Vorab, bereits während und als ich sie gesehen habe dachte ich, das ist die beste Serie/Miniserie, die ich bis jetzt kenne und mit der beste Kriegsfilm.
1. Die Edition:
Karton oder Stahl?
Gesehen habe ich die Serie weil ich mir die Version mit der grünen Kartonbox (ab 18) ausgeliehen hatte. Die wollte ich eigentlich auch bestellen, weil sie mir optisch einfach viel besser gefiel, auch die Serie mehr grün als grau ist. Normalerweise haben Metallboxen was, doch hier finde ich die Aufmachung der grünen Kartonschachtel mit den ewig ausfaltbaren DVD-Fächern einfach schöner, extravaganter (wenn ich schon DVDs kaufe muss die Hülle optisch schön sein :) - klarer Farbfetischismus).
Lange Rede, Sammlersinn: Trotzdem kaufte ich die Metallbox, weil günstiger. Und siehe da, sie ist wesentlich ansprechender gemacht als sich hier erkennen lässt. Sieht im Gegensatz zum Karton halt wesentlich düsterer aus - der Karton ist immer noch passender ^^ - aber wenigstens schaut die Metallbox in der Realität besser als auf dem Amazonbild aus. Jeder wähle das Seine, bei mir wählte der Preis.
FSK 16 oder 18?
Auch hier tendierte ich erst zum Billigeren, der 16er-Box, da in der 18er-Version lediglich die dritte Folge ohne Jugendfreigabe ist (um knappe drei Minuten gekürzt, wurde hier schon geschrieben). Aber nach dem Schauen - ich hatte vorher gesehen, dass sie die einzige ab 18 ist - dachte ich, was war daran bitte blutiger als in den restlichen Folgen? Ich vermute es wurden irgendwo 2cm Wunde zu viel gezeigt, oder die Menge grausamer Szenen in dieser Episode fiel ins Gewicht, sodass das Limit knapp überschritten wurde - aber in den restlichen, ab 16 freigegebenen Folgen ist weder an Menge noch an Intensität weniger zu sehen. Schade. Ich denke hätte ich die FSK 18 Version noch nicht gesehen gehabt hätte ich aufgrund des Preises und weil nur zwei Minuten fehlen zu FSK 16 gegriffen. Aber da ich keinen anderen Schnitt der Folge haben möchte (die außerdem einen der für mich interessantesten Charaktäre beleuchtet und auch nicht zu lang ist) kaufte ich doch diese Version - die Hochstufung ist unnötig.
2. Der Inhalt:
Die Serie hält alles. Geschickte Erzählung, Charaktertiefe, schauspielerisch sehr gute Leistung (enorm im Schnitt!), Spannung, Atmosphäre, Witz, unglaubliche Ästhetik - außerhalb der Gefechte - und sehr gute Darstellung der Gefechte - wenn gekämpft wird. Allgemein ergreifende Darstellung, wahnsinns Schinken!
Die Drehbücher der Folgen sind sehr geschickt geschrieben. Sie laufen nach dem Schema in jeder Folge auf einen Charakter, meist ein Anderer als zuvor, einzugehen, sodass die Truppe aus vielen Blickwinkeln beleuchtet wird. Und es funktioniert.
So ist das Drehbuch auch dem jeweiligen Charakter angepasst. Beispielsweise kritisierte mal jemand die siebte Folge - Hauptperson ist Sergeant "Lip" Lipton - da sehr viel Monolog aus dem Off von "Lip" erzählt wird, aber das passte einfach zu ihm. Einerseits nachdenklich, andererseits einen Tick "schlicht" usw. ...
Teilweise sind die Drehbücher richtig genial gestrickt, besonders Episode fünf überraschte mich, aber ich will nichts vorweg nehmen - in allen Folgen findet sich eine sehr vielschichtige, ausgeklügelte "Zuschauerführung".
Manchmal ist lästig, dass die Namen bei zig uniformierten Stahlhelmträgern einfach nicht hängen bleiben, passt aber auch zur Kriegsdarstellung, finde ich. Außerdem war es in allen bisher gesehenen Kriegsfilmen krasser, es stößt bei "BoB" kaum auf. Oder andere Momente oder Entwicklungen, die nicht gerade zu Genuss führen, wie die langen Wintergefechte, bieten dadurch (ihre Visualisierung, Erzählweise) Schnittfläche, werden überzeugend rübergebracht. Selbst die achte Folge, die mich am wenigsten ansprach - empfand sie als ein wenig gezogen, wie ein neues Kapitel einer sehr langen Geschichte wirkend - stellt Stimmung und Situation des Geschehens einfach sehr gut dar.
Nicht einmal Patriotismus ist zu dick drinn. Aus Sicht einer amerikanischen Einheit sehr realistisch - und dabei auch extrem hinterleuchtend und kritisch (!) - dargestellt: Eine verhältnismäßig außergewöhnlich ganzheitliche, facettenreiche, teils grausam ergreifende Perspektive der Kriegsdarstellung. Der Einsatz der Veteranen-Interviews jeweils zu Beginn der Episoden zog mich auch in seinen Bann: Irgendwie bekommt man da noch mehr Gefühl für Gebrochenheit durch Krieg.
Will sagen, in dieser Serie trägt fast alles zur Qualität bei.
Ach ja, der Soundtrack überraschte mich ebenfalls positiv: Wenn auch nicht immer Augenhöhe mit John Williams gegeben war, so war doch mit der Zeit festzustellen dass die Filmmusik überzeugend qualitativ ist, sehr sogar. Noch beim zweiten Schauen hauten mich manche Themen regelrecht um, als ich sie nochmal etwas differenzierter von den [ebenso guten] Szenen genoss. Und ich bekomme die "Main Themes" schon seit dem Schauen der ersten Folgen nicht mehr aus dem Kopf.
Von "The Pacific" kenne ich nur die ersten beiden Folgen und zumindest die waren um Welten schlechter, bzw. BoB um Welten besser. :)
Eventuell nimmt Band of Brothers den Platz von "Der Soldat James Ryan" (zu lange her, muss ihn nochmal schauen) neben "Der schmale Grad" (auch extrem zu empfehlen) unter den Kriegsfilmen, die ich am besten finde, ein. Ließe man unter den Tisch fallen, dass Band of Brothers als Miniserie nunmal andere Ambitionen, Maßstäbe und Dimensionen als ein einziger Spielfilm hat, wäre Soldat James Ryan auf jeden Fall unterlegen. So ist der Vergleich schwierig.
Der Besitz lohnt sich klar.
Unabhängig davon ob man das Genre favourisiert oder nicht, wer diese Serie nicht sieht, verpasst etwas. Gewaltig.