Das Buch Bankbetriebslehre bietet meines Erachtens einen guten Ein- und Überblick über Banken und deren Tätigkeiten, über theoretische Rechtfertigungen und über die Regulierung von Banken. Es beginnt mit einem allgemein gehaltenen Grundlagenteil und geht dann über zu theoretischen Erklärungen von Banken im Sinne der Institutionenökonomik. Der weitaus größte Teil des Buches widmet sich allerdings den Risiken, denen Banken aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit ausgesetzt sind und es wird erklärt, wie diese von Staats wegen reguliert und von den Banken umgangen/abgesichert werden. Ich persönlich finde den Aufbau in der genannten Reihenfolge schlüssig und hilfreich zum Verstehen des Stoffes.
Dabei werden sehr viele Themen leider nur angeschnitten, allerdings bietet die 20-seitige Literaturliste genügend Gelegenheiten zur Vertiefung von interessantem Stoff. Wer hingegen meint, hier werde "Quantität vor Qualität" gestellt, irrt. Wem der Umfang des Buches nicht reicht, der möge die über 10000 Seiten aus den Originalquellen lesen und still sein. Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Ausdifferenzierung bis zum Umfallen, dafür ist auch die Thematik viel zu komplex. Das was behandelt wird, wird in klarer Sprache und formal richtig erklärt.
Bei der Themenfülle ergibt sich unweigerlich auch, dass man nicht alle Themengebiete interessant findet, auch mir ging es so, allerdings empfand ich andere Teile umso nützlicher, z.B. die Vorstellung des Diamond Modells zur Erklärung der Existenz von Banken bei asymmetrischer Information. Auch wechselt der Schwierigkeitsgrad ab und zu, was wohl eine Folge Gliederung ist.
Das Fundament dieses Buches bilden durchweg verschiedene Theorien, z.B. von vollkommenen Märkten oder unvollkommenen Märkten, weshalb man in der Tat dazu verleitet sein könnte, von mangelndem Praxisbezug zu faseln. Was sogenannter "Praxisbezug" anrichtet, hat man aber an der Finanzkrise gesehen, nämlich z.B. wenn Regulierungsbehörden schlafen und nicht auf die bereits vorhandene Theorie zurückgreifen. Beispielsweise waren Haftungsprobleme aufgrund des vergleichsweise geringen Eigenkapitals bekannt, ebenso falsche Anreizeffekte bei der Verbriefung und beim Originate-and-Distribute Geschäft.
Aus eigener Erfahrung und auch durch die Finanzkrise weiß ich, dass "Beschäftigter im Finanzbereich" zu sein weder notwendige noch hinreichende Bedingung ist, um Ahnung von Kapitalmärkten zu haben. Stichwort Lehmann Zertifikte. Auch von der Effizienzmarkthypothese haben scheinbar viele Bankmitarbeiter noch nichts gehört. Hier setzt "Bankbetriebslehre" an und merzt vermeintlich "praxisrelevantes" Wissen aus und ersetzt es durch zumindest theoretisch gerechtfertigte Erkenntnisse. Natürlich werden diese immer Unzulänglichkeiten haben, aber deswegen nur auf Heuristiken zuzugreifen, wäre traurig. Und wer meint, "Investment Banking, Corporate Finance und Capital Markets" kämen zu kurz, was sie ja auch wirklich tun, der soll sich halt Fabozzis Handbook of Finance kaufen (über 2500 Seiten, Kosten knapp 400 Euro). Aber bei einem Einführungsbuch zur Bankbetriebslehre, das 50¤ kostet, ist diese Kritik deplatziert.
Ich kann dieses Buch für all jene empfehlen, die Interesse an der theoretischen Behandlung von Bankengeschäften haben. All jene, die Wert auf "Praxisrelevanz" legen, sei Focus Money oder Börse Online empfohlen.