Obwohl der Film seit knapp einem Jahr bei Amazon im Angebot sein soll, gab es bisher keine Rezension. Nach zwei bis drei positiv empfundenen Thailand-Action-Filmen (klar Ong-Bak war auch dabei), einem interessanten Trailer und einem Blick auf den recht günstigen Blu-Ray-Preis erlag ich der Versuchung herauszufinden, ob dieser Film war taugt.
Diese Rezension soll interessierten Amazonkunden bei ihrer (Nicht-)Kaufentscheidung helfen.
Der Inhalt des Films ist hinreichend in der Amazon-Kurzbeschreibung unter der Produktinformation dargestellt. Um mehr geht es im ganzen Film nicht. Ach ja, die "unbezahlbar hohe Summe", die verspielt wurde, beträgt 1 Mio Baht = 23.700 Euro. Das geforderte Lösegeld i.H.v. 10 Mio Baht entspricht somit rd 240T¤.
Die Darsteller beeindrucken kaum durch ihre schauspielerischen Fähigkeiten:
- Priya Suandokemai (lt. Google ihr einziger Film) ist eine nervige Millionärstochter... überzeugend.
- Daniel O'Neill (lt. Google sein einziger Film) spielt einen der vier Rucksacktouristen, hat die männliche Hauptrolle, glänzt durch akrobatische Kampfkunstdarstellung (Muay Thai), dürfte wohl ne Art Frauenschwarm sein und tut am Ende alles, um die Millionärstochter zu retten. Zur Belohnung gibt's in der Schlußszene eine Backpfeife und nen zarten Kuss von Priya.
- Conan Stevens (soll schon mal in 1-2 Filmen mitgewirkt haben; keine Blockbuster) spielt den tumben, verfressenen muskelbepackten Wrestling-Kampfstil-Typen... irgendwie überzeugend, vor allem das Tumbe.
- Gwion Jacob Miles (lt. Google sein einziger Film) hat einige gute Kampfszenen, zieht aber eher mal den Kürzeren beim Kämpfen. Beim Lösegeld aushandeln lässt er sich mal eben am Telefon von 10 Mio auf 3 Mio drücken und der Millionärspapa feixt sich dabei einen. Ansonsten darf er einige längere Dialogstellen für sich beanspruchen. 08/15-Darstellung.
Die Action dominiert den Film insofern, als dass ständig Verfolgungs- und Kampfszenen zu sehen sind, die aber nicht so richtig fesseln, weil sich vieles wiederholt oder eben nicht besonders beeindruckend ist. Einzig Daniel O'Neill legt eine größere Bandbreite hin, aber auch hier lässt das Interesse (jedenfalls bei mir) irgendwann deutlich nach. Was mich u.a. sehr gestört hat, dass z. B. bei einer "Prügelei" Daniel + Gwion gegen Dutzende von Angreifern (es sollte Lösegeld übergeben werden) soviel Prügel beziehen, dass "ihr Ende" offensichtlich wird. Plötzlich geht alles wieder von vorne los und die anderen beziehen Prügel vom Feinsten. Übrigens immer wieder faszinierend, wie oft man Ellenbogen, Knie, etc in den Kopf oder vor die Brust bekommen kann, ohne beim Kämpfen ernsthaft beeinträchtigt zu werden... (Okay, ich weiß, Action entbehrt oft der Logik.)
Die Synchronisation ist ein Greuel. Wer schon mal Softsexfilme im nächtlichen Programm der (freien) Privatsender gesehen hat, weiß was ich meine. Man schaut sich den Film an und irgendwie schwebt der Tonteil abgehoben und leicht bezugslos darüber. Von der Stimmenauswahl und den Texten sehen wir hier mal ab.
Die Musik ist ganz nett... Schnelle Rhythmen, nichts besonders Hervorzuhebendes. Erreicht halt den Zweck.
Humor... autsch... Zwei Männer halten jemanden an den Schuhen kopfüber "über dem Abgrund" hängend fest. Beim Hochziehen rutscht er aus den Schuhen... Kommentar: "Abgerutscht... falsche Schuhgröße"... ein Brüller.
Oder: Franzose, Typ Söldner, wird knallhart dargestellt. Beim Abrücken vom eigenen Standort springt der Jeep nicht an. Ergo, er und fünf ebenso knallharte Typen nehmen den öffentlichen Bus. Anschließend weiterer knallharter Auftritt vor einem sich öffnenden Rolltor zu einer Lagerhalle... der "Böse" in der Lagerhalle greift zum Maschinengewehr und mäht alle weg... natürlich ohne ernsthafte Gegenwehr oder sonstigen Selbstschutzversuch der Söldner.
Oder: Ein mit ca 35 kmh heranholender Zug droht das ans Auto gekettete Millionärtöchterchen und den ihr beistehenden Daniel zu zermahlmen. Im letzten Augenblick weicht aber der "dauerhupende" Zug dank einer Weiche von der Geraden ab und fährt an ihnen vorbei... Hahaaa.
Solcherart gibt es einige Stellen, die einem ein gequältes Lächeln entlocken können (sollten?)...
Ach ja, der Regiesseur ist Raimund Huber. Das sagt Ihnen nichts. Ist okay, denn "lt. Google sein einziger Film"...
Bildqualität: Hab leider noch nen 26"-LCD, aber das Bild scheint ganz okay zu sein; jedenfalls zum Teil "schön bunt".
Zum Bonus ist anzumerken, dass es neben knapp 1 Std Aufnahmen vom Drehort (nett anzusehen: der rollende Regieplatz...), bei denen mir im Nachhinein einiges zum Film und dem Grund für seine "Qualität" klar wurde, auch noch 5 Min "nicht verwendete Szenen" (war auch besser so) zu sehen gibt.
Fazit: Zwei Sterne für die Action... mehr ist auch bei wohlwollender Betrachtung nicht drin.
Wer den Film trotzdem kaufen will: Vielleicht gibt's ihn mal im Paket ("6 für 30" oder so).
UND: Wer es geschafft hat, meine langatmige Rezension bis hierher zu Lesen, der hält evt auch den Film bis zum Ende durch...