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Der Bankier. Hermann Josef Abs: Eine Biographie
 
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Der Bankier. Hermann Josef Abs: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)

von Lothar Gall (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 3., Aufl. (September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406521959
  • ISBN-13: 978-3406521959
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 179.447 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Steuermann der deutschen Finanzwelt - Lothar Gall über Hermann Josef Abs Von Christoph Jahr Wie wenige andere verkörperte Hermann Josef Abs die Metamorphose der Bundesrepublik Deutschland vom kriegszerstörten Trümmerfeld zum Wirtschaftswunderland. Durch ihre von 1901 bis 1994 reichende Spanne ermöglicht seine Biografie jedoch weit darüber hinaus tiefe Einblicke in die deutsche Geschichte, die in diesen neun Jahrzehnten zwei Weltkriege und fünf politische Systeme erlebt hat. Lothar Gall zeichnet, privilegiert durch den erstmaligen Zugriff auf den Abs-Nachlass, diesen durch bemerkenswerte Kontinuitäten über die abenteuerlichen Brüche der deutschen Geschichte hinweg gekennzeichneten Lebensweg souverän nach. Abs wuchs in einem streng bürgerlich-katholischen, preussenkritischen Milieu im Rheinland auf und absolvierte nach der Schule zunächst eine Lehre in dem Bonner Privatbankhaus Louis David. Seine weitere Ausbildung führte ihn häufig ins Ausland, so in die Niederlande, nach England, in die USA, nach Südamerika, Spanien und Frankreich. Von 1929 bis 1937 arbeitete Abs für das Berliner Privatbankhaus Delbrück Schickler & Co., seit 1935 als dessen Teilhaber. 1937 wechselte er in den Vorstand der Deutschen Bank, in der er für das Auslandsgeschäft zuständig war. Damit begann die umstrittenste Periode in Abs' Leben, denn in den folgenden Jahren war er mit allen Verbrechen des Regimes konfrontiert. Da war zunächst die «Arisierung» der jüdischen Banken und Unternehmen in Deutschland, von der auch die Deutsche Bank profitierte, wobei Abs in Einzelfällen die schlimmsten Auswüchse zu lindern versuchte. Die gewaltsame Expansion Deutschlands ab 1938 eröffnete Abs ungeahnte Möglichkeiten, seine Talente als international vernetzter und versierter Fachmann zur Geltung zu bringen. Die Wehrmacht besetzte fremde Länder, die deutschen Banken eroberten die Finanzplätze. Hier erwies sich Abs als ein nimmermüder Interessenvertreter seiner Bank, von dem trotz vagen Verbindungen zu Widerstandskreisen keine zeitgenössischen Skrupel gegenüber dieser «Raubgemeinschaft» mit dem Regime überliefert sind. Die heikelste Frage ist, wie viel und was Abs über den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern und vom Holocaust wusste. Obwohl er im Aufsichtsrat der IG Farben sass, gibt es keine Quellen, die belegten, das er direkte Kenntnis von dem gehabt hätte, was das Unternehmen in und um Auschwitz trieb. In einem Interview Jahrzehnte später hat Abs freilich selber eingestanden: «dass man nichts davon wusste, nehme ich nur wenigen ab». Das Kriegsende erlebte Abs in Hamburg, wo er bis Mitte Januar 1946 als Berater der britischen Besatzungsmacht in Finanzfragen fungierte. Auf Drängen der Amerikaner wurde er kurzfristig inhaftiert und intensiv nach seiner Tätigkeit in der NS-Zeit befragt, schliesslich jedoch als «unbelastet» eingestuft. Als entscheidend erwies sich eine frühe Begegnung mit Konrad Adenauer, die es ihm ermöglichte, am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland mitzuwirken, zunächst vor allem durch seine Tätigkeit in der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Einer der Höhepunkte seiner Karriere war die Regelung der deutschen Auslandsschulden durch das Londoner Schuldenabkommen im Februar 1953. Auch seine Tätigkeiten als Vorstandssprecher und schliesslich Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank sowie seine Dutzende von Aufsichtsratsmandaten machten ihn zu so etwas wie dem «regierenden Bankier» der Bundesrepublik mit engen Verbindungen zur Politik. Obwohl er an über einhundert Kabinettssitzungen teilnahm, erlangte er jedoch nie ein politisches Mandat. Adenauer war der Kapitän, Abs sein Lotse, der letztlich den Primat der Politik anerkannte. In den späten sechziger Jahren begann Abs' Stern zu sinken, wenngleich er als Ehrenvorsitzender der Deutschen Bank und in vielen anderen Positionen weiterhin grossen informellen Einfluss ausübte, aber auch als Kunstmäzen tätig war. Gall ist es, von einigen Redundanzen abgesehen, hervorragend gelungen, das Panorama dieses Lebens bunt, aber nicht grell, differenziert und doch mit Blick auf die grossen Linien zu zeichnen. Der interpretatorische Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Verhältnis von Finanzwelt und Politik über mehrere radikale politische Systemwechsel hinweg. Gall kommt für die NS-Zeit zu einem relativ milden Urteil, das zwar keineswegs die tiefe Verstrickung von Abs in die Verbrechen leugnet, ihm jedoch keine bewusste Nähe zum Regime unterstellt. Dass es bei ihm, wie Gall feststellt, ein mehr oder minder bewusstes «Nicht-so-genau-wissen-Wollen» gab, könnte jedoch auch ein schärferes Urteil über das Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Moral begründen. Abs' wirtschaftlicher Ordnungswille liess offensichtlich wenig Raum für ethische Überlegungen, auch nach den Erfahrungen der NS-Jahre. Sei es bei den Wiedergutmachungszahlungen an Israel, die er zunächst ablehnte, sei es seine wohlwollende Kooperation mit den südamerikanischen Diktaturen oder dem Südafrika der Apartheidära – stets wurde Abs persönlich vom Primat des Wirtschaftlichen über das Menschliche geleitet. Über die Kosten dieses Denkens hätte der Leser gern mehr erfahren.


