Nach 64 Folgen des Animes und 108 Kapiteln des Mangas endete vor etwa zwei Monaten die "Fullmetal Alchemist"-Serie, zumindest in Japan. Im deutschen Bereich wird es wohl noch ein wenig dauern, in erster Linie deswegen weil von der "Brotherhood"-Version der Serie (es gab vor Brotherhood bereits eine Anime-Umsetzung des Mangas, die jedoch nach einer Weile eine eigene Geschichte entwickelte, während Brotherhood eine 1:1-Umsetzung ist) bislang nicht bekannt ist, ob sie ins deutsche übersetzt wird. Doch das ist eine gänzlich andere Geschichte.
Wieso fange ich dann also davon an? Ganz einfach: Animes sind bekannt dafür als Videospiel umgesetzt zu werden. Häufig stellt dies aber ein Problem dar. Der Anime läuft weiter, und sobald das Spiel erscheint ist die eigentliche Serie schon viel weiter. Die Spiele kommen also quasi zu spät. FMA hat jedoch bereits geendet. Die Produzenten können also ohne Bedenken auf alles zurückgreifen was der Anime zu bieten hat. Damit komme ich auch schon zu meinem ersten Punkt.
1.) Der Inhalt - physisch und spielerisch.
Ich bin jemand, der eigentlich nie das Handbuch liest, bevor er zu spielen beginnt. Zum Glück, denn dieses Handbuch ist schwarz-weiß. Klar, das kommt öfter vor, nicht nur bei diesem Spiel, aber es ist doch ein seltsames Gefühl. Vor allem wenn Symbole beschrieben werden, die eigentlich nur durch ihre Farbe voneinander zu unterscheiden sind. Also bitte: Nicht am Farbdruck sparen! Schwarz auf grau zu lesen ist immerhin schlecht für die Augen.
Der Kernpunkt des Spiels - die Story - umfasst in etwa die erste Hälfte der Serie. Das ist jetzt eigentlich nichts schlechtes. Wenn der Story-Modus ein bisschen besser gestaltet worden wäre. Es ist eigentlich nur ein Kampf nach dem anderen, und dazwischen unterhalten sich die Charaktere. Klar, man könnte jetzt sagen, dass die Dialoge dafür verdammt lang sind... aber nix da. Es fehlt einfach viel zu viel. Ein grobes Beispiel: es wird im gesamten Spiel eigentlich nie wirklich erklärt was Alchemie oder ein "äquivalenter Tausch" ist, während einem das im Anime hinten und vorne eingetrichtert wird. Es fehlt irgendwie der Kontext zwischen den Geschehnissen. Die Dramatik die im Anime aufkommt, fehlt hier sogar vollständig.
Man kann mit jedem freispielbaren Charakter (bis auf zwei) den Story-Modus durchspielen, immer aus der Perspektive des ausgewählten Charakters. Klar, das hört sich jetzt bei 14 Charakteren nach viel an, aber dadurch dass viele Charaktere zu zweit in die Schlacht ziehen, hat man leider insgesamt nur 8 verschiedene Perspektiven. Und diese sind meistens nicht sehr originalgetreu. Es lohnt sich jedoch trotzdem jeden einzelnen Story-Modus zu spielen, auch wenn man dieselbe Geschichte immer wieder hört. Ihr werdet sehen wieso.
Das hört sich jetzt aber wirklich schlimmer an als es ist: sobald man spielt vergisst man das sowieso alles, und lässt sich einfach vom Spiel berauschen, ohne auf die Wahrheit zu achten. "Wie erbärmlich diese Menschen doch sind, sie lassen sich so leicht von Äußerlichkeiten täuschen!", würde Envy wohl sagen.
2.) Die Grafik.
Wie es bei Spielen oft der Fall ist, die auf Animes basieren, hat dieses Spiel einen Cel-Shading Look. Das bedeutet, dass die Konturen der Charakter-Modelle so gestaltet sind, dass sie trotz Dreidimensionalität wie Anime-Figuren aussehen. In diesem Spiel ist das besonders gut gelungen. Der Laie jedoch würde die Figuren als "plump" bezeichen, wir Fans wissen aber, dass das sehr gut zum Zeichenstil der Autorin passt! Ist also sehr originalgetreu, auch wenn man's nicht glauben will.
3.) Der Sound.
"Hagane no Renkinjutsushi: Furumetaru Arukemisuto" begrüßt einen das Spiel. Als mir das zu Ohren kam, schlug mein Herz höher. Und tatsächlich: komplett japanische Sprachausgabe! Mit den Originalsprechern aus dem Anime!! Yes!!!
Die Musik hingegen ist relativ... naja. Sie ist da, aber sie ist nicht wirklich etwas besonderes. Nichtmal die Original-Hintergrundmusik aus dem Anime, glaube ich. Mein Tipp daher: Musik über die Optionen abdrehen, und irgendwo eine eigene Auswahl an Liedern abspielen. Doch keine Sorge! Die Stimmen und Soundeffekte bleiben auch wenn die Musik weg ist! Yay!
4.) Das Gameplay.
... Man kann von einer Adaption nun wirklich nicht erwarten dass es ein eigenes und innovatives Gameplay besitzt ... das kann man nun wirklich nicht ... oder? Im Fall von FMA: Brotherhood wird das einfache Kampfspielprinzip verwendet: Man kämpft gegen einen oder zwei Gegner, entweder alleine oder mit einem Partner. Das ist es eigentlich und mehr nicht. Ein normales Kampfspiel.
Die KI (Künstliche Intelligenz) der Partner ist jedoch ziemlich... dumm. Sobald man stirbt und sie noch leben tun sie nämlich meistens genau nichts, außer durch die Gegend laufen. Toll, nicht?
Die Charaktere sind levelbar, und nach genügend Level-Ups kann man Statuswerte erhöhen. Aber nicht sofort freuen wenn ihr mit einem Kampf gleich zwei Level steigt! Das macht nämlich kaum einen Unterschied... glaube ich zumindest. Was aber wirklich nützlich zum leveln ist, ist die Partnerschaft zwischen Charakteren. Je mehr diese steigt, desto besser unterstützen sie sich im Kampf und der "Kombinationsangriff" (der ultimative Angriff in diesem Spiel) wird stärker. Und sie reden zu Beginn des Kampfes auch ganz anders miteinander. Einige Charaktere haben natürlich schon von Anfang an eine gute Partnerschaft, wie zum Beispiel Edward und Alphonse, oder Ling und Lan Fan.
Richtig Spaß macht das Spiel dann aber doch eigentlich nur im Multiplayer - und zwar zu viert.
Alles in allem hat mir persönlich das Spiel gefallen, auch wenn es sich in der Rezension nicht so anhört. Fans kann ich das Spiel sowieso empfehlen, allein der Vollständigkeit halber. Diejenigen die neu im FMA-Universum sind kann ich nur fragen: Was zur Hölle hat so lange gedauert?! Schaut euch den Anime an! Und zwar die Brotherhood-Version von 2009, nicht die unechte, alte Version. Dann könnt ihr selbst entscheiden ob ihr die Charaktere gut genug liebt um dieses Spiel spielen zu wollen!
Ich gebe dem Spiel deswegen auch nur vier Sterne. Weil es eine für Neulinge undurschaubare Story beinhält. Weil die Dramatik fehlt. Weil das Handbuch schwarz-weiß ist. Und weil es trotzdem verdammt klasse ist, aus irgendeinem unbeschreiblichen Grund. Cheers!