Auf der Arbeit habe ich mir zunächst eine Blockierung des Iliosakralgelenkes eingefangen. Da ich "nicht hören wollte, musste ich dann fühlen" - zwei Wochen lang habe ich noch mit den Beschwerden weitergearbeitet, immer leicht gelindert mit Gymnastik, Schmerzmittel und Wärmepflastern.
Dann ging garnichts mehr. Heftigste Rückenschmerzen im LWS-Bereich, ich konnte nur noch in steifer, gebeugter Haltung gehen, rollte mich morgens förmlich aus dem Bett und kniete erstmal neben dem Bett nieder, weil ich nicht mehr aufstehen konnte. Ich hatte ein Gefühl als würde ich in der Mitte auseinanderbrechen.
Das hatte dann natürlich eine Krankschreibung zur Folge - der erste Arzt verschrieb mir ein muskelentspannendes Mittel mit dem Hinweis "Ruhe und Wärme" (Ergebnis: brachte nix, weiterhin starke Schmerzen, Schlaflosigkeit mitten in der Nacht, wenn das Mittel aufhörte zu wirken), der zweite Arzt setzte mir eine Spritze gegen die Schmerzen mit dem Hinweis "Stufenlagerung und Gymnastik" und der Orthopäde diagnostizierte u.a. eine "Reizung der Bandscheiben" mit Beeinflussung der entsprechenden Nerven sowie eine total verhärtete Rückenmuskulatur mit Blockierung von Wirbeln der LWS - ebenfalls dekoriert mit dem Hinweis "Gymnastik,Wärme und Stufenlagerung" und "so etwas braucht eben seine Zeit".
Nach vier Wochen permanenten Schmerzen hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf "das braucht eben Zeit" oder zusammengerechnet ein Viertel des Tages in einer Stufenlagerung zu verbringen; gepaart mit den Gefühlen der Hilflosigkeit sowie einer zunehmenden Genervtheit meinerseits, weil ich nichts, aber auch garnichts mehr machen konnte.
Dann recherchierte ich bei Amazon und mir lief dieses Buch über den Weg - ich habe es aufgrund der Rezensionen bestellt und das stellte sich für mich als Erlösung heraus.
Ich staunte nicht schlecht als ich das Buch durchblätterte. Vor ca. 14 Jahren habe ich eine Ausbildung im Sportbereich abgeschlossen und damals im Fitness-Studio gearbeitet. Tenor war immer:"Hohlkreuz unbedingt vermeiden! Die armen Bandscheiben!" Eine Übung in diesem Buch zeigt aber u.a. genau diese - verbreitet als "ungesund" bezeichnete - Position der Streckung der Wirbelsäule - nämlich die mit langem Rücken ausgeführte Beugung bzw. Streckung nach hinten. Für mehr Körperkontrolle wird diese Position auf dem Boden ausgeführt - entweder als Unterarmstütz oder auch als Handstütz. Die Autoren führen dazu aus, dass man keine Angst vor dem sogenannten Hohlkreuz haben sollte, da die meisten Menschen unter einem Mangel an einer Streckung der Wirbelsäule leiden.
Interessant fand ich zudem den Hinweis, dass beispielsweise Kraft allein ein Bandscheibenleiden nicht verhindern kann. Erwähnt wird hier das Beispiel von V. Klitschko, der wohl zweimal einen Bandscheibenvorfall erlitt.
Gezielt belasten statt entlasten sei der Schlüssel für die Heilung. Neben der Einleitung, der Beschreibung der Diagnostik, Differentialdiagnosen, einer Beschreibung des Genesungsweges folgt eine Anleitung verschiedener Test- und Therapiebewegungen der Wirbelsäule. Die Übungen sind wirklich ganz einfach und mit sehr geringem Aufwand durchzuführen; m.E. kann man nicht viel verkehrt machen.
Des Weiteren gibt es eine Aufteilung der Übungen für Lenden- und untere Brustwirbelsäule sowie Hals- und obere Brustwirbelsäule. Es folgt das Kapitel "So steigern Sie ihre Fitness". Man findet viele Tipps und Hinweise für richtiges Stehen, Sitzen und Liegen usw.
Am Tag als das Buch geliefert wurde, war ich morgens wieder rollend aus dem Bett aufgestanden und konnte mit Mühe und Not ein paar Schritte schlurfen. Nach Lektüre der für mich wichtigsten Kapitel im Buch versuchte ich mich zunächst sehr misstrauisch und vorsichtig, denn schließlich war das Hohlkreuz für mich noch "böse", an den Übungen für die LWS. Anfangs zog und ziepte es, aber je mehr ich mich dabei entspannte und die Gesäßmuskulatur WIRKLICH locker ließ, desto besser klappte es. Ich verbrachte etwa 15 Minuten auf dem Boden und "übte" bis ich wieder vorsichtig aufstand. Der Effekt grenzte für mich an ein Wunder. Ich konnte deutlich schmerzfreier gehen. Es war unglaublich.
Die Übungen führe ich erst seit drei (!) Tagen regelmäßig aus, ich habe meine Schlafposition wie im Buch verschrieben verändert und kann schon nach dieser kurzen Zeit morgens aufstehen ohne dass ich mich am Griff meines Kleiderschrankes hochziehen muss. Schmerzmittel benötige ich auch nicht mehr.
Dass mich hier niemand falsch versteht - ich halte die Schulmedizin für sehr nützlich und ich bin durch das Buch nun nicht wundergeheilt. Ich glaube nur, dass jeder, der so lange - und vielleicht noch länger - mit Rückenschmerzen mehr oder weniger durch die Gegend robbt und an den bitteren Gedanken kommt, dass nichts zu helfen scheint, vielleicht mal in eine andere Richtung denkt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes:
Die Stufenlagerung (im Buch heißt es "Beugephilosophie") hat das Ziel, die Wirbelsäule zu entlasten. Laut Buch ist aber genau die entgegengesetzte Lagerung bei Bandscheibenleiden meistens erfolgreicher. Beim Lesen des Buches fiel mir auch eine Geschichte dazu ein, die mir der Orthopäde fröhlich erzählt hatte: Einer seiner Patienten hatte massive Schmerzen über einen langen Zeitraum und er war kurz davor "in die Röhre geschoben zu werden" (wo ich mir gedacht habe, vermutlich Kassenpatient, da ist das MRT zu teuer, warten wir lieber mal ab - aber das steht auf einem anderen Blatt). Dieser Patient sei nun in einer "unmöglichen Lage" - nämlich im "Hohlkreuz" - auf dem Sofa eingeschlafen. Danach war er praktisch "geheilt".
Nachdem ich also einiges gehört, dieses Buch gelesen und die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Übungen selber fühlen konnte, frage ich mich, warum denn dann nicht mal ein Umdenken stattfinden kann? Wenn ich die genannten Übungen nicht durchgeführt hätte, läge ich vermutlich noch jetzt frustriert die Decke anstarrend in der "Stufe".
Wer es geschafft hat bis hierhin weiterzulesen und sich vielleicht gefragt hat, warum ich denn keine Krankengymnastik bekommen habe, dem schenke ich die Worte meines Hausarztes: "Sie machen ja selbst Übungen zu Hause, da brauchen Sie keine Krankengymnastik". Ich spare mir dazu jeden weiteren Kommentar.
Das Buch ist für mich eine definitve Kaufempfehlung - nur bitte bedenken, dass eine ärztliche (bildgebende) Diagnostik zuvor auf jeden Fall wichtig und notwendig ist!
,