Kurzbeschreibung

Hermann Josef Abs, dessen Leben fast das gesamte 20. Jahrhundert umspannt, war der mächtigste Bankier seiner Zeit. Sein Name ist bis heute ein Synonym für den oft mehr erahnten als greifbaren Einfluß des "Kapitals" auf Politik und Wirtschaft. Lothar Galls faszinierende Biographie zeigt einen Bankier bei der Arbeit, der wie kein zweiter die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert mitgestaltet hat. Hermann Josef Abs, noch ein Jahr vor seinem Tod als "mit Abstand mächtigster Mann in Deutschland" apostrophiert, verkörpert wie niemand sonst die Macht des Geldes im 20. Jahrhundert. Der legendäre Chef der Deutschen Bank war kein Bankier unter anderen, er war der Bankier schlechthin, die Verkörperung all dessen, was - positiv wie negativ - mit dem Geflecht der Beziehungen zwischen Staat, Wirtschaft und Politik assoziiert wird. Seiner Biographie geht nun mit Lothar Gall einer der angesehensten deutschen Historiker nach. Auf der Grundlage akribischer Quellenforschung erzählt Gall nicht nur vom steilen Aufstieg Abs’ zum einflußreichsten Bankier Deutschlands, sondern er begreift ihn stets als charakteristischen Repräsentanten der jeweiligen Epoche, als Symbolfigur der übergreifenden Tendenzen und Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Das gilt für die Weimarer Republik wie für die Jahre des "Dritten Reiches", denen Gall mit nuanciertem Urteil besondere Aufmerksamkeit widmet. Es gilt aber vor allem auch für die Geschichte der Bundesrepublik, die Abs maßgeblich mitgestaltet hat. So ist eine exemplarische Biographie entstanden, ein meisterhaftes Portrait der Welt des Geldes und der Macht - und des Mannes, der ihr Bankier war.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine funktionale Biographie, 8. Januar 2005
Sehr angenehm und flüssig geschrieben, ausreichend detailliert ohne ins Unermesslich abzugleiten. Gerade letzteres ist leicht der Fall, wenn das Archiv der Person, des Unternehmens und öffentlich zugängliche Materialen verfügbar sind. Durch die mehrlagige Verknüpfung des Lebensweges von Abs, der wirtschaftlichen Entwicklung der Bank als auch Deutschlands über eben diesen Zeitraum hinweg entsteht ein verwobenes Bild, das dennoch klare Eindrücke vermittelt. Allerdings wird dabei etwas die engere Aufgabe des Biographen verlassen und das Buch oszilliert öfters zwischen einer wirtschaftshistorischen Beschreibung und dem Lebensweg eines Mannes.
Angenehm, daß der Autor sich im wesentlichen auf faktische Darstellungen beschränkt und an Stellen, wo Werturteile gefällt werden können, dem Leser nicht immer seine eigene aufdrängt, sondern die Freiheit zum Nachdenken läßt.
Schade, daß man wenig über den Privatmann, Ehemann, Familienmann Abs erfährt; nicht nur weil damit der Drang zum Voyerismus ins Privatleben verwehrt wird, sondern vor allem, weil es interessant sein kann, die Wechselwirkung mit dem beruflichen Handeln besser zu verstehen.
Ein Buch, das man auf jeden Fall gelesen haben sollte.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Im persönlichen bleibt der Bankier blass, 1. Januar 2005
Von Ein Kunde
Wenn auch die wirtschaftshistorischen Fakten interessant und fundiert vorgetragen werden - von einer Biographie verhofft man sich denn doch mehr, nämlich Einblicke in die private Existenz und Persönlichkeit des Portraitierten. Das fehlt fast vollkommen - vielleicht, wie Gall selbst schreibt, wegen Abs' Betonung der "Trennung der öffentlichen von der privaten Sphäre" die "durchaus zum Leidwesen des Biographen" sei. Aber man will dann doch nicht ganz glauben, dass nicht mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht ist Gall doch zu sehr Wirtschaftshistoriker, und nicht, was einem Biographen auch gut ansteht, Psychologe oder Belletrist. Wenn Gall sich dennoch als Interpret der Absschen Persönlichkeit versucht, dann eher zum Nachteil - wie etwa leider im letzten, reichlich nebulösen Satz der Biographie: "Noch im Bewusstsein der eigenen Vegänglichkeit an die Unvergänglichkeit der eigenen Existenz zu glauben, das markierte in der Tat die Grundlage und die Unverwüstlichkeit seines Selbstbewußtseins."
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