Philip K. Dick war einer der populärsten amerikanischen Science Fiction-Autoren und gilt heute sicher zu Recht zudem als einer der großen literarischen Visionäre seiner Zeit. Kein anderes Genre bot ihm die Möglichkeiten, die sich ihm in der SF eröffneten. Trotzdem versuchte Dick Zeit seines Lebens im Mainstream Fuß zu fassen - vergeblich. Nur wenige dieser Versuche fanden breitere Anerkennung; vielleicht war der Autor bereits zu sehr mit einem bestimmten Genre assoziiert. Bei dem hier zu besprechenden Werk handelt es sich um einen von Dicks berühmtesten Non-SF-Versuchen.
Schauplatz der Handlung ist das kleinbürgerliche, ländliche Kalifornien in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Jack Isidor, dessen Charakter Skurrilität und Naivität vereint, wird aufgrund seiner Unfähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen, von seiner Schwester Fay und deren Mann Charley zu sich aufs Land geholt. In der für Fays Geschmack viel zu ruhigen Idylle bahnt sich eine Beziehungstragödie an, als sie den frisch verheirateten Nat Anteil zu ihrem Liebhaber ausersieht. Aus wechselnden Erzählperspektiven wird die Geschichte verfolgt, die sich dramatisch zuspitzt und schließlich in eine Katastrophe mündet.
Dicks Roman besticht, anders als seine SF-Erzählungen, weniger durch verblüffende Einfälle oder eine rasante Haken schlagende Handlung. Was "Eine Bande von Verrückten" bemerkenswert macht, ist vor allem die unglaublich dichte, durch den öfteren Wechsel der Erzählerfigur noch um zusätzliche Perspektiven bereicherte Schilderung des Innenlebens der Charakter und ihrer vielschichtigen Beziehungen. Die wechselvolle Darstellungen von Obsession und Abgrund meistert der Autor bravurös. Die Frage, wer nun tatsächlich die Verrückten seien, lässt sich angesichts des Innenlebens der Charaktere nicht mehr eindeutig beantworten. Die jungenhafte Naivität Jacks verleit der Schwere der absehbaren Tragödie einen Haut von Komik; es handelt sich aber definitiv nicht um einen "ungeheuer humorvollen geschriebenen Roman", als welcher er auf der Rückseite des Einbands angepriesen wird. Fazit: So wenig originell sich die Handlung auch auf den ersten Blick anhören mag, wird man für das Lesen mit einer der intensivsten Charakterstudien belohnt, die diesen ersten Eindruck wieder wettmacht.