Neil Hannon musiziert wieder zeitlos vor sich hin, stilsicher und old fashoned wie eh und vermutlich auch diesmal wieder weitgehend am Geschmack des deutschen Publikums vorbei. Wie bei kaum einem anderen Künstler sagt auch dieses Plattencover hinreichend, was einen auf der Platte zu erwarten hat: Melone, Fliege, Pfeife im Mund und eine Quietscheente am rechten unteren Bildrand. Die Ente bleibt auch hier draußen, aber wie eh auch diesmal wieder der augenzwinkernde Verweis auf Hannons lustvolles Spiel mit dem Kitsch, das er souverän gewinnt. Musikalisch wird munter durch die Jahrzehnte gerodelt, ISLAND LIFE verbindet z. B. spielerisch die 20er mit den 60ern. Stilistisch knüpft Hannon am ehesten an sein auch schon wieder sechs Jahre altes Album ABSENT FRIENDS an, ohne ganz dessen Klasse zu erreichen. Egal, es dauert nicht lange, da wippt der ganze Körper mit bei der Musik des Meisters der großen Gesten, doch Vorsicht: was gelegentlich als Easy Listening daherkommt, ist auch diesmal wieder subversiver Bombastpop. Verstärkung erhält er von Thomas Walsh, mit dem er letzthin THE DUCKWORTH LEWIS METHOD musikalisch interpretierte, außerdem erneut durch das Millenia Ensemble und, introducing, als weibliche Verstärkung Cathy Davey, sowie Andrew Skeet, der schon auf VICTORY FOR THE COMIC MUSE Arrangeur Joby Talbot ersetzte.
Bemerkenswert, wenn auch nicht eben reinste Sangeskunst, ein fast 30 Sekunden gehaltener Ton auf CAN YOU STAND UPON ONE LEG - auch auf einem Bein stehend darf man ein bisschen wackeln, solange man nicht umkippt.
Nun legt das erwähnte ABSENT FRIENDS die Latte der Erwartungen so hoch, dass jeder andere Künstler bequem drunter durchspringen könnte, ohne sich am Kopf zu stoßen. Hannon reißt die Latte zwar, aber die Qualität auch dieses Albums ragt wieder deutlich über die Masse der Neuveröffentlichungen heraus. Hannon kanns einfach, er kann tolle Songs schreiben, er hat den Beach Boys- und Scott Walker-Schmelz und das rechte Maß bei all seinem Treiben. Das ist die feine Grenze, die Hannon seit zwanzig Jahren zieht: seine Lieder sind zum Mitdenken und Mitwippen, aber gottlob nicht zum Mitschunkeln. Einmal mehr ziehe ich meinen Hut vor einem der besten Songschreiber unserer Tage.