Der Berg kreißte und gebar eine Maus.
Der Meister der cleveren Akkordverbindungen, der König der romantischen Single-Note-Lines, der Schöpfer feinster Harmonien über Orgelpunkten setzte nun endlich ins Werk, was ihm lange im Kopf herumspukte. Ein rein orchestrales Oeuvre mit dem Londoner Philharmonic Orchestra.
Tony Banks ist ein bescheidener Mann. So bescheiden, dass er sein bisher bestes Solo-Werk sogar "inkognito" auf den Markt brachte. Was sich auf jenem beachtlichen Album mit dem Schlusstitel "An Island In The Darkness" andeutete, sollte auf "Seven" nun seine Fortsetzung finden. Doch, welche Enttäuschung. Banks, der sich gern auf seine Vorbilder aus der Klassik-Abteilung beruft und hier und da sogar bewusst deren Spieltechnik auf den schwarz-weißen Tasten adaptiert, ist offenbar an einer großen Aufgabe gescheitert.
Wir hören eine Fülle naiver Melodien, von ihm selbst und Orchestrator Simon Hale eintönig arrangiert, mit orchestralen Platitüden und vorhersehbare harmonischen Unterbauten. Es klingt nach Soundtrack, Hintergrund und Fahrstuhl. Damit hat sich der geniale Tony zwischen alle Stühle gesetzt. Denn auf den Olymp der klassischen Meister wird er mit dieser Suite kaum aufsteigen.
Selbst im Basislager dürfte für Banks mit diesem Werk als Visitenkarte die Luft dünn werden. Es klingt uninspiriert und ohne Esprit. Die kompositorischen Stilmittel des Genesis-Keyboarders, seine Erkennungs- und Markenzeichen senden sich entweder weg, oder sind schlichtweg nicht vorhanden. "Seven" plätschert vor sich hin. Dynamische Anstiege und Spannungsbögen enden fast immer in einer musikalischen Luftblase.
Im Ohr bleibt da nicht viel hängen. Musikalische Aha-Erlebnisse finden nicht statt. Schade um den riesigen Aufwand, den Tony Banks betrieben hat, um sich seinen großen Traum zu verwirklichen. Es fehlt unverständlicherweise an Substanz und der eigentümlichen Magie, die er so oft zu verbreiten wusste.
Tony Banks hat leider schon oft auf ungeeignete, nicht zu ihm passende Partner gesetzt. Ich könnte mir vorstellen, dass einiges von seinem hier verarbeiteten Ausgangsmaterial mit
einer guten Rhythmusgruppe, mit einem CP 70, mit netten Hammond- und Synth-Klängen plausibler herüber gekommen wäre. So aber bleibt beim Hörer von der Vorfreude auf dieses musikalische Lebenszeichen des Ausnahme-Keyboarders nur ein Schulterzucken. Gab`s alles schon besser und spannender. Alleinstellungs-Merkmale sind nicht erkennbar. Einen ähnlichen Ausritt auf klassisches Terrain hat im Übrigen Ex-Band-Kollege Steve Hackett bereits 1997 ("A Midsummer Night`s Dream") deutlich selbstbewusster und vor allem konsequenter hinbekommen. Er hat sein Instrument (und seine berühmten Sus-Akkorde) in den Vordergrund gestellt und dem Orchester die Rolle der Begleitung zugewiesen. Das funktionierte über weite Strecken famos. Banks aber geht bei "Seven" völlig unter, ohne eigene Duftmarken zu setzen. Für einen erklärten Banks-Bewunderer wie mich ist das sehr, sehr schade!