir einfach mehr Hintergrundinformationen gewünscht als einen schlichten Verweis auf eine englische Seite. Vermutlich hat Tarpley diesbezüglich überhaupt nicht recherchiert und stellt diese Behauptung einfach mal so in den Raum. Schade, denn das wäre schon der Hammer gewesen wenn sich das hätte nachweisen können'...
Überhaupt ist das ganze Werk ideologisch motiviert - keine sachliche Abhandlung zu seinen Stärken und Schwächen '- sondern politische Propaganda. Bereits im Vorwort erfährt man, dass der Autor "'links"' ist ' und Obama ein "'Rechter'" sein soll: "'Obama ist ein Rechter, und dieses Buch kritisiert ihn von einem grundsätzlich anderen Standpunkt, als dem der meisten bisher veröffentlichen Untersuchungen. Dies Buch entlarvt und widerlegt Obama aus der Sicht eines Linken.'" (Vorwort, Seite 13) Im gesamten Buch wechseln die Titulierungen in seinem Umfeld mal zu '"rechtsradikal'", "'rechtsextrem"' und bei Vergangenheitsbetrachtungen zum Totschlag-Terminus "'faschistisch"' zurück. Laut der Ansicht dieses Buches müsste wohl die halbe US-Regierung, US-Presse und US-Industrie 'faschistisch/rechtsradikal/reaktionär sein (suchen Sie sich nach Ihren persönlichen Präferenzen aus was es sein darf;) Übrigens behauptet die 'Gegenseite', dass die USA durch 'die "jüdische Lobby"', durch "'Multi-Kulti-Liebhaber"', "'liberale, vaterlandslose Gesellen"' usw.
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